DEUTSCHLAND/WELT
29.05.2009

29.05.2009 | Hamburg (dpa)
Wolf drohen 15 Jahre Haft plus Reststrafe
Dem nach neun Jahren Zielfahndung in Hamburg gefassten Schwerverbrecher Thomas Wolf drohen für seine jüngsten Straftaten 15 Jahre Haft.
Der 56-Jährige wird wegen der Entführung einer Wiesbadener Bankiersfrau im März und eines Banküberfalls in Hamburg im Jahr 2000 in der hessischen Landeshauptstadt angeklagt. Zudem muss der Bankräuber, Entführer und Erpresser noch rund sechs Jahre Reststrafe absitzen, wie der Wiesbadener Oberstaatsanwalt Hartmut Ferse am Freitag in Frankfurt sagte.
Wolf habe nach seiner Festnahme am Donnerstag auf der Reeperbahn die Entführung der Ehefrau eines leitenden Wiesbadener Bankangestellten am 27. März gestanden. Über den Verbleib der rund 1,8 Millionen Euro Lösegeld sagten die Ermittler zunächst nichts. Auch den Banküberfall in Hamburg hat er nach Auskunft des Hamburger Oberstaatsanwalts Wilhelm Möllers eingeräumt.
Wolf sitzt derzeit im Hamburger Untersuchungsgefängnis. Wiesbaden hat das Strafverfahren übernommen. Wann er nach Hessen überstellt wird, stand zunächst nicht fest. «Wir haben keine Eile», sagte Ferse. Möglicherweise werde Wolf bis zum Beginn der Hauptverhandlung in der Hansestadt bleiben. Zunächst müsse dem Beschuldigten jetzt rechtliches Gehör verschafft werden.
Spezialisten der Hamburger Polizei hatten den 56-Jährigen in einem Blitzzugriff überwältigt. Der Festnahme waren detaillierte Hinweise eines Zeugen vom Sonntag vorausgegangen, der Wolf getroffen und erkannt hatte. Wolf leistete bei dem Zugriff um 18.30 Uhr vor einer Kneipe auf der Hamburger Amüsiermeile keinen Widerstand. «Er war überrascht, er hat sich nicht wehren können», sagte der Leiter der Personen- und Zielfahndung bei der Hamburger Polizei, Jörn Blicke.

Wolf war nicht bewaffnet und hatte nur ein Hemd und ein paar Habseligkeiten in einer Plastiktüte bei sich. Er habe sich bereits seit dem 13. Mai in Hamburg aufgehalten, sagte SOKO-Chef Matthias Weber in Frankfurt. «Er hat hier auch eine Unterkunft gesucht», berichtete der Leiter der Ermittlungsunterstützung, Reinhard Bromm. Wolf habe aber nach bisheriger Erkenntnis keine Verbindung zu seinem alten Milieu in der Hansestadt aufgenommen. Er wohnte zumindest in den letzten drei Tagen in einem Hamburger Hotel.
Wolf war im Jahr 2000 bei einem Freigang aus einem Gefängnis in Moers in Nordrhein-Westfalen geflüchtet. Dort verbüßte er eine Freiheitsstrafe von 21 Jahren. Danach soll er Banken in Hamburg, den Niederlanden und Brüssel überfallen haben. In den vergangenen acht Jahren lebte er unter falschem Namen bei einer ahnungslosen Geliebten in Frankfurt. Erst mit der Entführung Ende März fand sich seine Spur wieder.
Nach der Entführung im März in Wiesbaden war Wolf kreuz und quer durch ganz Deutschland geflüchtet. Die Fahnder gaben an, dem Gesuchten häufig dicht auf den Fersen gewesen zu sein. Bei mehreren Gelegenheiten, zum Beispiel in München, hätten sie ihn nur um Minuten verpasst, sagte Blicke. «Wir wussten, was er für ein Leben führt, was er für Kleidung trug.» Er hielt sich zudem in Berlin und Bremen auf. Am 1. Mai schreckten ihn Jäger in einem Waldstück im Kreis Oldenburg auf. Am 12. Mai entdeckten ihn Spaziergänger in einem Wald im Taunus in Friedrichsdorf-Köppern. Anschließend verlor sich seine Spur wieder bis zu dem entscheidenden Hinweis am vergangenen Sonntag.
Bei der Fahndung waren teilweise mehr als 100 Beamte in Deutschland im Einsatz, berichtete Weber. 752 Hinweise aus der Bevölkerung seien eingegangen.
In den Stunden vor der Festnahme in Hamburg hatten Polizisten Wolf bei einem Einkaufsbummel in der Innenstadt observiert. «Er hat schlichtweg Kaffee getrunken und war einkaufen», sagte Blicke. Anschließend habe er sich in St. Pauli durch die Straßen treiben lassen. «So wie es schien, hatte er kein bestimmtes Ziel.»
Die Fahnder beschrieben den Gesuchten als unauffällig. «Wolf ist fit, aber er wirkt älter als er ist», sagte Blicke. Wolf falle nicht auf. Er sei in den vergangenen Jahren sogar von Polizisten angesprochen worden, die aber keinen Grund gehabt hätten, Verdacht zu schöpfen.




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