DEUTSCHLAND/WELT
23.06.2009

24.06.2009 | Berlin (dpa)
Jung will nicht von Krieg in Afghanistan sprechen
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) will trotz der sich verschärfenden Sicherheitslage in Afghanistan weiterhin nicht davon sprechen, dass sich die Bundeswehr in dem Land im Krieg befindet.
«Wir würden, wenn wir nur über Krieg sprechen, uns nur auf das Militärische konzentrieren. Und genau das wäre der Fehler», sagte Jung am Mittwoch im ARD-«Morgenmagazin». Er betonte die Notwendigkeit einer Kombination von militärischer Sicherheit und Wiederaufbau, um das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen.
Am Dienstag waren in der Nähe des nordafghanischen Kundus drei Bundeswehrsoldaten bei einem Feuergefecht mit Aufständischen in ihrem Panzer ums Leben gekommenen. Jung sagte, vor allem in einem Radius von 25 Kilometern um Kundus herum habe sich die Lage für die deutschen Soldaten verschärft. Das gelte auch für ein weiteres Gebiet im Nordwesten des Landes. Der Minister unterstrich: «Wer uns angreift, der wird auch bekämpft.» Die Bundeswehr habe «die Gefechte in letzter Zeit sehr gut bestanden». Es gebe auch die notwendigen Reserven, um die Truppen zur Not zu verstärken. In der Region Kundus sind nach Bundeswehrangaben derzeit 1100 deutsche Soldaten stationiert.

Der Wehrbeauftragte der Bundeswehr, Reinhold Robbe, hat unterdessen kritisiert, dass in der Öffentlichkeit «noch immer verdrängt» wird, dass die Bundeswehr am Hindukusch Krieg führe. «Ich frage mich: Wo bleibt das klare Wort der Kirchen, der Gewerkschaften, der Wirtschaft», sagte Robbe der «Bild»-Zeitung. Ein klares Bekenntnis wäre «ein Zeichen menschlicher Zuwendung». Robbe sprach sich trotz des erneuten Angriffs für die Weiterführung des Einsatzes aus. «Wir müssen den Menschen sagen, warum dieser Einsatz, warum diese Feuergefechte, notwendig sind. Jetzt abzuziehen würde bedeuten: Alles war umsonst.»
Bei den drei gefallenen Soldaten handelt es sich um Männer im Alter zwischen 21 und 23 Jahren aus den Standorten Bad Salzungen (Thüringen) und Zweibrücken (Rheinland-Pfalz). Nach Informationen von «Focus online» hatten die Soldaten ihren Dienst in Afghanistan erst vor kurzem angetreten.
Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), wies Überlegungen für eine veränderte Afghanistan-Strategie zurück. «Über grundlegende strategische Änderungen sollte man keineswegs ad hoc entscheiden», sagte Erler der in Hannover erscheinenden «Neuen Presse». «Der Einsatz ist richtig. Und wir sind mit den Amerikanern in engem Dialog, wie er noch wirksamer werden kann», fügte der Staatsminister hinzu.

23.06.2009 | Berlin (dpa)
Trauer um Soldaten - Drei Tote in Afghanistan
Erneut Trauer um Bundeswehrsoldaten: In Nordafghanistan sind am Dienstag drei deutsche Soldaten bei einem Feuergefecht mit Aufständischen gestorben. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte bei einer Marine-Veranstaltung im schleswig- holsteinischen Laboe: «Ich muss Ihnen leider Mitteilung machen, dass ich gerade eine traurige Nachricht aus Afghanistan erhalten haben, wo drei unsere Soldaten im Einsatz für den Frieden gefallen sind.» Nach Informationen aus mehreren Quellen in Berlin stürzten die Männer bei einem Ausweichmanöver mit ihrem Transportpanzer vom Typ «Fuchs» in einen Wassergraben.
Das schwere Fahrzeug blieb auf dem Dach liegen. Ersten Angaben zufolge kamen die Soldaten nicht mehr rechtzeitig aus dem Panzer heraus. Zunächst war von zwei Toten, einem Schwerverletzten und einem weiteren Verletzten die Rede. Der Schwerverletzte soll nach Wiederbelebungsversuchen gestorben sein. Todesursache könne Ertrinken oder Ersticken gewesen sein.

