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  • Klinsmann gefeuert!

DEUTSCHLAND/WELT

 

27.04.2009 | München (dpa)

FC Bayern feuert Klinsmann - Heynckes übernimmt

Bayern München hat die Reißleine gezogen und sich nach nur zehn Monaten von Trainer Jürgen Klinsmann getrennt. Mit Ex- Coach Jupp Heynckes (63) als Nothelfer bis zum Saisonende will der deutsche Fußball-Meister doch noch die Titelverteidigung anstreben.

Heynckes feiert sein Bundesliga-Comeback ausgerechnet im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Mit den abstiegsbedrohten Gladbachern war er als Spieler mehrfach deutscher Meister geworden und arbeitete dort später auch zweimal als Trainer. Wer in der kommenden Saison Cheftrainer beim Rekordmeister sein wird, teilte der Verein zunächst nicht mit. Als Nahziel Heynckes soll zumindest die auch finanziell extrem wichtige erneute Qualifikation für die Champions League sichern.

Heynckes feiert sein Bundesliga-Comeback ausgerechnet im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Mit den abstiegsbedrohten Gladbachern war er als Spieler mehrfach deutscher Meister geworden und arbeitete dort später auch zweimal als Trainer. Wer in der kommenden Saison Cheftrainer beim Rekordmeister sein wird, teilte der Verein zunächst nicht mit. Zahlreiche Kandidaten werden in München gehandelt, neben ausländischen Trainern auch der derzeitige DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, der 2002 Borussia Dortmund als Chefcoach zum Gewinn der deutschen Meisterschaft führte.

«Wir haben uns diese Entscheidung sehr schwer gemacht», äußerte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge in einer Pressemitteilung zu der erwarteten Trennung von Klinsmann. «Aber die Ergebnisse der vergangenen Wochen, die Art und Weise, wie diese zustande kamen und vor allem die Situation fünf Spieltage vor Saisonende zwangen uns, aus Verantwortung dem Club gegenüber zu handeln.» Auch für den Vorstand ist das vorzeitig beendete Projekt mit dem ehemaligen Bundestrainer ein großer Imageschaden.

Klinsmann äußerte sich in einer kurzen schriftlichen Stellungnahme «sehr enttäuscht» über seinen Rauswurf. «Trotzdem möchte ich mich von Herzen beim FC Bayern München, seinen Fans, den Trainern, den Spielern und den Mitarbeitern für eine ereignisreiche Zeit bedanken», erklärte der 44-Jährige. Der ehemalige Bundestrainer sieht sich in München nicht gescheitert. «Wir haben den Grundstein gelegt für die Zukunft», behauptete er: «Ich glaube noch immer daran, dass die Mannschaft in dieser Saison deutscher Meister werden kann.» Nach der 0:2-Niederlage des VfL Wolfsburg in Cottbus beträgt der Rückstand auf den Tabellenführer drei Punkte.

Der zuletzt pausierende Frührentner Heynckes übernimmt am 28. April die Trainingsarbeit mit den Bayern-Profis. Ihm steht Hermann Gerland, der Trainer der Drittliga-Mannschaft des FC Bayern, zur Seite. «Mit Jupp Heynckes und Hermann Gerland haben wir zwei erfahrene Trainer, denen wir die Leitung der Mannschaft bis zum Saisonende übertragen», äußerte Rummenigge. Heynckes' Einspringen dürfte auch eine Art Freundschaftsdienst für Manager Uli Hoeneß sein.

Heynckes wurde in seiner ersten Münchner Amtszeit von 1987 bis zu seiner Entlassung am 8. Oktober 1991 zweimal Meister (1989, 1990). Mit Real Madrid feierte er 1998 mit dem Gewinn der Champions League seinen letzten großen Erfolg - nach dem gewonnenen Finale musste er die «Königlichen» allerdings verlassen.

Klinsmann war am Morgen des für die Profis trainingsfreien Tages um 9.23 Uhr auf das Vereinsgelände gekommen, wo er vom Vorstand die Entlassungspapiere erhielt. «Der FC Bayern München dankt Jürgen Klinsmann und seinem Team für ihre Tätigkeit», hieß es kurz und knapp in der Vereinsmitteilung. Auch Klinsmanns Assistenten Martin Vasquez und Nick Theslof wurden entlassen. Klinsmann verließ die Tiefgarage an der Säbener Straße um 11.30 Uhr beinahe fluchtartig mit seinem Dienstwagen.

