DEUTSCHLAND/WELT
26.05.2009

26.05.2009 | Seoul (dpa)
Nordkorea feuert zwei weitere Raketen ab
Unbeeindruckt von der Verurteilung seines Atomtests durch den Weltsicherheitsrat heizt Nordkorea die Spannungen in der Region weiter an. Nordkorea habe am Dienstag nach seinem Atomtest und dem Abschuss dreier Raketen vom Montag erneut Raketen von kurzer Reichweite abgefeuert.
Dies berichtete die nationale südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf einen Regierungsbeamten in Seoul. Das Nachbarland setze sein «Säbelrasseln» fort, wurde der Beamte zitiert. Zwei Raketen seien an der Ostküste gestartet worden. Nur Stunden zuvor hatte der Weltsicherheitsrat Nordkoreas Atomtest am Montagabend einstimmig verurteilt.
Auch droht Pjöngjang im nächsten Schritt eine neue «scharfe Resolution». Russland signalisierte bereits, dass es einen solchen Schritt im Sicherheitsrat mittragen werde. «Die Reaktion muss ausreichend ernst ausfallen, weil es um die Autorität des Sicherheitsrates geht», sagte ein Sprecher des russischen Außenministeriums laut Agentur Interfax. Die Tür für Verhandlungen müsse jedoch geöffnet bleiben. China hat inzwischen direkt gegen die Politik Nordkoreas protestiert, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking. Er forderte Nordkorea auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und alle Aktionen zu unterlassen, die die Situation verschlimmerten.
US-Präsident Barack Obama versicherte unterdessen Südkorea und Japan, dass sein Land weiter dem militärischen Schutz für die beiden Bündnispartner verpflichtet sei. Er begrüßte die Ankündigung Südkorea vom Dienstag, sich als Reaktion auf den Atomtest an der von den USA angeführten globalen Initiative zum Schutz gegen die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen zu beteiligen. Nordkorea hatte Südkorea zuvor gewarnt, dass es dessen Aufnahme in die seit sechs Jahren bestehenden «Proliferations-Sicherheitsinitiative» (PSI) als «Kriegserklärung» auffassen werde. Als Vollmitglied bei PSI wäre Südkorea aufgerufen, mögliche Durchsuchungen von verdächtigen nordkoreanischen Schifftransporten zu unterstützen.

Bei den Raketen am Dienstag habe es sich vermutlich um eine Boden-Luft- und eine Anti-Schiffsrakete mit Reichweiten von 130 Kilometern gehandelt, berichtete Yonhap. Der Generalstab der südkoreanischen Streitkräfte bestätigte die Angaben nicht. Nordkorea hatte laut Yonhap bereits am Montag dem unterirdischen Nukleartest drei Raketentests folgen lassen. Das Raketenprogramm Nordkoreas gilt neben dessen Atomwaffenprogramm als große Bedrohung in der Region.
In einer Erklärung des UN-Sicherheitsrats, auf die sich die 15 Ratsmitglieder überraschend schnell verständigten, äußerte das höchste UN-Gremium einmütig seine «entschiedene Opposition» zu Pjöngjangs Vorgehen. Der derzeitige Ratspräsident, Vitali Tschurkin, machte in New York deutlich, dass es sich lediglich um eine erste Stellungnahme handele. «Dies ist noch nicht alles, sondern nur ein Signal dafür, in welche Richtung wir steuern.»
In der Erklärung des Sicherheitsrates heißt es weiter, dass die von Nordkorea ausgelöste nukleare Explosion ein «klarer Verstoß gegen Resolution 1718» sei. Diese völkerrechtlich bindende Verlautbarung hatte der Rat im Jahr 2006 als Reaktion auf Nordkoreas ersten Atombombentest verabschiedet. Außerdem kündigte der Rat an, es werde sich «unverzüglich» an den Entwurf für eine neue «scharfe Resolution» zu dem jüngsten Atomtest vom Montag machen.
Die Sprengkraft der nordkoreanische Atombombe vom Montag war nach ersten Erkenntnissen um ein Vielfaches größer als die bei einem ersten Test im Oktober 2006. US-Präsident Obama verurteilte den Test scharf als «Gefährdung der ganzen Welt» und vor allem Ostasiens. Er drohte eine «starke Antwort» der USA an. Dennoch werde Washington auch seine diplomatischen Bemühungen verdoppeln, Nordkorea davon zu überzeugen, die zugesagte Nuklearabrüstung umzusetzen.
Südkoreas Präsident Lee Myung Bak, Japans Ministerpräsident Taro Aso und Obama wollten sich gemeinsam für eine starke Resolution der Vereinten Nationen zum nordkoreanischen Atomtest einsetzen, teilte das Weiße Haus am Montagabend (Ortszeit) mit. Obama habe ihn gebeten, die Südkoreaner daran zu erinnern, dass der atomare Schutzschild der USA und ihr starkes Militär Südkorea angesichts der Bedrohungen Nordkoreas schützen werde, sagte Lee nach einem Telefonat mit dem US- Präsidenten.




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