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  • Kindermörder-Prozess

DEUTSCHLAND/WELT

 

10.01.2012 | Celle

Gutachter: «Maskenmann» ist schuldfähig

Der mutmaßliche Kindermörder Martin N. war sich nach Aussagen eines Gutachters seiner Taten voll bewusst und konnte sie steuern. Damit sei der angeklagte 41-Jährige schuldfähig, sagte der Psychiater vor dem am Montag in Celle tagenden Gericht.

Zwischen 1992 und 2001 soll der «Maskenmann» drei Jungen ermordet und zahlreiche sexuell missbraucht haben. Die meisten Taten gestand der Angeklagte. Psychiatrische Test hätten bei ihm eine «schwere seelische Abartigkeit» ergeben, sagte der Gutachter. Er sehe eine Rückfallgefahr. Das Gericht müsse nun entscheiden, ob Martin N. in Sicherungsverwahrung komme.

Der gebürtige Bremer führte nach Aussagen des Gutachters ein Doppelleben. «Er hatte eine Tag- und eine Nachtseite.» Tagsüber sei der Pädagoge ein freundlicher und fürsorglicher Jugendbetreuer gewesen, nachts habe er die Jungen missbraucht, um die er sich eigentlich kümmern sollte. «Er ist egozentrisch und wenig emotional - sich und anderen gegenüber.»

In Gesprächen habe Martin N. gesagt, dass er regelmäßig mit dem Auto unterwegs gewesen sei und sich nachts in Heime und an die Betten von Jungen geschlichen habe, um sie im Schlaf zu missbrauchen. Mindestens 50 Mal habe er das getan. Um nicht erkannt zu werden, hatte sich Martin N. für einige seiner Taten eine Maske übergezogen. Zwischen 1992 und 2001 soll der Angeklagte in Norddeutschland drei Jungen aus Landschulheimen und Zeltlagern verschleppt und getötet haben - aus Angst davor, dass seine Familie etwas von seinen pädophilen Neigungen erfahre.

Vor dem in Celle tagenden Gericht waren zuvor Auszüge aus Chat-Protokollen aus den Jahren von 2000 bis 2011 verlesen worden. Der «Maskenmann» soll unter verschiedenen Pseudonymen rund 4500 Beiträge auf einer Pädophilen-Internetseite verfasst haben. Der 41-Jährige gab zu, sich dort zu sexuellen Fantasien geäußert und bekannte Gedichte obszön umgeschrieben haben. Teilweise habe es sich für ihn um ein Spiel gehandelt. «Er wollte damit für Furore sorgen, hat aber auch viel Ablehnung erlebt», sagte der Gutachter. Jetzt seien ihm nach eigenen Aussagen viele seiner Texte unangenehm.

Martin N. war im April vergangenen Jahres fast 20 Jahre nach der ersten Tat gefasst worden, weil sich ein Missbrauchsopfer an den Jugendbetreuer erinnerte.

Der Prozess läuft vor dem Landgericht in Stade. Die Kammer war ausnahmsweise nach Celle ausgewichen. In Stade liefen an diesem Montag mehrere große Strafprozesse parallel.

Quelle: dpa
26.10.2011 | Stade

«Maskenmann» gesteht Morde an drei Kindern

 

Der als «Maskenmann» bekannt gewordene mutmaßliche Kindermörder hat am Mittwoch vor dem Landgericht Stade drei Morde und einige Missbrauchsfälle gestanden.

 

«Ich bin entsetzt über meine Taten und empfinde tiefe Scham und Reue», heißt in einer von seinen Verteidigern verlesenen Erklärung. Weitere Missbrauchsfälle stritt der 40-Jährige ab.

Zum zweiten Prozesstag hat die Kammer unter anderem die Mutter eines der Mordopfer, des damals neunjährigen Dennis K., geladen. Der aus Bremen stammende Pädagoge soll den Jungen im September 2001 getötet haben. Er ist außerdem wegen des gewaltsamen Todes eines Dreizehnjährigen und eines acht Jahre alten Jungen sowie 20 anderen Missbrauchsfällen angeklagt.

 

Die Polizei hatte den mutmaßlichen Serientäter im April in Hamburg geschnappt.

 

Quelle: dpa
09.10.2011 | Stade

Chronologie: Jagd eines Phantoms - die Suche nach dem «Maskenmann»

Jahrelang jagte die Polizei ein Phantom. Im Frühjahr konnte sie schließlich den mutmaßlichen Mörder des kleinen Dennis K. und zweier anderer Jungen fassen. Der Pädagoge Martin N. muss sich von diesem Montag an vor dem Landgericht Stade (Niedersachsen) verantworten.

- 31. März 1992: Der 13-jährige Stefan verschwindet aus einem Internat in Scheeßel in Niedersachsen. Fünf Wochen später entdecken Spaziergängerinnen die gefesselte Leiche des Jungen bei Verden.

- 24. Juli 1995: Der achtjährige Dennis R. wird aus einem Zeltlager am Selker Noor in Schleswig-Holstein entführt. Knapp drei Wochen später findet ein Jogger die Leiche des Jungen in den Dünen nahe der dänischen Stadt Holstebro.

- 5. September 2001: Der neunjährige Dennis K. verschwindet in der Nacht aus dem Schullandheim in Wulsbüttel im Kreis Cuxhaven.

- 11. September: Die Soko «Dennis» wird eingerichtet.

 

- 20. September: Pilzsammler finden die Leiche eines Kindes.

- 22. September: Die DNA-Analyse gibt traurige Gewissheit. Es handelt sich bei dem toten Jungen um Dennis. Er wurde erstickt.

- 22. Dezember: Die Polizei geht jetzt davon, dass Dennis K. und die anderen beiden Jungen einem Serientäter zum Opfer gefallen sind.

- 10. Februar 2011: Es gibt neue Hinweise und Zeugenaussagen zu den drei Morden. Die Polizei wendet sich bei einer Pressekonferenz an die Öffentlichkeit.

- 13. April: Die Polizei nimmt in Hamburg einen Verdächtigen fest.

- 14. April: Der aus Bremen stammende Pädagoge Martin N. gesteht die drei Morde.

- 15. April: Die Polizei gibt auf einer Pressekonferenz die Festnahme von Martin N. bekannt.

- 15. Juli: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Martin N. wegen dreifachen Mordes und sexuellen Missbrauchs in 20 Fällen.

- 10. Oktober: Der Prozess vor dem Landgericht Stade soll beginnen. Die Kammer hat bis Anfang Dezember elf Verhandlungstage angesetzt.

 

Quelle: dpa


Soko Dennis: www.polizei.niedersachsen.de/dennis

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