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  • Arcandor angeschlagen

DEUTSCHLAND/WELT

 

20.04.2009

Verkauf KaDeWe? (YouTube)
Video
20.04.2009 | Essen (dpa)

Arcandor braucht über 900 Millionen Euro

Der angeschlagene Handels- und Touristikkonzern Arcandor braucht dringend mehr Geld und hat sich ein strammes Restrukturierungsprogramm verordnet.

Alle Geschäfte, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehören und sanierungsbedürftig sind, werden in eine neue Gesellschaft ausgegliedert, teilte der im MDAX notierte Konzern am Montag in Essen mit.

Betroffen davon sind 115 Technikcenter des Versenders Primondo sowie rund 1 500 Quelle-Shops. Drüber hinaus bereitet der Konzern die Trennung von acht Karstadt-Filialen vor. Die betroffenen Standorte sollen künftig genauso wie die Luxus-Häuser der so genannten Premium- Group, zu denen das KaDeWe in Berlin oder das Alsterhaus in Hamburg gehören, in einem separaten Vorstandsressort weiterentwickelt werden. Die Reisetochter Thomas Cook bleibt von den Maßnahmen unberührt. Angaben zu einem möglichen Stellenabbau machte der Konzern nicht. Die Aktie fiel am Montag in den ersten Handelsminuten um bis zu knapp acht Prozent, konnte sich bis kurz vor zehn Uhr wieder etwas erholen.

Vorstandschef Karl-Gerhard Eick hatte bereits bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als neuer Konzernlenker im März harte Einschnitte angekündigt und der finanziellen Stabilisierung oberste Priorität eingeräumt. Arcandor ist mit fast einer Milliarde Euro verschuldet und schreibt rote Zahlen. Ziel sei es, dass Arcandor sowohl bei Karstadt als auch bei Primondo und Thomas Cook positive Ergebnisse erwirtschaften werde, so der Konzern am Montag.

Der Konzern sieht in den kommenden fünf Jahren einen zusätzlichen Finanzierungsbedarf von bis zu 900 Millionen Euro. Neben der Finanzierung über Banken prüft Arcandor auch die Optionen für staatliche Hilfen. Erste Sondierungsgespräche darüber wurden den Angaben vom Montag zufolge bereits geführt. Weitere Einsparungen verspricht sich der Konzern durch die Bündelung des Einkaufs bei Karstadt und Primondo.


Verkauf KaDeWe? (YouTube)
Video

Berliner will sich gegen Verkauf des KaDeWe wehren

Der Berliner Walter Weber hat die Bevölkerung zu Geldspenden für den Erwerb des Kaufhauses KaDeWe aufgerufen. Damit solle das Haus vom angeschlagenen Karstadt-Mutterkonzern Arcandor gekauft werden, sagte der 55-Jährige am Montag. «Ich möchte nicht, dass das KaDeWe in ausländische Investorenhände fällt und untergebuttert wird.« Das KaDeWe sei ein Stück Berlin und müsse erhalten bleiben. Er könne sich vorstellen, dass Bürger Anteilscheine für das KaDeWe erwerben und damit selbst zum Besitzer des Warenhauses werden. Das stärke auch die Kundenbindung an das Luxus-Warenhaus.

Mit seiner Videobotschaft »Verkauf KaDeWe?« auf dem Portal »Youtube« (siehe oben) will Weber Mitstreiter für seinen Plan gewinnen. »Ich habe es satt, einfach nur schade zu sagen und stillschweigend dabei zuzusehen, wie Manager Konzerne gegen die Wand fahren«, sagte der engagierte Berliner. »Das KaDeWe soll so erhalten bleiben, wie wir es wollen, nicht, wie andere es wollen.» Die bisherige Resonanz auf seine Idee sei durchweg positiv.

Kontakt: walter.weber@hotmail.de


20.04.2009 | Hamburg (dpa)

Die Warentempel KaDeWe, Alsterhaus, Oberpollinger

Sie zählen zu Deutschlands edelsten Einkaufstempeln: die drei Kaufhäuser KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger. Nun sollen die Flaggschiffe des kultivierten Konsums womöglich den Besitzer wechseln. Bisher gehören die Traditionshäuser in Berlin, Hamburg und München dem angeschlagenen Handels- und Touristikkonzern Arcandor.

Das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) wurde am 27. März 1907 von dem Kommerzienrat Adolf Jandorf eröffnet. Schon damals bot das Prunkgebäude unweit des Kurfürstendamms seinen Besuchern hinter einer Fassade aus Muschelkalk Exquisites aus aller Welt - von Pariser Mode bis zu exotischen Südseefrüchten. Zwanzig Jahre später übernahm der Kaufmann Hermann Tietz das KaDeWe und gliederte es in seine Hertie-Warenhauskette ein. Die Nationalsozialisten zwangen den deutsch-jüdischen Eigentümer zum Verkauf und setzten einen «arischen» Geschäftsführer ein. Heute glänzt das größte deutsche Kaufhaus auf 60 000 Quadratmetern mit gläsernen Aufzügen, einem Wellnessbereich, Kinderbetreuung und einer großen Feinschmeckeretage. Täglich kommen rund 50 000 Besucher. Sie können zwischen 400 000 Artikel auf mehreren Etagen wählen.

Das zweitgrößte deutsche Kaufhaus ist das Oberpollinger am Münchner Karlstor. Es feierte im März 1905 seine Eröffnung. Die hanseatische Kaufmannsfamilie Emden & Söhne lockte mit einem exquisiten Teezimmer, einem eleganten Reisebüro und öffentlichen Telefonkabinen in den Luxustempel im Renaissancestil. 1927 übernahm Rudolph Karstadt das Oberpollinger und ließ es nachts mit viertausend Lichtern erstrahlen. Heute shoppen täglich im Schnitt 25 000 Menschen im Oberpollinger. Ihnen stehen auf rund 35 000 Quadratmetern 300 000 Produkte zur Auswahl.

Das spätere Hamburger Alsterhaus öffnete im März 1897 zunächst in einem alten Fleethaus beim Rödingsmarkt seine Türen. Die Hanseaten konnten dort Orientteppiche, Sonnenschirme aus reiner Seide und Straußenfedern für Damenhüte bestaunen. 1912 zog das Kaufhaus in die Flaniermeile Jungfernstieg um, wo es heute noch steht. Den Kunden des «Warenhauses Hermann Tietz» standen ein Erfrischungsraum, Schreibzimmer und sogar ein Lesesaal zur Verfügung. Heute werden den täglich rund 20 000 Besuchern auf einer Fläche von 24 000 Quadratmetern rund 250 000 Produkte geboten. Über den Umsatz aller drei Häuser wird übrigens hartnäckig geschwiegen.



www.kadewe.de | www.alsterhaus.de | www.oberpollinger.de


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