DEUTSCHLAND/WELT
15.05.2009

15.05.2009|Köln (dpa)
Streiks in vielen Kindertagesstätten
In mehreren Bundesländern bleiben heute zahlreiche Kindertagesstätten geschlossen. Der Grund: In den kommunalen Kitas wird unbefristet gestreikt.
Nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di beginnen die Arbeitsniederlegungen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Schleswig-Holstein und Bremen.
Zusammen mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) will ver.di einen tarifvertraglich geregelten Gesundheitsschutz durchsetzen. Er soll für 220 000 Erzieher und Sozialarbeiter bei den Kommunen gelten. In mehreren Städten planen die Gewerkschaften heute Protestveranstaltungen. In Köln wird dazu ver.di-Chef Frank Bsirske erwartet. Die Arbeitgeber werfen den Arbeitnehmervertretern vor, es gehe ihnen in Wirklichkeit gar nicht um Gesundheitsschutz, sondern um bessere Bezahlung.
Zuvor hatten in einer Urabstimmung laut ver.di 89,9 Prozent der Mitglieder für den unbefristeten Arbeitskampf votiert. Bei der GEW stimmten 93 Prozent für Streiks in städtischen Einrichtungen des Sozial- und Erziehungsdienstes. Bereits in der vergangenen Woche hatten sich rund 19 000 Beschäftigte an bundesweiten Warnstreiks beteiligt.

Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) warf den Gewerkschaften vor, Streik bereits als erstes Mittel einzusetzen. Sie sollten auf Aktionen zulasten von Kindern und Eltern zumindest bis zum 27. Mai verzichten. Dann will sich die VKA nach Gremienberatungen zum Thema äußern. «Die Arbeitgeber haben zu keinem Zeitpunkt erklärt, über den Gesundheitsschutz nicht verhandeln zu wollen», sagte VKA- Hauptgeschäftsführer Manfred Hoffmann. Die plötzliche Eile von ver.di und GEW sei nicht nachvollziehbar.
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) setzte sich für eine bessere Bezahlung für Erzieherinnen und Erzieher ein. «Mit dem Ausbau der Kinderbetreuung muss auch eine bessere Qualität einhergehen. Das kostet selbstverständlich Geld», sagte die Ministerin den «Ruhr Nachrichten». Zu einer Aufwertung des Berufes würden auch Karrierechancen gehören. «Es ist gut, dass das Problem jetzt auf dem Tisch ist. Ich hoffe, dass sich die Tarifparteien bald auf eine zukunftsfähige Lösung einigen.»
Insgesamt besuchen dem Statistischen Bundesamt zufolge rund 2,25 Millionen Kinder Tageseinrichtungen. Bundesweit gibt es knapp 50 000 Kitas, davon 17 000 in kommunaler Trägerschaft. Nach Gewerkschaftsangaben können sich nur 26 Prozent der Erzieher und 58 Prozent der Sozialarbeiter vorstellen, bei den gegenwärtigen Arbeitsbedingungen das Rentenalter gesund zu erreichen.




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