DEUTSCHLAND/WELT
05.05.2009

05.05.2009 | Frankfurt/Main (dpa)
Erpresser Wolf fuhr kreuz und quer durch Deutschland
Der international mit Hochdruck gesuchte Schwerverbrecher Thomas Wolf ist nach der Entführung einer Bankiersfrau in Wiesbaden wochenlang unerkannt durch Deutschland gefahren. Der vermutlich bewaffnete Gewalttäter war nach Erkenntnissen der Frankfurter «SOKO Wolf» in Berlin, München und Bremen unterwegs, bevor er am 1. Mai überstürzt sein Fluchtauto in einem Waldstück in Niedersachsen verließ, vermutlich nachdem er von Jägern aufgeschreckt worden war. Danach verliert sich die Spur des 56-Jährigen wieder, der 1,8 Millionen Lösegeld erbeutet hat. In der ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY ... ungelöst» wird an diesem Mittwochabend (20.15) zum zweiten Mal nach dem Ex-Häftling gefahndet, der zu den meistgesuchten Verbrechern Deutschlands zählt.
Vier Tage nach der Geiselnahme vom 27. März hat der Serientäter den Ermittlungen zufolge in einem Berliner Parkhaus zwei Kennzeichen-Paare gestohlen. Eins davon (AP-FY 43) war an den gemieteten silbernen Golf Variant montiert, den Wolf in dem Wald bei Harpstedt in Niedersachsen im Morast festgefahren hatte. Das andere (M-XA 8036) lag in dem Wagen, mit dem er zuvor rund fünf Wochen auf der Flucht war. Darin fanden sich auch noch die Kennzeichen KT-LV 44, die schon im Februar, also vor der Entführung, im Raum Würzburg gestohlen wurden.

Mitte April tauchte Wolf, auf dessen Ergreifung 100 000 Euro Belohnung ausgesetzt sind, in München auf. Die Polizei fand in seinem Auto Belege für einige Einkäufe unter anderem in einem Supermarkt. In einem Fachgeschäft in der bayerischen Landeshauptstadt kaufte Wolf auch ein dunkelblaues Fahrrad der Marke «Winora», mit dem er seit seiner hastigen Flucht in Niedersachsen unterwegs sein könnte. In Frankfurt hatte er bis zu der Geiselnahme unerkannt unter dem Namen David van Dijk fast acht Jahre bei einer ahnungslosen Frau gewohnt.
Die Ermittler nehmen an, dass Wolf seine Flucht auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln, einem Taxi oder per Anhalter fortgesetzt hat. Er könnte auch versucht haben, erneut ein Auto zu mieten oder einen Unterschlupf zu finden. Eine Mietwohnung hatte Wolf bereits in Berlin gesucht, unter anderem über das Internet. In der Hauptstadt findet sich seine Spur am 22. und 23. April.
Am Montag vergangener Woche (27.) parkte er dann in einem Parkhaus in Bremen und ging ins Hallenbad Huchting. Beim Schwimmen benutzt er sogenannte Paddels zum Arm-Training. Von Bremen aus zog es Wolf offenbar in den Kreis Delmenhorst und damit in die Nähe des Waldes, wo der 1,85 Meter große Mann zuletzt in seinem Auto übernachtete.
Wolf werde sich nun neue Gebrauchs- und Alltagsgegenstände kaufen, vermutet die Polizei. Darin sieht sie ebenso einen Ermittlungsansatz wie in dem verschreibungspflichtigen Schilddrüsen-Medikament L-Thyroxin. Dies brauche der Serientäter dringend, der im Jahr 2000 von einem Hafturlaub nicht in das Gefängnis von Moers (NRW) zurückgekehrt war, wo er eine Gesamtstrafe von 21 Jahren verbüßte. Seitdem wird er für mehrere Überfälle in Deutschland, Belgien und den Niederlanden verantwortlich gemacht.
Die Polizei nimmt unter der kostenlosen Telefonnummer 0800/110 33 33 Hinweise entgegen.
Internet: www.bka.de/fahndung/personen/meistgesuchte/wolf/index.html




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