Klinsmanns Entlassung ist der insgesamt vierte Trainerwechsel in der laufenden Bundesliga-Saison. Der ehemalige Bundestrainer hatte als «absoluter Wunschtrainer» des Münchner Vorstandes um Rummenigge und Manager Uli Hoeneß sein Amt im vergangenen Juli als Nachfolger von Ottmar Hitzfeld angetreten. Er war mit großen Visionen angetreten und wollte «jeden Spieler täglich besser machen». Klinsmanns Vertrag wäre am 30. Juni 2010 ausgelaufen. Der 44-Jährige dürfte eine Abfindung in Millionen-Höhe erhalten.

Klinsmann hatte sich noch nach der 0:1-Heimniederlage gegen Schalke überzeugt gezeigt, dass er weiterhin das Vertrauen der Vereinsführung genieße. «Wir ziehen das durch. Die Chemie stimmt intern», hatte der ehemalige Bundestrainer erklärt, der nun bei seiner ersten Station als Vereinscoach vorzeitig gescheitert ist. In der Champions League und im DFB-Pokal war er jeweils desaströs im Viertelfinale ausgeschieden. In der Bundesliga stand er nicht ein einziges Mal auf Platz eins.

 


 

Vorzeitige Trainerentlassungen in dieser Saison

Jos Luhukay (Bor. Mönchengladbach):   05. Oktober 2008
Armin Veh (VfB Stuttgart):   23. November 2008
Fred Rutten (FC Schalke 04):   26. März 2009
Jürgen Klinsmann (FC Bayern München):   27. April 2009


 

Hintergrund: Stationen und Erfolge von Heynckes

Rückkehrer Jupp Heynckes soll nach der Entlassung von Jürgen Klinsmann beim deutschen Fußball-Meister Bayern München den letzten möglichen Titelgewinn in dieser Saison retten, zumindest aber die Qualifikation für die Champions League schaffen.

Erfolge hatte der bereits von 1987 bis 1991 für die Münchner tätige Coach genügend. Als Spieler war er Weltmeister, Europameister und viermal deutscher Meister. Als Trainer gewann der heute 63-Jährige zweimal die deutsche Meisterschaft mit den Bayern und mit Real Madrid die Champions League. Die Deutsche Presse-Agentur dpa listet die Stationen und Erfolge auf:

Die Erfolge von Jupp Heynckes

  • Als Spieler: Weltmeister 1974, Europameister 1972, Zweiter im Europapokal der Landesmeister 1977 mit Borussia Mönchengladbach, UEFA-Cup-Sieger 1975 mit Borussia Mönchengladbach, Pokalsieger 1973 mit Borussia Mönchengladbach, viermal deutscher Meister 1971, 1975, 1976 und 1977 mit Borussia Mönchengladbach, Torschützenkönig 1974 und 1975
  • Als Trainer: Champions-League-Sieger 1998 mit Real Madrid, Zweiter im UEFA-Cup 1980 mit Borussia Mönchengladbach, zweimal deutscher Meister 1989 und 1990 mit FC Bayern München


Die Stationen von Jupp Heynckes

  • Spieler (369 Spiele/220 Tore/39 Länderspiele): 1965-67 und 1970-78 Borussia Mönchengladbach 1967-70 Hannover 96
  • Trainer: 1979-87 Borussia Mönchengladbach 1987-91 FC Bayern München 1992-94 Athletic Bilbao 1994-95 Eintracht Frankfurt 1996-97 CD Teneriffa 1997-98 Real Madrid 1999-00 Benfica Lissabon 2001-03 Athletic Bilbao 2003-04 FC Schalke 04 2006-07 Borussia Mönchengladbach 2009 FC Bayern München

 


Hintergrund: Schlaglichter der Klinsmann-Amtszeit

 

Als «absoluter Wunschkandidat» hatte Jürgen Klinsmann im vergangenen Sommer beim FC Bayern München die Nachfolge von Ottmar Hitzfeld als Cheftrainer angetreten.

 

Nach nur zehn Monaten beendete der deutsche Fußball-Rekordmeister das ursprünglich für mindestens zwei Jahre vereinbarte Projekt mit dem ehemaligen Bundestrainer. Die Deutsche Presse-Agentur dpa dokumentiert die wichtigsten Stationen der kurzen Amtszeit von Klinsmann in München:

BEKANNTMACHUNG: Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel lässt ihre Freude übermitteln. Im Januar 2008 wird der mit dem Lächeln eines Siegers auftretende Klinsmann als Nachfolger von Ottmar Hitzfeld für die Saison 2008/09 vorgestellt. Eine langfristige Zusammenarbeit mit dem «Querdenker», so Manager Uli Hoeneß, wird in Aussicht gestellt.

