DEUTSCHLAND/WELT


23.09.2011 | San Francisco
Große Änderungen bei Facebook
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg kündigte am Donnerstag auf einer Entwicklerkonferenz etliche neue Funktionen an, mit denen Nutzer mehr aus ihrem Alltag preisgeben können.
Musik, Filme und Nachrichten spielen dabei eine zentrale Rolle. Mit den wohl größten Änderungen in seiner Geschichte beschwor das Unternehmen aus San Francisco allerdings sogleich Datenschutzbedenken herauf.
Wichtiger Bestandteil der vielen Neuerungen ist die Möglichkeit, Medieninhalte zu empfehlen. Neue Anwendungen von Mediendiensten können künftig den «Freunden» der Facebook-User zeigen, welche Musik die Anwender gerade hören, welche Filme sie schauen oder welche Artikel sie lesen. Dafür richtet das Unternehmen ein neues Tickerfenster ein, in dem Meldungen in Echtzeit einlaufen.

Dutzende Musikdienste, Online-Videotheken und Websites von Medienunternehmen kooperieren mit Facebook, darunter bekannte Namen wie Spotify, Netflix und Zeitungen wie die «Washington Post», das «Wall Street Journal» oder der britische «Guardian». Das weltgrößte Online-Netzwerk entwickelt sich damit zu einer gigantischen Medienplattform.
Zudem will Facebook seine Nutzer mit überarbeiteten Profilen enger an sich binden. Mitglieder können auf einer Zeitleiste (Timeline) alle wichtige Dinge aus ihrem Leben in einem Magazin-artigen Layout zeigen. Das können Fotos sein oder die Orte, an denen sich sich oft aufhalten. Auch Kochbücher und Jogging-Tagebücher, die externe Firmen auf Facebook anbieten, lassen sich integrieren. «So erzählt man die ganze Geschichte seines Lebens auf einer einzigen Seite», sagte Zuckerberg. Eingeführt werden soll sie in den nächsten Wochen.
Facebook versprach, dass Nutzer die Kontrolle darüber behalten, was ihr Netzwerk über sie erfährt. Viele Beobachter äußerten dennoch Datenschutz-Bedenken, in ersten Reaktionen von Twitter-Nutzern war vom «Ende der Privatsphäre» die Rede.

Ob diese Kritik berechtigt sei, hänge stark von der Umsetzung der neuen Funktionen ab, sagte der Gartner-Analyst Michael Gartenberg der Nachrichtenagentur dpa. «Es ist noch zu früh, um das zu bewerten. Facebook hat mittlerweile gelernt, dass sie in diesem Bereich vorsichtig sein müssen.» Entscheidend sei die Frage, ob das Unternehmen die Informationen standardmäßig veröffentliche oder die Nutzer erst zustimmen müssten.
Mit den angekündigten Neuerungen wolle sich Facebook noch tiefer im Leben der Nutzer verankern - etwa indem sie über ihre Freunde neue Inhalte entdecken, sagte Gartenberg. «Die Idee dahinter ist, dass die Nutzer mehr und mehr Zeit auf Facebook verbringen und dessen Dienste nutzen.» Der amerikanische Journalismus-Dozent und Blogger Jeff Jarvis schrieb, Facebook erhöhe die Hürden, sich von der Plattform abzumelden: «Man verliert sein Leben.»
Mit den Änderungen facht das Unternehmen die Konkurrenz zu Google+ weiter an - dessen Betreiber Google hatte seinen Gegenentwurf zu Facebook jüngst für alle Nutzer geöffnet und mehrere technische Neuerungen angekündigt.
Quelle: dpa

24.09.2011 | Hamburg
Datenschützer besorgt über Änderungen bei Facebook
Datenschützer haben besorgt auf zahlreiche Neuerungen beim Online-Netzwerk Facebook reagiert. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar sagte auf NDR Info, der Nutzer verliere bei dem Unternehmen künftig noch mehr die Kontrolle über seine Daten.
Mit den neuen Funktionen gehe es «zunächst einmal darum, dass die Datenmenge, die die Menschen im Zuge der Nutzung von Facebook von sich geben, noch größer wird».

Dies komme wiederum den Werbekunden des Netzwerkes zugute. «Wenn wir in das Netzwerk reingehen, bezahlen wir kein Geld, sondern wir bezahlen eben mit unseren Daten. Und die sind offensichtlich ein einträgliches Geschäft, wenn man sich die geschätzten Börsennotierungen von Facebook anschaut.» Das Unternehmen habe beim Thema Datenschutz noch viele Hausaufgaben vor sich, so Caspar. Die Menschen müssten die Kontrolle über ihre Daten haben, und hier gebe es bei Facebook erhebliche Defizite.
Das Online-Netzwerk hatte in dieser Woche angekündigt, sich noch tiefer im Leben seiner mehr als 700 Millionen Mitglieder verankern zu wollen. Bei Facebook soll es künftig neue Funktionen wie zum Beispiel eine Zeitleiste geben, auf der Nutzer mehr über ihr bisheriges Leben preisgeben können.




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