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DEUTSCHLAND/WELT

 

21.12.2011 | Meiningen

Mary-Janes Mörder muss lebenslang in Haft

Höchststrafe für Mary-Janes Mörder: Tino L. muss für den Mord und schweren Missbrauch an dem siebenjährigen Mädchen aus Thüringen lebenslang ins Gefängnis. Das Landgericht Meiningen stellte am Mittwoch zugleich die besondere Schwere seiner Schuld fest. Das verlängert die Haftdauer in der Regel um mehrere Jahre.

Der Angeklagte habe eine «ganz verabscheuungswürdige Tat begangen», sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Feld-Gerdes. Seine Reue spreche aber für Tino L. Der 38-Jährige nahm das Urteil regungslos entgegen. Zuvor hatte das Gericht einen Brief des Angeklagten an Mary-Janes Eltern verlesen: Er verstehe selbst nicht, was für ein furchtbarer Mensch er sei, schreibt der 38-Jährige darin.

Tino L. hatte gestanden, Mary-Jane am 24. Juni auf dem Heimweg vom Schulhort abgepasst und in seiner Wohnung missbraucht zu haben. Am Morgen darauf habe er sie aus Angst vor der Entdeckung in ein Waldstück geführt und mit dem Bademantel-Gürtel gewürgt.

 

Um sicher zu gehen, dass das kleine Mädchen starb, legte er es mit dem Gesicht nach unten in einen Bach. Mary-Jane ertrank.

Ein Gutachter hatte dem zweifachen Vater zwar eine sekundäre pädophile Neigung bescheinigt, ihn aber als voll schuldfähig eingestuft. Er habe einen niedrigen Intelligenzquotienten. Die Anklage warf Tino L. vor, die Misshandlung der Grundschülerin wochenlang geplant zu haben. Dem schloss sich der Richter an. Der 38-Jährige war ein Bekannter der Familie.

Quelle: dpa
21.12.2011 | Zella-Mehlis

Chronologie:  Der Fall Mary-Jane

Zwei Wochen lang fahndete die Polizei nach dem Mörder der siebenjährigen Mary-Jane aus Zella-Mehlis in Thüringen. Der inzwischen 38-jährige Tino L. gestand später die Tat - er wohnte in der Nachbarschaft und kannte die Mutter des Mädchens. Eine Chronologie:

- Freitag, 24. Juni: Mary-Jane kommt nach der Schule nicht nach Hause. Ihre Mutter meldet die Siebenjährige als vermisst. Die Polizei sucht mit Hunden und einem Hubschrauber - ohne Erfolg.

- Samstag, 25. Juni: Spaziergänger finden Mary-Janes Leiche am Rande eines Waldwegs am Fuße des Ruppbergs, einem bei Touristen beliebten Ausflugsziel. Die Obduktion bestätigt später den ersten Verdacht der Ermittler: Das Kind ist getötet worden. Sein Körper ist bekleidet, es fehlt allerdings der rote Schulranzen des Mädchens.

- Freitag, 1. Juli: Die Polizei bittet alle Männer und Frauen im Wohngebiet von Mary-Janes Familie um freiwillige DNA-Proben. Auch der mutmaßliche Mörder gibt eine Speichelprobe ab. Ermittler befragen die Bewohner. Auch das Waldgebiet, in dem die Leiche gefunden wurde, wird immer wieder durchsucht.

- Sonntag, 3. Juli: Die TV-Sendung «Kripo live» im MDR berichtet über den Fall Mary-Jane. Es gehen zahlreiche Hinweise ein, trotzdem fehlt den Ermittler weiter eine heiße Spur.

- Donnerstag, 7. Juli: Mit weißen Lilien und Kuscheltieren verabschieden sich die Einwohner der Kleinstadt Zella-Mehlis bei einer Trauerfeier von der Erstklässlerin. Zugleich wird der Tatverdächtige Tino L. von der Polizei observiert. Er hat für die Tatzeit kein Alibi, seine DNA-Probe stimmt mit Spuren am Körper des Kindes überein.

- Freitag 8. Juli: Tino L. wird in Suhl festgenommen.

- Samstag, 9. Juli: Der Fall Mary-Jane ist aufgeklärt. Der damals 37-jährige Tino L. habe gestanden, die Siebenjährige getötet zu haben, sagt Kriminalhauptkommissar Andreas Beez in Suhl. Gegen den Mann ergeht Haftbefehl wegen sexuellen Missbrauchs und Mordes.

- Freitag, 16. Dezember: Vor dem Landgericht Meiningen beginnt der Prozess gegen den Beschuldigten

Mittwoch, 21. Dezember: Nach nur drei Verhandlungstagen und knapp sechs Monate nach der Tat spricht das Gericht sein Urteil. Tino L. bekommt lebenslange Haft, wobei die Richter auf eine besondere Schwere der Tat erkennen.

 

Quelle: dpa

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