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DEUTSCHLAND/WELT

 

01.06.2009

Für Angehörige und Freunde von Fluggästen, die in der verschwundenen Airbus-Maschine saßen,
hat die Fluggesellschaft Air France eine telefonische Hotline geschaltet unter:

0033 1 57 02 10 55

Der Flug AF 447 sollte am Montag um 11.10 Uhr aus
Rio des Janeiro kommend auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle landen.

 

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02.06.2009 | São Paulo/Paris (dpa)

Wrackteile des abgestürzten Flugzeugs gefunden

 

Einen Tag nach dem mysteriösen Verschwinden einer Air-France-Maschine mit 228 Menschen an Bord hat die brasilianische Luftwaffe Wrackteile im Atlantik entdeckt.

 

Einige hundert Kilometer nordöstlich der Küste seien unter anderem ein Passagiersitz sowie Spuren von Öl und Kerosin gefunden worden, sagte Luftwaffensprecher Jorge Amaral am Dienstag in Brasília. Noch ist nicht offiziell bestätigt, dass es sich um Teile der A330-200 handelt, die am Montag auf dem Flug von Rio nach Paris verschwand. Die Luftwaffe folgte dem Hinweis eines Piloten, der während eines Atlantik-Flugs «orangefarbene Punkte» bemerkt hatte.

 

An Bord befanden sich der Passagierliste zufolge 26 Deutsche, darunter eine fünfköpfige Familie aus Baden-Württemberg. Das Auswärtige Amt bestätigte die Zahlen zunächst nicht. Derzeit würden mit den Behörden verschiedener Bundesländer alle vorliegenden Informationen geprüft, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Berlin. Neun Passagiere, sechs Männer und drei Frauen, sollen einen Weiterflug nach München gebucht haben. Elf Reisende wollten nach Stuttgart reisen, sechs hatten einen Abschlussflug nach Berlin gebucht, hieß es.

 

Der Absturz der A330-200 wäre die schwerste Katastrophe in der zivilen Luftfahrt seit 2001. Damals waren beim Absturz einer American-Airlines-Maschine kurz nach dem Start in New York 265 Menschen ums Leben gekommen. Es wäre zudem die schwerste Katastrophe in der Geschichte von Air France. Beim Absturz eines Überschallflugzeugs vom Typ Concorde vor neun Jahren starben 113 Menschen.

Auf der Passagier- und Besatzungsliste des Air-France-Fluges standen Menschen aus 32 Ländern, unter ihnen 72 Franzosen und 59 Brasilianer. Zu den französischen Opfern zählt eine Gruppe junger Angestellter eines Elektro-Unternehmens, die die Brasilienreise als Prämie für gute Leistungen erhalten hatten.

 

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy will die Angehörigen in den kommenden Tagen im Elysée-Palast empfangen. Die Regierung bot Familienmitgliedern an, in die Zone zu reisen, in der nach dem Flugzeug gesucht wurde. Die französische Nationalversammlung gedachte in einer Schweigeminute der Opfer. Beim Fußball-Freundschaftsspiel Frankreich gegen Nigeria wollte die französische Mannschaft am Abend als Zeichen der Trauer schwarze Armbinden tragen. Am Mittwoch sollte es einen ökumenischen Gedenkgottesdienst in der Pariser Kathedrale Notre-Dame geben.

An der Suche nach dem Unglücksflieger beteiligten sich zahlreiche Flugzeuge und Schiffe der brasilianischen und französischen Armee. Die USA entsandten ebenfalls ein Flugzeug. US-Präsident Barack Obama sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus. «Wir sind bestürzt über den Vorfall, auch wenn wir noch nicht genau wissen, was passiert ist», sagte er dem französischen Sender i-tele.

 

Die verunglückte Maschine ist mit Sendern ausgestattet, die im Fall eines Absturzes Funkimpulse aussenden. Auch der Flugschreiber gibt Signale ab. Falls die Maschine in den Tiefen des Atlantiks versunken sein sollte, gilt es aber als so gut wie ausgeschlossen, ihn bergen und auswerten zu können.