Das Verteidigungsministerium hatte am Vormittag berichtet, eine Patrouille der Bundeswehr sei in der Region Kundus rund sechs Kilometer vom Standort des deutschen Wiederaufbauteams (PRT) in ein Feuergefecht geraten. Es sei Hilfe von Reservekräften und Flugzeugen angefordert worden. Die deutschen Soldaten seien in einer gemeinsamen Operation mit afghanischen Sicherheitskräften unterwegs gewesen und beschossen worden. Die Soldaten hätten das Feuer erwidert.
Die Lage in der Region Kundus ist seit Monaten instabil. Das deutsche PRT sieht sich nach eigenen Angaben zunehmend von den radikal-islamischen Taliban bedroht. Die Zahl der Angriffe ist deutlich gestiegen. «Wir können nicht ausschließen, dass sich die Lage weiter verschlechtert», hatte Kommandeur Oberst Georg Klein Anfang Juni gesagt. In der Region Kundus sind nach seinen Angaben derzeit 1100 deutsche Soldaten stationiert.
Zuletzt war Ende April ein Soldat in der Nähe der Stadt Kundus getötet worden, nachdem er mit seiner Patrouille in einen Hinterhalt geraten war. Mit dem jüngsten Vorfall sind beim Einsatz am Hindukusch bislang insgesamt 35 deutsche Soldaten bei Anschlägen, Gefechten, Unfällen und Unglücken ums Leben gekommen.
Linksfraktionschef Gregor Gysi nannte den Bundeswehreinsatz am Nachmittag unverantwortlich. «Es ist nicht länger zu verantworten, das Leben von Afghanen und das Leben der Soldaten aufs Spiel zu setzen», erklärte er in Berlin.
Chronologie: 35 Tote bei Bundeswehreinsatz in Afghanistan
Mit dem jüngsten Vorfall in der nordafghanischen Region Kundus sind beim Einsatz am Hindukusch bislang 35 deutsche Soldaten ums Leben gekommen. 16 von ihnen fielen nach Angaben der Bundeswehr Anschlägen und Gefechten zum Opfer.
23. Juni 2009: Nach einem Feuergefecht in der Region Kundus sterben drei Bundeswehrsoldaten. Sie sollen bei einem Ausweichmanöver mit ihrem Transportpanzer vom Typ «Fuchs» umgekippt und in einem Graben liegengeblieben sein.
29. April 2009: In der Nähe der Stadt Kundus gerät eine Patrouille der Bundeswehr in einen Hinterhalt. Ein deutscher Soldat stirbt, vier weitere werden verletzt. Wenige Stunde zuvor waren bei einem Attentat in der Nähe des deutschen Feldlagers Kundus fünf deutsche Soldaten leicht verletzt worden.
20. Oktober 2008: Zwei deutsche Soldaten sterben bei einem Selbstmordanschlag nahe der Stadt Kundus. Die Taliban bekennen sich zu dem Anschlag.
27. August 2008: Eine Patrouille der Bundeswehr gerät in der Nähe von Kundus in eine Sprengfalle. Ein Soldat erliegt seinen Verletzungen, drei weitere werden verletzt.
19. Mai 2007: Bei einem Selbstmordanschlag eines Taliban-Terroristen auf einem Markt in Kundus werden drei Soldaten einer Fußpatrouille getötet, zwei weitere verletzt.
14. November 2005: In Kabul reißt ein Selbstmordattentäter einen Bundeswehrsoldaten mit in den Tod, zwei weitere werden verletzt. Zu dem Anschlag bekennen sich die radikal-islamischen Taliban.
7. Juni 2003: In Kabul werden bei einem Selbstmordattentat vier Bundeswehrsoldaten getötet und 29 verletzt. Ein mit 150 Kilogramm Sprengstoff beladenes Taxi explodierte neben einem Bundeswehrbus.
29. Mai 2003: Ein Geländewagen fährt in der Nähe des deutschen ISAF-Camps in Kabul auf eine Mine. Ein deutscher Soldat stirbt.




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