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DEUTSCHLAND/WELT

 

17.06.2009

Bildungsstreik in Berlin
Fotos
17.06.2009 | Berlin (dpa)

Tausende demonstrieren für Bildung - "Banküberfall"

 

12 000 Schüler und Studenten sind am Mittwoch in Berlin für Bildungsreformen und mehr Geld für Schulen und Hochschulen auf die Straße gegangen. Bei dem lautstarken Protestzug vom Roten Rathaus zur Humboldt-Universität reckten sie Transparente empor wie «Studier Dich arm», «Gegen Turbo-Abi» und «Reiche Eltern für alle». Redner beklagten Leistungsdruck und zu große Klassen an den Schulen, volle Hörsäle und mangelnde Wahlfreiheit an den Hochschulen. Der einwöchige bundesweite sogenannte Bildungsstreik erreichte damit seinen Höhepunkt. Bis Freitag sind weitere Aktionen geplant. An diesem Donnerstag (18.6./15.00) etwa soll symbolisch eine Filiale der Bank Hypo Real Estate in Charlottenburg überfallen werden.

"Banküberfall" in Berlin geplant
Das notwendige Rettungspaket für das Bildungssystem sei noch nicht eingetroffen, schrieben die Initiatoren. «Wir sehen uns nun dazu gezwungen, unsere Forderungen mit deutlicheren Maßnahmen anzumahnen und bundesweit dezentral Banküberfälle durchzuführen.» Die Hypo Real Estate hatte im Zuge der Finanzkrise Staatshilfen in Milliardenhöhe erhalten. Das Bildungsstreik-Bündnis kritisiert diese Hilfen. Am Montag und Dienstag hatte es bereits Vorlesungsboykotts und Institutsbesetzungen gegeben. Das Präsidium der FU hatten die Studenten erst nach einer Strafanzeige und angesichts eines massiven Polizeiaufgebots geräumt.

Schüler wie Studenten fordern mehr Geld für die Bildung. Der Protest der Studierenden, der zum Teil von den Gewerkschaften ver.di und GEW unterstützt wird, richtet sich auch gegen die in sechs unionsgeführten Bundesländern eingeführten Studiengebühren sowie gegen die «Verschulung des Studiums» in den neuen sechssemestrigen Bachelor-Studiengängen. Die Schüler wenden sich gegen die «überhastet eingeführte Schulzeitverkürzung» bis zum Abitur sowie gegen ein aus ihrer Sicht überholtes Notensystem. In Berlin demonstrierten auch Lehrer mit, Hintergrund sind Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst.

Kritik an Bachelor-Studiengängen
Den Berliner Demonstranten rief die Geschäftsführerin des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes, Stefanie Graf, vor dem Roten Rathaus zu: «Bologna hat versagt, wir wollen entscheiden, was wir studieren und das mindestens acht Semester lang.» Sie kritisierte die im Rahmen des Bologna-Prozesses eingeführten Bachelorstudiengänge. «Wer lernen nur noch, was vorgegeben wird.» Das GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller proklamierte: «Die Hochschulen gehören immer noch uns.» In der Lehre arbeiteten aber immer mehr befristet eingestellte Wissenschaftler, darunter litten
auch die Studenten.

Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) teilte mit, das Land habe einen Teil der Kritikpunkte der Demonstranten schon aufgegriffen. So würden mit der Schulreform die Nachteile des mehrgliedrigen Schulsystems überwunden - nach dem Plan wird das Berliner System allerdings zweigliedrig. Zudem bleibe in der Hauptstadt die Möglichkeit, das Abitur nach 13 Jahren abzulegen statt unter hohen Tempo nach 12 Jahren. Rot-Rot stehe außerdem dafür, dass es keine Studiengebühren gebe. Bei der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen räumte Zöllner jedoch Anlaufschwierigkeiten ein.

 

 

www.bildungsstreik2009.de | www.bildungsstreik-berlin.de

Hörerreporter: Bildungsstreik in Berlin
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