 

Experten diskutierten weiter über die möglichen Ursachen des Absturzes. Air France hatte von einem Blitzeinschlag gesprochen. Die Maschine flog durch eine Zone, die für schwere Unwetter bekannt ist. Sie hatte ein automatisches Signal ausgesendet, dass es ein Problem mit der Stromversorgung gebe. Offen ist noch, ob dies ein Auslöser oder die Folge eines anderen Problems war. Möglicherweise waren im Gewitter die Antennen und das Radar der Maschine zerstört worden.

 

Das Unglück hat nach Angaben der Pilotenvereinigung Cockpit keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Arbeit der Flugkapitäne. Die Verbindung zwischen Brasilien und Frankreich sei eine «Routinestrecke», sagte Sprecher Jörg Handwerg. Das Unglück habe bei den Piloten «tiefe Betroffenheit» ausgelöst. «Es geht uns auch persönlich nahe, wenn so ein Unglück geschieht.»

 


01.06.2009 | Paris (dpa)

Airbus mit 228 Passagieren in Gewitter abgestürzt

 

Ein französisches Verkehrsflugzeug mit 228 Menschen an Bord ist am Montag in einem schweren Tropengewitter über dem Atlantik auf mysteriöse Weise verschwunden. Unter den Opfern der größten Luftfahrtkatastrophe seit 2001 sind auch 26 Deutsche.

Das teilte die Air France am Montagabend in Paris mit. Unter den Fluggästen seien 61 Franzosen, 58 Brasilianer und 26 Deutsche. Dazu kämen neun Italiener, sechs Schweizer, ein Österreicher und Bürger zahlreicher anderer Länder.

Die Airbus A330-200 der Air France hatte auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris automatisch Stromausfall gemeldet. «Am wahrscheinlichsten ist ein Blitzeinschlag», sagte Air-France-Sprecher François Brousse. Präsident Nicolas Sarkozy erklärte jedoch: «Wir haben keinen präzisen Anhaltspunkt, um zu sagen, was passiert ist.»

«Wir stehen zweifellos vor einer Luftfahrtkatastrophe», sagte Air- France-Chef Pierre-Henri Gourgeon. Es wäre das größte Unglück für Air France bisher. Die meisten Passagiere kamen aus Brasilien und Frankreich, doch waren auch zwischen 18 und 25 Deutsche sowie Italiener, Dänen, Norweger und andere an Bord.

Elf Passagiere der Air-France-Maschine wollten nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) nach Stuttgart. Das sagte der Kreisbereitschaftsleiter des DRK in Esslingen, Rolf Wieder, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Am Nachmittag hätten Helfer am Stuttgarter Flughafen acht Angehörige betreut, die Passagiere aus der vermissten Maschine in Empfang nehmen wollten.
   Unter den Fluggästen waren sieben Kinder und ein Baby. Der Nachrichtensender i-télé berichtete, auch der Südamerika-Chef des Reifenherstellers Michelin und Angehörige der früheren brasilianischen Monarchenfamilie seien ums Leben gekommen.

«Die Chancen, Überlebende zu finden, sind minimal», sagte Sarkozy nach einem Krisentreffen auf dem Flughafen Charles de Gaulle. Er werde «alle Mittel» einsetzen, um herauszufinden, was passiert sei. Das habe er den Angehörigen der Passagiere versprochen. «Wir verstehen nicht, was passiert ist», gestand Verkehrs-Staatssekretär Dominique Bussereau. «Die Hypothese einer Entführung scheint ausgeschlossen, denn die Maschine hätte irgendwo landen müssen. Wir müssen leider mit dem Schlimmsten rechnen.»

Der Pariser Flughafen zeigte den Flug aus Rio auch Stunden nach der geplanten Ankunftszeit von 11.10 Uhr nur als «verspätet» an. Die Angehörigen der Fluggäste wurden auf dem Flughafen außer Sichtweite der Journalisten psychologisch betreut. Der Flugzeugbauer Airbus bot seine Hilfe bei der Aufklärung der Absturzursache an.

