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DEUTSCHLAND/WELT

 

12.05.2009

12.05.2009|München (dpa)

Demjanjuk ist in Deutschland

Der aus den USA abgeschobene mutmaßliche NS- Verbrecher John Demjanjuk ist in Deutschland angekommen. Eine Sondermaschine mit dem 89-Jährigen an Bord landete Morgen gegen 9.20 Uhr auf dem Münchner Flughafen.

Inzwischen ist Demjanjuk im Untersuchungsgefängnis Stadelheim eingetroffen. An zahlreichen Journalisten vorbei fuhr der Krankenwagen mit dem durchs Gefängnistor. Demjanjuk soll nun in einem Gemeinschaftshaftraum in der Pflegeabteilung zusammen mit einem Rollstuhlfahrer untergebracht werden. Sein Gesundheitszustand sei stabil, sagte der stellvertretende JVA-Leiter Jochen Menzel. Derzeit werde Demjanjuk von Ärzten der Justizvollzugsanstalt untersucht.

In Stadelheim soll Demjanjuk dann der gut 20-seitige Haftbefehl eröffnet werden. Die Staatsanwaltschaft München wirft ihm vor, im Zweiten Weltkrieg als Wachmann im deutschen Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen Beihilfe zum Mord an mindestens 29 000 Juden geleistet zu haben. Der gebürtige Ukrainer soll geholfen haben, die Menschen in die Gaskammern zu treiben. Demjanjuk bestreitet die Vorwürfe. Die Münchener Justiz ist zuständig, weil Demjanjuk dort zuletzt lebte, bevor er 1952 in die USA ausreiste.

In den vergangenen Wochen hatte sich Demjanjuk in den USA vor allem mit Hinweis auf seine schlechte Gesundheit gegen seine Abschiebung gewehrt und sogar den Obersten Gerichtshof in Washington eingeschaltet. Am Montag war er von Beamten der US- Einwanderungsbehörde in seinem Haus in Seven Hill abgeholt und zunächst in einem Krankenwagen in deren Amtsräume in Cleveland gebracht worden. Von dort aus war die Chartermaschine mit der Kennnummer N250LB in Richtung München gestartet. Demjanjuk wurde auf dem Flug von einem Arzt und einem Pfleger begleitet.

Das Simon Wiesenthal Center und der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßten die Abschiebung. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, zeigte sich erfreut, dass Demjanjuk nun voraussichtlich der Prozess gemacht werden kann. «Kriegsverbrechen dieser Art (...) verjähren nicht», sagte sie am Montagabend in den ARD-Tagesthemen. «Ich hoffe, dass er seiner gerechten Strafe zugeführt wird.» Rabbi Marvin Hier, Vorstand und Gründer des Simon Wiesenthal Centers, sagte laut Mitteilung: «Jetzt muss John Demjanjuk sich endlich der Justiz für die unaussprechlichen Verbrechen stellen, für die er während des Zweiten Weltkriegs verantwortlich war - es wird wahrscheinlich der letzte Prozess gegen einen Nazi-Kriegsverbrechers sein.»

Demjanjuk war schon 1986 von den USA an Israel ausgeliefert worden, ein Jahr später begann dort sein Prozess. Am 25. April 1988 endete das Verfahren mit einem Todesurteil. Das Sondergericht sprach Demjanjuk wegen der Beihilfe zum Mord an mehr als 800 000 Juden sowie wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gegen das jüdische Volk schuldig. Er bestritt bis zuletzt, jemals KZ-Wächter gewesen zu sein und bezeichnete sich als Opfer einer Verwechslung.

Nach der Verurteilung tauchten neue Beweise auf, die schon früher bestehende Zweifel an der Identität zu bestätigen schienen. Am 29. Juli 1993 hob das Oberste Gericht Israels das Todesurteil auf: Seine Identität habe nicht einwandfrei geklärt werden können, hieß es. Demjanjuk kehrte später in die USA zurück, wo er als Staatenloser bei seiner Familie in Seven Hills bei Cleveland lebte.

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