DEUTSCHLAND/WELT
09.06.2009

09.06.2009 | São Paulo (dpa)
U-Boot auf dem Weg zur Absturzstelle im Atlantik
Im Atlantik geht die Suche nach den 204 noch vermissten Opfern des Flugzeugabsturzes weiter. Bis zum Montagabend (Ortszeit) konnten die Einsatzteams der Marine bereits 24 Passagiere tot aus dem Wasser bergen.
Das teilte die gemeinsame Einsatzleitung der brasilianischen Marine und der Luftwaffe in Recife mit. Am Montag wurden acht und am Wochenende 16 Leichen geborgen. Sie sollen alle zunächst auf die Insel Fernando de Noronha und anschließend weiter zur Identifizierung aufs Festland nach Recife gebracht werden.
Die acht Toten wurden in einem Seegebiet gefunden, das rund 440 Kilometer nordöstlich der Sankt-Peter-und-Pauls-Felsen, einer winzigen, kahlen und unbewohnten Inselgruppe im Atlantik, liegt. Die See ist an dieser Stelle den Angaben zufolge 3500 Meter tief. An Bord des am Pfingstmontag abgestürzten Airbus waren auch 28 Deutsche. Es werde künftig nicht mehr über gesichtete, sondern nur noch über geborgene Leichen informiert, sagte ein Luftwaffen-Sprecher.

Die Suche nach dem Flugschreiber habe für die brasilianische Marine keinen Vorrang, sagte ein Sprecher. «Unsere Aufgabe und unsere Priorität ist vor allem, die Leichen und dann die Wrackteile zu bergen.» Er verwies zugleich auf ein französisches Atom-U-Boot, das auf dem Weg in das Absturzgebiet im Atlantik ist.
Die «Emeraude» (Smaragd) hat hoch entwickelte Horch- und Sonartechnologie an Bord und soll vor allem die Suche nach dem Flugschreiber unterstützen. Das U-Boot wird möglicherweise am Mittwoch in der Region eintreffen. Die Bergungsmannschaften fanden hunderte Wrackteile und persönliche Gegenstände der Passagiere, darunter Taschen, Laptops, Video- und Fotokameras, Kleidungsstücke und Papiere.
Alle geborgenen Leichen sind mittlerweile an Bord einer brasilianischen Fregatte auf dem Weg zur Atlantik-Insel Fernando de Noronha rund 350 Kilometer von der Festlandküste Brasiliens, wo sie einer ersten Untersuchung unterzogen werden sollen. Anschließend werden die Leichen nach Recife zur Identifizierung geflogen. In Rio wurden von den Verwandten der Opfer Speichel-, Blut- und Haarproben entnommen, die für einen DNA-Vergleich genutzt werden sollen.

Luftwaffensprecher Henry Munhoz präsentierte Aufnahmen geborgener Wrackteile. Darunter war auch ein mehrere Meter großes Wrackteil, das einem Heckteil des Flugzeuges ähnlich sieht. Ein Atom-U-Boot der französischen Marine soll am Mittwoch im Absturzgebiet rund 1200 Kilometer vor Brasilien eintreffen. Seine empfindlichen Messgeräte könnten die Signale der Flugschreiber orten, so die Hoffnung. Die 74 Meter lange «Emeraude» (Smaragd) hat 68 Mann Besatzung an Bord und kann etwa 300 Meter tief tauchen.
Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva versprach den Angehörigen, alles nur Erdenkliche zu tun, damit möglichst alle 228 Opfer des Flugzeugabsturzes gefunden werden. «In diesem Moment des Schmerzes wird das zwar nicht das Problem lösen, aber es ist doch ein Trost für die Familien, zu wissen, dass sie ihre Lieben beisetzen können», sagte Lula. «Wir wissen, was es für eine Familie bedeutet, wenn sie ihre verschwundenen geliebten Angehörigen zurückbekommt.»
Die Diskussion um die Absturzursache drehte sich verstärkt um möglicherweise fehlerhafte Geschwindigkeitsmesser. Vor dem Unglück hatten drei der sogenannten Pitotsonden um 50 Kilometer pro Stunde abweichende Werte angezeigt. Airbus hatte bereits 2007 dazu geraten, die Sonden auszutauschen. Die Empfehlung galt nach Angaben von Air France aber für einen anderen Flugzeugtyp.




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