FANS: Den ersten Unmut gibt es bereits vor Klinsmanns Amtsantritt. Der Bayern-Anhang hat die letztlich unberechtigte Sorge, dass der neue Trainer vermehrt hinter verschlossener Tür trainieren würde.

MOTTO: Diesen Satz wird Klinsmann im Nachhinein bereuen. «Jeden Spieler jeden Tag besser zu machen», lautet das Ziel des Ehrgeizlings beim Arbeitsbeginn im Juli.

BUDDHA: Auch wenn Klinsmann stets betont, nichts mit den Buddha- Figuren im Bayern-Leistungszentrum zu tun zu haben - stets wird er mit den Statuen in Verbindung gebracht. Eines Tages sind sie weg.

FEHLSTART: Erst am dritten Spieltag der erste Sieg. Klinsmann wechselt eifrig System und Personal - sogar Kapitän Mark van Bommel landet zeitweise auf der Ersatzbank.

WIESN-WATSCHN: 2:5 gegen Bremen, 0:1 in Hannover, 3:3 gegen Bochum - während des Oktoberfestes befällt die Münchner ein heftiger Kater. Rang elf in der Liga. «Klinsmann wird auch am 34. Spieltag auf der Bank sitzen», versichert Bayern-Chef Rummenigge. Ein Tor von Miro Klose beim 1:0 in Karlsruhe rettet Klinsmann vorerst den Job.

KÖNIGLICH: Wenigstens in der Champions League läuft es mustergültig. Die Vorrunde schließt der FC Bayern als bestes aller 32 Teams ab.

MEISTERLICH: Zum Ende der Hinrunde präsentiert sich der FC Bayern wie ein Spitzenteam. Mitverantwortlich ist die Rückkehr des anfänglich verletzten Franck Ribéry. Zehn Liga-Spiele in Folge ohne Niederlage.

MACHTVERHÄLTNISSE: Luca Toni beschert den Bayern den Last-Minute- Erfolg gegen Herbstmeister Hoffenheim und eine ruhige Winterpause.

WUNDERTÜTE 1: Mit 5:1 wird der VfB Stuttgart aus dem Pokal geballert. Alle Welt fragt sich: Wer soll diese Bayern stoppen können? Nur ein paar Tage später gibt es zum Liga-Rückrundenstart ein 0:1 in Hamburg.

WUNDERTÜTE 2: Zwölf Tore in zwei Achtelfinal-Spielen der Champions League gegen Sporting Lissabon. Klinsmann wähnt sein Team in Europas Elite. Nebenbei verliert die Star-Truppe in der Bundesliga gegen Hertha und Köln und damit wieder an Boden.

TIEFSCHLAG 1: Beim K.o. im DFB-Pokal-Viertelfinale wird der FC Bayern beim 2:4 auswärts gegen Leverkusen teilweise vorgeführt.

TIEFSCHLAG 2: Der FC Bayern bekommt im Spitzenspiel gegen das Wolfsburger Team von Ex-Coach Felix Magath mit 1:5 eine schmerzhafte Niederlage zugefügt.

TIEFSCHLAG 3: Die Nacht der Schande von Barcelona. 0:4 gegen Messi & Co. in der Champions League. Der «Stolz» des FC Bayern sei zum Teil «mit Füßen getreten» worden, klagt Clubchef Karl-Heinz Rummenigge.

DURCHHALTEPAROLEN: Und täglich grüßt das Murmeltier: Klinsmann mahnt im Wochentakt an, dass nun die Maximalpunktzahl geholt werden muss, der Titel her soll und ihn die Pfiffe der Fans schmerzen. Auch nach dem 0:1 gegen Schalke klammert er sich an sein Projekt. «Die Chemie stimmt intern», behauptet er - der Vorstand bereitet die Trennung vor.

ABPFIFF: Klinsmann muss nach nur zehn Monaten gehen. Kein Mal stand er auf Platz eins der Bundesliga-Tabelle. «Wir haben den Grundstein gelegt für die Zukunft», erklärt er zum Abschied. Trainer-Frührentner Jupp Heynckes (63) soll als Nothelfer die Saison retten und den 22. Meistertitel einfahren.

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