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  • Libyen feiert Befreiung

DEUTSCHLAND/WELT

 

GADDAFI GEFASST   |   AUFSTIEG & FALL   |   PORTRAIT   |   DIE FAMILIE GADDAFI   |   CHRONOLOGIE

24.10.2011 | Tripolis/Kairo

Befreites Libyen hofft auf Einheit und Versöhnung

 

Der libysche Übergangsrat hat das Land nach 42 Jahren Diktatur von Muammar al-Gaddafi für befreit erklärt.

 

Während eines Festaktes drei Tage nach dem Tod des Ex-Machthabers mit zehntausenden Menschen in Bengasi verkündete der Ratsvorsitzende, Mustafa Abdul Dschalil, am Sonntag offiziell den Sieg über das Gaddafi-Regime. Dschalil rief seine Landsleute zu Einheit, Versöhnung, Geduld und Toleranz auf. Außerdem versprach er Rechtsstaatlichkeit sowie die Einhaltung von Menschenrechten. Die Basis für das neue Libyen soll die islamische Rechtsprechung sein.

 

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) gratulierte den Libyern zur Befreiung vom Regime Gaddafis. «Heute hat für Libyen eine neue Zeitrechnung begonnen. Angst und Unterdrückung sind der Hoffnung auf Frieden und Freiheit gewichen», sagte Westerwelle am Sonntag nach Angaben des Auswärtigen Amtes. Westerwelle rief die Libyer zur Einheit und Aussöhnung auf.

«Hebt Eure Köpfe. Ihr seid frei, Libyer», rief der Vize-Chef des Übergangsrates, Abdulhafis Ghoga, in die begeisterte Menge. Der Ratsvorsitzende Dschalil dankte auch der Nato sowie der Europäischen Union für die Hilfe bei der Befreiung. Wie erwartet, kündigte Dschalil eine stärkere islamische Orientierung Libyens in der Zukunft an. «Bei uns ist das islamische Recht die Grundlage der Rechtsordnung. Ein Gesetz, das dem islamischen Recht widerspricht, ist null und nichtig.»

 

In diesem Sinne werde auch das geltende libysche Eherecht abgeschafft, dass die Zahl der Frauen für einen Muslim begrenze. Man werde auch islamische Banken gründen, die keine Zinsen verlangen, versprach Dschalil. Die Armee werde künftig nur noch zur Verteidigung des Landes eingesetzt. Angesichts der Differenzen zwischen Stämmen, politischen Gruppierungen, Milizen und Landesteilen warnte Dschalil vor einer Spaltung des Landes. «Wir sind alle Brüder geworden, was wir lange Zeit nicht waren.»

 

Auf dem Festplatz in Bengasi, wo der Aufstand gegen Gaddafi vor acht Monaten begonnen hatte, schwenkten begeisterte Menschen Fahnen. Viele tanzten auf den Straßen, wie auf Fernsehbildern zu sehen war.

Nun soll binnen 30 Tagen eine provisorische Regierung gebildet werden. Diese solle dann bis Juni 2012 Wahlen zu einer verfassungsgebenden Versammlung vorbereiten, kündigte Dschalil an. Dieses Gremium soll eine Verfassung ausarbeiten, auf deren Grundlage innerhalb eines Jahres ein Parlament und ein Präsident gewählt werden.

 

Noch vor den Feiern wurde der Streit um die Leiche des Ex-Diktators vorerst beigelegt. Die Leichen Gaddafis und seines Sohnes Mutassim sollen nun an Angehörige übergeben werden, statt wie ursprünglich geplant an einem unbekannten Ort vergraben zu werden.

 

Der Chef der libyschen Übergangsregierung, Mahmud Dschibril, sagte in einem BBC-Interview, er hätte den Ex-Diktator lieber lebend gefasst und vor Gericht gebracht. «Ich will wissen, warum er dem libyschen Volk das angetan hat. Ich wünschte, ich wäre sein Ankläger in seinem Prozess», sagte Dschibril. Er begrüße eine gründliche Untersuchung der Vorfälle um Gaddafis Tod durch die Vereinten Nationen.

Quelle: dpa

Artikel in der New York Times... »

21.10.2011 | Tripolis

Nationalrat will Libyen für «befreit» erklären

 

Nach dem Tod des langjährigen Diktators Muammar al-Gaddafi will der libysche Nationalrat an diesem Samstag das Land für befreit erklären. Nach der feierlichen Zeremonie soll dann binnen 30 Tagen eine provisorische Regierung gebildet werden.

 

Das berichtet der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira. Die Nato könnte nach Einschätzung von Diplomaten bereits auf einer eutigen Sondersitzung den Militäreinsatz in Libyen für beendet erklären.

 

Gaddafi war am Donnerstag in seiner Heimatstadt Sirte unter noch nicht geklärten Umständen getötet worden. Stunden zuvor war in Sirte der letzte Widerstand bewaffneter Gaddafi-Anhänger zusammengebrochen.

Die provisorische Regierung wird die Aufgabe haben, eine verfassungsgebende Versammlung einzuberufen und freie, demokratische Wahlen vorzubereiten. Der Nationalrat wird außerdem seinen Sitz von Bengasi, wo vor acht Monaten der Volksaufstand gegen Gaddafi begann, in die Hauptstadt Tripolis verlegen.

 

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen kündigte ein rasches Ende der Nato-Mission in dem nordafrikanischen Land an. «Die Nato und unsere Partner haben das historische Mandat des UN-Sicherheitsrates zum Schutz der libyschen Bevölkerung erfolgreich umgesetzt», hieß es in einer Erklärung Rasmussens vom Donnerstagabend in Brüssel.

