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DEUTSCHLAND/WELT

 

29.04.2009

29.04.2009 | Paris (dpa)

Gnade für McLaren: Kein Fahrverbot

Gnade für den Weltmeister: In der «Lügen-Affäre» ist das McLaren-Mercedes-Team von Formel-1-Champion Lewis Hamilton um das befürchtete Fahrverbot herumgekommen.

Der Internationale Automobil-Verband FIA verurteilte den Rennstall zwar zu einer Sperre von drei Rennen, setzte die Strafe aber für zwölf Monate zur Bewährung aus. Daher darf das Team am 10. Mai beim Großen Preis von Spanien starten. Der Motorsport-Weltrat belohnte damit die tätige Reue der Silbernen im Vorfeld der Entscheidung und das «offene und ehrliche Auftreten» von Teamchef Martin Whitmarsh bei der knapp einstündigen Anhörung in Paris. «Ein faires Urteil», befand Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug erleichtert.

Sollten allerdings weitere belastende Fakten im Skandal um Falsch-Aussagen von Hamilton und McLaren-Sportdirektor Dave Ryan auftauchen oder das Team erneut gegen das Regelwerk verstoßen, wird die Strafe doch noch wirksam, warnte die FIA. Der Rennstall akzeptierte das Urteil. «Ich hoffe, dies wird einen Schlussstrich ziehen und wir können uns wieder dem Rennsport zuwenden», sagte Whitmarsh. Der Teamchef hatte den Bußgang nach Paris allein und ohne Anwalt angetreten, Hamilton war nicht vorgeladen worden. Im Zeugenstand entschuldigte sich Whitmarsh erneut für das Fehlverhalten. «Wir wissen, dass wir in Australien und Malaysia ernsthafte Fehler gemacht haben», beteuerte der Brite.

FIA-Präsident Max Mosley zeigte sich beeindruckt. Whitmarsh sei «sehr aufrichtig» gewesen, meinte der Brite und bezeichnete das Strafmaß als «vollkommen fair». Auch Formel-1-Boss Bernie Ecclestone sah McLaren-Mercedes gerecht behandelt. «Ihnen wurde auf die Finger geklopft, das war alles, was sie gebraucht haben. Sie sind genug bestraft worden», sagte der 78-Jährige.

Wochenlang hatte die «Lügen-Affäre» um Hamilton und den inzwischen suspendierten Ryan das britisch-schwäbische Team belastet, weil im schlimmsten Fall sogar der WM-Ausschluss drohte. Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche warnte sogar, bei einer «unangemessenen Bestrafung» das Formel-1-Engagement der Premiummarke Mercedes überdenken zu wollen.

Doch die rasante Politikwende bei McLaren und eine Charme- Offensive von Whitmarsh besänftigten offenbar den von Mosley angeführten Weltrat. Mit seinem wohl auch von Partner Mercedes erzwungenen Rücktritt als Chef der McLaren-Firmengruppe sorgte zunächst der frühere Team-Patriarch Ron Dennis für das Ende der Eiszeit zwischen der FIA und den Silbernen. Der Brite war in den Verdacht geraten, seinen sportlichen Ziehsohn Hamilton und Ryan zur Falsch-Aussage angestiftet zu haben. Dennis und Mosley gelten als erbitterte Rivalen.

In den Tagen vor der Entscheidung suchte Dennis-Nachfolger Whitmarsh immer wieder den Kontakt zur FIA-Spitze. Er schrieb einen Entschuldigungs-Brief an Mosley und soll sich zudem mehrfach mit Alan Donelly, dem Formel-1-Repräsentanten des Verbandschefs, getroffen haben. Mercedes-Manager Haug meinte, der Weltrat habe diese bewusste Annäherung «berücksichtigt und positiv bewertet».

Der 56-Jährige erklärte das Thema «Lügen-Affäre» für «abgehakt» und meinte: «Jetzt steht wieder Sport statt Politik im Vordergrund.» Wegen der zwölfmonatigen Bewährungsfrist zeigte sich Haug unbesorgt. «Wir werden bei derartigen Themen mit allergrößter Präzision und Vorsicht vorgehen und keine Fehler machen», versprach er. Auch Whitmarsh versicherte, das Team habe «die angebrachten Maßnahmen getroffen» und damit sichergestellt, dass sich derartige Fehler nicht wiederholen könnten.

Nach dem turbulenten Saisonauftakt in Australien Ende März hatten Funk-Mitschnitte Hamilton und Sportdirektor Ryan der Falsch-Aussage vor den Renn-Kommissaren überführt. Beide hatten über Anweisungen vor einem Überholmanöver von Toyota-Fahrer Jarno Trulli in einer Safety- Car-Phase in Melbourne die Unwahrheit gesagt und waren auch bei einer zweiten Befragung vor dem Großen Preis von Malaysia bei ihrer Position geblieben.

Dem Weltmeister wurde daraufhin der dritte Platz beim Australien-Rennen nachträglich aberkannt. Hamilton, der nicht nach Paris gekommen war, hatte bereits kurz nach Aufdeckung des Skandals Reue gezeigt und soll sogar einen Rücktritt erwogen haben. Nach vier Saisonrennen hat der Titelverteidiger neun Punkte auf dem Konto und damit bereits 22 Zähler Rückstand auf WM-Spitzenreiter Jenson Button von BrawnGP.

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