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DEUTSCHLAND/WELT

 

26.05.2009

26.05.2009 | Berlin (dpa)

Bundesweit Hunderte Kitas wegen Streiks dicht

 

Die Streiks in kommunalen Kindertagesstätten sind auf fast alle Bundesländer ausgeweitet worden. Erstmals wurde auch im Osten gestreikt: Unter anderem in Halle, Schwerin und Teilen Brandenburgs legten Beschäftigte ihre Arbeit nieder.

 

Nach Angaben von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di beteiligten sich mehr als 25 000 Erzieherinnen und Sozialarbeiter an dem Ausstand - ein Rekord in der aktuellen Streikwelle. Eltern mussten erneut ihre Kinder anderweitig betreuen lassen oder sich selbst um sie kümmern. Nur Berlin ist wegen seiner besonderen Tarifsituation von den Streiks in den kommunalen Einrichtungen ausgenommen.

 

Morgen verhandelt erstmals die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) mit den Gewerkschaften. Dabei geht es zunächst nur um eine neue Entgeltstruktur. Ver.di und die Bildungsgewerkschaft GEW hoffen aber, dass auch die Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten zur Sprache kommen. Da für den Gehaltstarifvertrag noch die Friedenspflicht besteht, beziehen sich die Streiks nur auf die Forderung nach besserem Gesundheitsschutz. Die Gewerkschaften verlangen für die 220 000 Beschäftigten in kommunalen Kitas und Jugendämtern mehr Geld und einen Tarifvertrag zum Gesundheitsschutz.

 

«Morgen wird sich am Verhandlungstisch entscheiden, ob weiter gestreikt werden muss oder nicht», sagte ver.di-Chef Frank Bsirske am Dienstag am Rande einer Kundgebung in Wuppertal. Die Vergütung der Erzieherinnen und Sozialarbeiter müsse deutlich um 200 bis 1000 Euro brutto je nach Eingruppierung angehoben werden. Zudem forderte er Regelungen für besseren Gesundheitsschutz. Sollte es bei den Gesprächen in Berlin keine Einigung geben, «dann wird der Streik fortgesetzt», sagte Bsirske vor rund 10 000 Erzieherinnen und Sozialarbeitern. In München kamen 3500 Beschäftigte, um ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen.

 

«Wir hoffen, dass die Arbeitgeber endlich ein vernünftiges Angebot für eine tarifrechtliche Regelung des Gesundheitsschutzes auf den Tisch legen und damit die Streiks beendet werden können», sagte ver.di-Sprecherin Martina Sönnichsen. Die beiden Gewerkschaften wollten mit der Ausweitung ihrer Streiks am Dienstag den Druck auf die Arbeitgeber vor den Verhandlungen in Berlin erhöhen. Neben dem Osten waren Nordrhein-Westfalen (8000 Streikende), Rheinland-Pfalz (mehr als 2000), Niedersachsen (2500), Baden-Württemberg (2000) und Bayern (3000) am Dienstag weitere Streik-Schwerpunkte.

 

Am Dienstag beschäftigte sich zum ersten Mal auch die VKA mit den Forderungen von ver.di und GEW nach einem besseren Gesundheitsschutz und mehr Geld. Ob die VKA auf die Arbeitnehmer zugeht, war zunächst unklar. Der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne forderte die Arbeitgeber vor rund 2000 Streikenden in Worms auf, endlich ein verhandlungsfähiges Angebot für einen Gesundheitsschutz-Tarifvertrag auf den Tisch zu legen. Die Hinhaltetaktik der VKA sei unverantwortlich. Nur 26 Prozent der Beschäftigten in kommunalen Kitas und Sozialeinrichtungen könnten sich vorstellen, gesund das Rentenalter zu erreichen. «Der gesetzliche Gesundheitsschutz reicht nicht aus» sagte Thöne.

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