Der Airbus war planmäßig um Mitternacht in Rio gestartet. Um 03.30 Uhr gab es den letzten Kontakt mit der brasilianischen Flugkontrolle. Da war das Flugzeug schon 560 Kilometer von der Küste entfernt und flog in 11 000 Metern Höhe. Gegen 04.00 Uhr raste die Maschine auf eine schwere Gewitterfront zu. Eine Viertelstunde später signalisierte sie automatisch den Teilausfall von Funktionen. Air France alarmierte die brasilianischen und afrikanischen Luftfahrtämter. Das Absturzgebiet könnte also 1200 Kilometer von Südamerika entfernt liegen - wenn die Piloten Kurs gehalten haben.

Doch was geschah wirklich über dem Atlantik? Die von Air France vertretene These des Blitzeinschlags überzeugte nicht alle. Am wahrscheinlichsten sei eine «Zerstörung im Flug», sagte der auf Flugzeugunglücke spezialisierte Gerichtsexperte Francois Grangier. «Ein Blitz kann einer modernen Maschine eigentlich nicht viel anhaben, weil sie durch ihre Umhüllung ja von dem Faradayschen Effekt profitiert», erklärte auch das Vorstandsmitglied der Weltpilotenvereinigung IFALPA, Georg Fongern. Die Elektrizität werde über Rumpf und Tragflächen abgeleitet. Selbst Fenster und kleine Schäden würden diesen Effekt nicht beeinträchtigen.

«Jedes Flugzeug wird mal vom Blitz getroffen», sagte Air-France- Pilot Patrick Nerrant. «Wir Piloten sind ausgebildet, darauf zu reagieren.» Die Besatzung hätte sich auch bei einem Blitzeinschlag melden können. Bei Stromausfall gebe es Notsysteme extra für die Kommunikation und die Navigation. Der Luftfahrtexperte Décio Correia brachte eine Explosion ins Spiel. Der Zwischenfall müsse «sehr, sehr plötzlich» eingetreten sein, weil kein Alarm gegeben worden sei.

«Man kann an eine sehr große Panne der Rechner denken, die die Elektrik steuern», erklärte dagegen der Luftfahrtexperte Michel Chevalier dem Nachrichtensender LCI. Aber selbst bei totalem Stromausfall könnte das Flugzeug segeln und wassern. Die Besatzung war sehr erfahren: Der Pilot hatte 11 000 Flugstunden hinter sich, davon 1700 am Steuer einer Airbus A330/A340. Die A330-200 war am 16. April 2005 an Air France geliefert worden und hatte 2500 Flüge absolviert.

Um zu erfahren, was wirklich passiert ist, muss man das Wrack oder die Flugschreiber finden. Doch das ist schwer. Das betreffende Seegebiet sei groß, sagte Sarkozy. Der letzte Kontakt sei «sehr weit von der Küste entfernt» gewesen, erklärte Gourgeon. Wenn die Maschine mitten in den Atlantik gestürzt sei, werde man sie kaum wiederfinden, sagte Gerichtsexperte Grangier. Die Mittel dazu seien sehr begrenzt. Die Flugschreiber könnten in zu großer Tiefe auf dem Grund liegen.

Die brasilianische Luftwaffe machte sich gleich am Montagmorgen auf die Suche nach der Maschine. Ein französisches Aufklärungsflugzeug Bréguet Atlantique suchte von Senegal aus das Meer vor der afrikanischen Küste ab. Sicher ist, dass weder die marokkanische noch die portugiesische Flugüberwachung jemals Kontakt zu dem Flugzeug bekamen. Die Pilotengesellschaft SMPM wollte die Hoffnung nicht vorschnell aufgeben, doch noch Überlebende zu finden. «Wir behalten ein Fünkchen Hoffnung», sagte ein SMPM-Pilot. Vielleicht habe das Flugzeug wassern können.

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