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DEUTSCHLAND/WELT

 

29.06.2009

29.06.2009 | Fürth/Berlin (dpa)

Drama um Quelle: Entscheidung in Berlin

Die letzte Chance für Quelle: Die Bundesregierung will an diesem Montag über den dringend benötigten Kredit für den insolventen Versandhändler entscheiden.

«Die Stimmung ist dramatisch», sagte ein Firmensprecher am Montag in Fürth. Allein in Bayern hängen nach Angaben des Quelle-Gesamtbetriebsrats mehr als 10 000 Arbeitsplätze an dem Unternehmen. Die Entscheidung über den Kredit werde am Montag fallen, bekräftigte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in Berlin. Der zuständige Ausschuss werde darüber beraten. Das bayerische Wirtschaftsministerium wird nach Angaben einer Sprecherin an dem Treffen teilnehmen.

Um kurzfristig zu überleben, braucht der Konzern mit Sitz im fränkischen Fürth einen sogenannten Massekredit von 50 Millionen Euro, von dem der Staat die Hälfte übernehmen soll. Bayern und Sachsen wollen die andere Hälfte beisteuern. Der Massekredit ist eine Nothilfe, mit der insolvente Unternehmen ihren Geschäftsbetrieb aufrechterhalten können. Er sei am vergangenen Donnerstag bereits vorsorglich bei der EU-Kommission angemeldet worden, sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums am Montag in Berlin

Quelle kann seine Lieferanten schon nicht mehr bezahlen und ist seit Wochen darauf angewiesen, dass sie im Vertrauen auf die Staatshilfe in Vorleistung gehen. Auch die Druckerei des Quelle- Katalogs begann Freitagabend im Vertrauen auf Staatshilfe mit der Auslieferung von mehr als 100 000 Katalogen.

Am Wochenende hatte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) die Bundesregierung eindringlich aufgefordert, sich an dem Kredit zu beteiligen. Er hoffe auf ein Signal der Bundesregierung zugunsten des Versandhauses, sagte er am Montag vor Beginn des Unions- Wahlkongresses in Berlin. «Da warten wir auf heute abend». Alles hierzu sei ausgetauscht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte die tagelange Prüfung des Kredits damit erklärt, dass die strengen Vorgaben der Europäischen Union für staatliche Hilfe eingehalten werden müssten. Der Quelle-Sprecher warnte vor verheerenden und unabsehbaren wirtschaftlichen wie soziale Folgen, falls der Kredit verweigert würde.

Eigenes Geld hat Quelle nicht mehr, weil das Unternehmen kurz vor dem Insolvenzantrag alle finanziellen Mittel an den Mutterkonzern Arcandor überweisen musste. Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) forderte eine Überprüfung dieses Vorgangs. «Ich erwarte, dass die konzerninternen Vorgänge der Geldüberweisungen seitens des Unternehmens unverzüglich vollständig aufgeklärt werden, insbesondere wohin das Geld von Quelle geflossen ist», teilte er Sonntagabend mit. Der Mutterkonzern Arcandor bezeichnete die Überweisung als einen Routine-Vorgang, der nichts mit der Insolvenz zu tun gehabt habe.

Quelle-Chef Konrad Hilbers glaubt trotz der Notlage an eine Zukunft für das Traditionsunternehmen. «Quelle ist sanierungsfähig», sagte er am Montag im ZDF. Bereits am Sonntag hatte er vor Diskussionen um eine drohende Abwicklung des Unternehmens gewarnt. «Diese Diskussion gehört dringend beendet.» Wichtig sei nach der langen Hängepartie eine klare Entscheidung. «Wir brauchen dringend positive Signale aus Berlin».

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