 

Nach Einschätzung eines Arztes starb der Ex-Diktator am Donnerstag durch «Schüsse aus nächster Nähe in Kopf und Bauch». Ein Mediziner im Krankenhaus von Misrata, der Gaddafis Leiche untersucht habe, sei zu diesem Schluss gelangt, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Arabija am Freitag. Dies könnte auf eine Hinrichtung nach der Gefangennahme hindeuten.

Ein Kämpfer der Nationalrats-Milizen, der nach eigenen Angaben bei Gaddafis Festnahme in Sirte dabei war, stellte die Situation am Freitag in einem Gespräch mit dem Nachrichtensender Al-Dschasira anders dar. Nach einem heftigen Feuergefecht mit Gaddafis Leibwächtern vor dem Abwasserrohr, in dem der ehemalige Machthaber sich versteckt hielt, habe sich Gaddafi ohne weitere Schwierigkeiten festnehmen lassen, sagte der Milizionär Osama al-Tajib.

 

«Wir übergaben ihn dem Sicherheitskomitee», führte er weiter aus. «Doch dann brach ein Gefecht zwischen den Gaddafi-Loyalisten und den Revolutionären aus.» Gaddafi sei dabei durch Schüsse an Kopf und Brust getroffen worden. «Wir legten ihn einen Ambulanzwagen, ein Arzt machte Wiederbelebungsversuche, aber er starb.»

 

Ministerpräsident Mahmud Dschibril erklärte in der Nacht, Gaddafi sei zunächst gefangen genommen worden. Dann sei der Pritschenwagen, mit dem der gefangenen Gaddafi von Sirte in die Küstenstadt Misrata gebracht werden sollte, unter Beschuss durch Anhänger des langjährigen Diktators geraten. Dabei wurde Gaddafi nach Angaben Dschibrils schwer verletzt. Er sei kurz vor der Ankunft im Krankenhaus von Misrata an dem schweren Blutverlust gestorben, erklärte der Ministerpräsident laut einem Bericht des Senders CNN.

Quelle: dpa
Gaddafi tot: Libyen feiert
Fotos
20.10.2011 | Tripolis/Sirte

Gaddafi-Gegner feiern den Tod des Ex-Machthabers

 

Historischer Tag für Libyen: Der ehemalige Machthaber Muammar al-Gaddafi ist tot. Im ganzen Land feierten die Menschen frenetisch das Ende der knapp 42 Jahre langen Herrschaft.

Zwei Monate nach seinem Sturz wurde der 69-Jährige in seiner Heimatstadt Sirte von Milizionären getötet, wie Ministerpräsident Mahmud Dschibril in Tripolis bestätigte. Damit ist neun Monate nach Beginn des «Arabischen Frühlings» auch in Libyen der Weg frei für die Bildung einer provisorischen Übergangsregierung und die Vorbereitung demokratischer Wahlen.

Der Nato-Rat will auf einer Sondersitzung voraussichtlich schon am Freitag den Militäreinsatz in Libyen für beendet erklären. US-Präsident Barack Obama sprach von einem «historischen Tag in der Geschichte Libyens». «Sie haben ihre Revolution gewonnen», sagte er in Washington an die Adresse der Rebellen gerichtet. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem Schlusspunkt unter dem Regime Gaddafi. «Damit geht ein blutiger Krieg zu Ende, den Gaddafi gegen sein eigenes Volk geführt hat», sagte Merkel in Berlin.

Der ehemalige Machthaber ist in seiner Geburtsstadt Sirte offenbar noch lebend in die Hand der Aufständischen gefallen. In einem von Al-Arabija ausgestrahlten verwackelten Video ist angeblich der verwundete Gaddafi zu sehen. Er wird von der Kühlerhaube eines Fahrzeugs gezogen und von Milizionären umringt, die ihn wegzerren.

Gaddafi scheint dabei noch auf eigenen Beinen zu stehen und zu wanken. Sein Hemd ist blutgetränkt. Er scheint zu sprechen und seine rechte Hand zu bewegen.

Auf späteren Bildern ist Gaddafi tot mit einer Schusswunde im Kopf zu sehen. Ein Arzt im Krankenhaus von Misrata, wohin der Leichnam aus Sirte gebracht wurde, bestätigte nach einer Untersuchung, Gaddafi sei am Kopf und am Bauch von Schüssen getroffen worden. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte eine Untersuchung der Todesumstände. Die neue Regierung müsse mit der «Kultur des Missbrauchs» unter Gaddafi vollständig brechen und Menschenrechtsreformen durchsetzen, die das Land bitter nötig habe, hieß es.

Außer Gaddafi sollen auch dessen Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi und Verteidigungsminister Abu Bakr Junis getötet worden sein. Am Abend wurde zudem der Tod der Gaddafi-Söhne Saif al-Islam und Mutassim von staatlichen Fernsehen bestätigt. Beide sollen wie ihr Vater in Sirte getötet worden sein.

Gaddafis Heimatstadt Sirte war am Donnerstag als letzte Bastion des Widerstands gegen die neuen Herrscher gefallen. Milizionäre hissten die Flagge des Übergangsrates im Stadtzentrum und feuerten Salven aus ihren Maschinenpistolen ab. Auch in der Hauptstadt Tripolis herrschte große Freude.

Der Tod Gaddafis ist eine weitere historische Zäsur im «Arabischen Frühling», der vor neun Monaten mit dem Umsturz in Tunesien begann und seither eine ganze Region in Aufruhr versetzt.

Quelle: dpa

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