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DEUTSCHLAND/WELT

 

04.05.2009

+ + + INFORMATIONS-HOTLINES ZUR SCHWEINEGRIPPE + + +

 

Robert-Koch-Institut (RKI) Tel. 030/18754416 (Montag bis Donnerstag 8 bis 18 Uhr)

Bundesgesundheitsministerium Tel. 01805/996619 (Montag bis Donnerstag 8 bis 18 Uhr, Freitag 8 bus 12 Uhr)

 


05.05.2009 | Stockholm/Berlin (dpa)

Schweinegrippe breitet sich weiter aus

 

Die Schweinegrippe breitet sich weiter aus. Nach Daten des EU-Zentrums für Seuchenkontrolle ECDC stieg die weltweite Zahl der nachgewiesenen Fälle innerhalb eines Tages um mehr als 200 auf 1269.

 

Insgesamt seien jetzt 21 Länder betroffen, 11 davon in Europa, berichteten die ECDC-Experten in Stockholm am Dienstagmorgen. In Deutschland bestätigte das Robert Koch-Institut (RKI) den neunten Schweinegrippefall. Der infizierte 48-jährige Mann aus dem Harzkreis in Sachsen-Anhalt sei ebenfalls ein Mexiko-Rückkehrer, sagte RKI-Präsident Jörg Hacker.

 

Der Verlauf der Krankheit sei bei dem Patienten jedoch so leicht, dass er gar nicht erst ins Krankenhaus müsse, sondern zu Hause isoliert werde, berichtete Hacker. Darüber hinaus würden zurzeit sechs weitere Verdachtsfälle geprüft. Der RKI-Präsident sieht für Deutschland «eine gewisse Stabilisierung der Lage», aber noch keinen Grund zur Entwarnung. «Die Zahl der Verdachtsfälle geht nach unten», sagte er. Dennoch sei auch in den kommenden Tagen mit einzelnen Grippefällen zu rechnen. Die Viren seien leicht übertragbar und veränderten ständig ihr Erbgut. Daher habe die Schweinegrippe auch weiter Potenzial, sich auszubreiten. Eventuell könne bereits im Sommer ein Impfstoff zur Verfügung stehen.

 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) begann mit der Verteilung von 2,4 Millionen Dosierungen von Antigrippemitteln an 72 bedürftige Länder, darunter auch Mexiko. Das nordamerikanische Land ist weiterhin mit Abstand am schwersten von dem neuen H1N1-Grippevirus betroffen, nach jüngsten offiziellen Angaben wurden 802 Menschen infiziert, 26 davon starben. Dennoch sehen die Gesundheitsbehörden eine abflauende Gefahr durch die Grippe-Epidemie.

 

Die mexikanische Regierung ordnete die schrittweise Öffnung der Schulen an. Wie Präsident Felipe Calderón am Montag (Ortszeit) mitteilte, sollen von diesem Donnerstag an zunächst die Oberstufenklassen und die Universitäten den Betrieb wieder aufnehmen. Die Grundschulen und Mittelstufen sowie die Kindergärten sollen am kommenden Montag wieder geöffnet werden. Wegen der Grippe waren die Schulen, Kindergärten und Universitäten zunächst in Mexiko-Stadt und dann im ganzen Land geschlossen worden, um eine Ausweitung der Epidemie zu vermeiden.

 

In China landete ein Flugzeug, um rund 70 unter Quarantäne gestellte Mexikaner aus verschiedenen chinesischen Städten nach Hause zu fliegen. Die Stadtregierung von Hongkong entschuldigte sich bei den rund 200 Gästen und 100 Angestellten eines Hotels, das komplett unter Quarantäne steht, für die drastische Maßnahme. Hongkongs Verwaltungschef Donald Tsang beharrte jedoch auf der einwöchigen Isolierung. Bei einem Mexikaner, der in dem Hotel übernachtet hatte, war das neue H1N1-Virus nachgewiesen worden.

 

Unterdessen droht wegen der Schweinegrippe ein Handelskonflikt zwischen Russland und der Europäischen Union. Russland blockiere die Einfuhr lebender Schweine und von Schweinefleisch-Produkten aus Spanien, teilte die Europäische Kommission in Brüssel mit. Die Kommission habe wegen dieser «aus wissenschaftlicher Sicht ungerechtfertigten Maßnahme» ein Schreiben an die russischen Behörden gerichtet. Auch Spanien protestierte gegen den russischen Importstopp. Russland nimmt bislang etwa fünf Prozent des spanischen Exports von Schweinefleisch ab. Spanien ist mit mehr als 50 Schweinegrippefällen das am stärksten betroffene Land in Europa.

 

Nach Auskunft des ECDC werden in Europa alle Krankheitsverläufe bisher als mild eingestuft. ECDC-Sprecher Angus Nicoll warnte jedoch vor voreiligen Schlüssen: «Pandemien sind äußerst schlüpfrige Kreaturen, und sie können sich vor aller Augen verändern.» Er verwies auf die Spanische Grippe 1918 und 1919, die erst in der zweiten und dritten Welle zu zahlreichen Todesfällen geführt habe

 


 

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