DEUTSCHLAND/WELT
25.06.2009

25.06.2009 | Fürth/Nürnberg (dpa)
Noch keine Gewissheit über Quelle-Rettung
Hängepartie im Kampf um die Rettung des Versandhauses Quelle: Während Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Mittag die Bewilligung eines Massekredits von 50 Millionen Euro für den insolventen Versandhändler grundsätzlich bestätigte, schwieg sich die Bundesregierung weiter aus.
«Ich habe die gleiche Information wie der Insolvenzverwalter, dass seit gestern nach der Sitzung des Ausschusses von einer grundsätzlichen Unterstützung des Bundes bezüglich der anderen Hälfte - 25 Millionen Euro - ausgegangen werden kann», sagte Seehofer bei einem Besuch von Quelle in Nürnberg.
Die Gerüchteküche brodelte zu diesem Zeitpunkt schon seit Stunden. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob der Bund die Hälfte des beantragten Massekredits übernimmt. Der vorläufige Quelle- Insolvenzverwalter, Klaus Hubert Görg, sagte während des Treffens bei Quelle: «Nach meinem Eindruck hat die Bundesregierung vielleicht an einigen Ecken Kommunikationsschwierigkeiten.» Aus Berlin war zu hören, dass noch längst nicht alle Fragen geklärt seien. Außerdem müsse Brüssel einem solchen Kredit noch zustimmen.

Auch Seehofer räumte ein, es seien noch einige Details zu klären. Grundsätzlich wolle Berlin das Geld aber geben. «Ich hoffe, dass die gestern auch vereinbarten Details sehr schnell aufgearbeitet werden», sagte Seehofer. Der Druck und die Auslieferung des Quelle-Katalogs in diesen Tagen seien gesichert.
Den Plänen zufolge soll Quelle 50 Millionen Euro bekommen. 21 Millionen Euro davon will Bayern zahlen, 4 Millionen Euro sollen aus Sachsen kommen, den Rest müsste der Bund stellen. Ein Massekredit ist ein Instrument, um in der Insolvenz den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. In der Liste der Gläubiger steht der Kreditgeber in der Regel auf Platz eins. Dies bedeutet, dass die Forderungen vorrangig bedient werden. Am Mittwochabend waren nach einer Sitzung eines Bürgschaftsausschusses von Bund und Ländern unterschiedliche Nachrichten über eine Zustimmung des Bundes gekommen.
In Essen, dem Sitz des Mutterkonzerns Arcandor, war zu hören, Quelle müsse bis zu diesem Freitag weitere Details zur Finanzierung vorlegen. Auch Quelle selbst gab an, weitere Informationen nachreichen zu müssen, vermeldete aber gute Nachrichten: «Der Bürgschaftsausschuss ist nach kleineren Ergänzungen, die in Schriftform erfolgen werden, bereit, Quelle über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und die Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA) einen finanzierten Massekredit von 50 Millionen Euro zu gewähren.»
Stichwort: Quelle

Früher wurde der Katalog noch in der Nachbarschaft herumgereicht und lag irgendwann auf fast jedem Küchentisch. Heute nennt sich Quelle «das größte Homeshopping-Unternehmen in Europa» und setzt vor allem auf das Internet.
Das Versandhaus arbeitet unter dem Dach der Primondo-Gruppe, in der der Arcandor-Konzern seine Versandaktivitäten gebündelt hat. Primondo beschäftigt knapp 20 000 Menschen in 28 Ländern; bei der Quelle GmbH arbeiten rund 8000 Beschäftigte, die zuletzt einen Jahresumsatz von 2,9 Milliarden Euro erwirtschafteten.
Am 9. Juni stellte die Arcandor AG in Essen Insolvenzantrag für sich und die Töchter Karstadt, Primondo und Quelle. Seitdem zittern die Angestellten um ihre Arbeitsplätze. Quelle befindet sich ohnehin mitten in einem tiefgreifenden Umbau, der in den vergangenen Jahren zu scharfen Einschnitten geführt hat. Ziel ist die strategische Neuausrichtung auf das Internet-Geschäft, in dem nach Überzeugung des Managements die Zukunft des Versandhandels liegt. In der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres 2008/09 (30. September) gab es Online- Bestellungen für 720 Millionen Euro, das waren 24 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Gegründet wurde Quelle von dem Fürther Kaufmann Gustav Schickedanz (1895-1977). Als «Geburtstag» gilt der 26. Oktober 1927, an dem das Unternehmen in das Handelsregister am Amtsgericht Fürth eingetragen wurde. Der erste Katalog wurde als «Führer durch die Sorgen des täglichen Lebens» angepriesen. Quelle wuchs schnell und begann auch nach dem Zweiten Weltkrieg rasch wieder zu florieren. Nach dem Tod des Firmengründers führte dessen Witwe Grete Schickedanz (1911-1994) das Unternehmen weiter. 1999 fusionierte Quelle mit Karstadt zum KarstadtQuelle-Konzern, der später in Arcandor umbenannt wurde. Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz, die Tochter von Gustav und Grete Schickedanz, ist Großaktionärin bei dem Unternehmen.




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