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DEUTSCHLAND/WELT

 

26.05.2009

Unwetterwarnung in der Hauptstadt - Berliner Anwaltsverein richtet Hotline ein:

Tel. 030 - 251 33 34 (gilt für Mittwoch, 27.05.2009 zwischen 12 und 14 Uhr)
Zur Unwetterzentrale... »

 


27.05.2009 | Hamburg (dpa)

Ein Toter bei Unwetter über Deutschland

Hagelkörner in Golfballgröße, Blitzeinschläge in Häuser, entwurzelte Bäume: Stürmische Unwetter sind geestern über weite Teile Deutschlands hinweggefegt. In Bayern wurde am späten Abend ein Mann von einem herabstürzenden Baum erschlagen, in Niedersachsen mussten Schulen schließen.

In Baden- Württemberg ereignete sich ein Zugunglück. Im oberschwäbischen Baienfurt entgleiste ein Interregio-Zug mit rund 150 Fahrgästen, der gegen einen umgestürzten Baum auf den Gleisen geprallt war. Dabei wurde nach Angaben der Feuerwehr der Lokführer schwer und fünf Passagiere leicht verletzt. Nach Blitzeinschlägen auf Bauernhöfen starben mehr als 100 Schweine und Rinder.

In Konstanz prasselte am Nachmittag mit unbeschreiblichem Getöse Hagel herunter. Die Straßen waren stellenweise bis zu zehn Zentimeter hoch mit Eiskörnern bedeckt. Umgestürzte Bäume legten den Bahnverkehr in der Stadt vollständig lahm. Im Landkreis Ravensburg fiel nach Angaben der Feuerwehr in einigen Orten stundenlang der Strom aus, auch das Fest- und Handynetz brach teilweise zusammen.

Auf dem Bodensee musste die Wasserschutzpolizei mehrere Menschen aus Seenot retten. Ein Segler verletzte sich, als sein Boot vor Meersburg gegen das Ufer prallte und sank. Der Wetterdienst Meteomedia hatte am Bodensee Orkanböen mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 156 Stundenkilometern gemessen. Auf der Schweizer Seite des Bodensees wurde ein 31-Jähriger in Romanshorn in seinem Auto von einem umstürzenden Baum erschlagen. In Luzern wurde eine 37-jährige Frau von einem Ast getroffen und verletzt.

Auch im Schwarzwald sowie am Ober- und Hochrhein wurden Straßen vom Regen überflutet, liefen Keller voll und stürzten Bäume um. Am Stuttgarter Flughafen wurde die Abfertigung der Maschinen auf dem Vorfeld für rund 30 Minuten unterbrochen.

Sturm, Blitz und heftige Regenschauer legten dann am Abend auch den Flugverkehr in München für eine knappe Stunde lahm. 14 Flüge fielen aus. Andernorts rückten die Rettungskräfte zu hunderten Einsätzen aus. Im oberbayerischen Landkreis Weilheim erlitt eine Frau schwere Verletzungen, als ein Ast auf ihr Auto fiel. Nach Angaben eines Bahnsprechers blockierten Bäume einige Strecken im Allgäu und rund um München. Blitze beschädigten zudem teilweise Stellwerke und Signale. Auf den Autobahnen A 7, A 8 und A 9 rissen die Sturmböen Lkw-Anhänger um, Äste, Buschwerk und umgestürzte Bäume behinderten den Verkehr.

Schon am Morgen waren Gewitterstürme über das nordwestliche Niedersachsen und Bremen gezogen. Am stärksten betroffen war der Landkreis Leer. Dort wurde an allen Schulen der Unterricht abgesagt. Der nahe Emstunnel musste nach einen Blitzeinschlag für den Verkehr gesperrt werden. In der Region setzten Blitze zwei Häuser in Brand. Eine Frau erlitt eine Rauchgasvergiftung. Weil Bäume in die Oberleitung gestürzt waren, musste der Bahnverkehr zwischen Bremen und Leer gestoppt werden. Tausende Reisende warteten lange auf ihre Züge, teilte die Deutsche Bahn mit.

Auch in Hessen richteten Unwetter Schäden an. Ein Blitz schlug in das Haus einer vierköpfigen Familie in Viernheim ein, das Dachgebälk fing Feuer. Die Eltern und ihre 11 und 14 Jahre alten Kinder konnten sich unverletzt retten, wie die Polizei in Darmstadt berichtete. Ebenfalls nach Einschlag eines Blitzes wurde der Lohbergtunnel in Südhessen gesperrt, weil alle technischen Anlagen ausfielen.

Bereits in der Nacht zum Dienstag hatten Hagel, Sturm und starker Regen in den Niederlanden erhebliche Schäden angerichtet. Auf den Autobahnen entstanden Staus auf insgesamt fast 350 Kilometer Länge. Züge hatten Verspätungen oder fielen ganz aus. Durch Blitzeinschläge wurde vielerorts die Stromversorgung unterbrochen.

 


Der Unwetterwarnung aufgehoben - Abkühlung kommt

Die erste Gewitterfront des Tiefs «Felix» ist am Dienstagnachmittag ohne Schäden über Berlin hinweggezogen. Der Deutsche Wetterdienst hob seine Unwetterwarnung für die Hauptstadt gegen 15.00 Uhr wieder auf. «Außer dunklen Wolken gab es gar nichts», hieß es bei der Feuerwehr. Auch die Polizei meldete keine Probleme. Die Meteorologen hatten für die Region Sturmböen von bis zu 100 Stundenkilometern, starken Regen und Hegel befürchtet. Die Gewitterwolken entluden sich aber nicht über Berlin, sondern schon auf ihrem Weg nach Osten. In Hessen, Niedersachsen und Bremen gab es am Morgen Blitzeinschläge in Häuser. Entwurzelte Bäume fielen auf Oberleitungen und legten Bahnstrecken Richtung Leer lahm.

Die vielen Gewitter erzeugt Tief «Felix», das mit kühler Luft die ungewöhnlich warme Mai-Luft aus Westeuropa drückt. Wo die beiden Wetterfronten aufeinandertreffen, donnert und blitzt es. Ganze Arbeit bei der Abkühlung leistet aber erst der Nachfolger, das Tief «Grant». Es bringt bis Donnerstag mehr Regen und lässt die Temperaturen erheblich sinken - voraussichtlich bis auf 16 Grad. Das liegt unterhalb der Biergarten-Wohlfühlgrenze.

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