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29.06.2009

MICHAEL JACKSON IST GESTORBEN       |      FOTOS & VIDEOS      |      DISKOGRAPHIE     |     REAKTIONEN

 

DIE STORY:  DER ANFANG   |   DIE ACHTZIGER   |   DIE NEUNZIGER   |   2000 BIS HEUTE

29.06.2009 | Los Angeles (dpa)

Kampf um Jacksons Erbe - Mutter will die Kinder

Nach dem Tod von Popstar Michael Jackson ist der Kampf um sein Erbe und seine Kinder entbrannt. Jacksons Mutter Katherine hat am Montag vor Gericht die Vormundschaft für die drei Kinder beantragt. Wie der Internetdienst tmz.com berichtete, macht sie darin geltend, dass die Kinder «keine Beziehung mit ihrer biologischen Mutter» hätten. Dagegen hätten die Kinder eine «lang bewährte Beziehung» mit ihrer Großmutter und seien bei ihr gut aufgehoben. Gemeinsam mit ihrem Mann Joe beansprucht sie auch die Kontrolle über Jacksons Vermögen. «Nur Katherine und ich haben die Vollmacht für unseren Sohn und seine Kinder», ließ der 79 Jahre alte Vater laut «Los Angeles Times» durch einen Sprecher erklären.

Der Tod des legendären Sängers gibt derweil weiter Rätsel auf: Die Leiche Jacksons wies nach einem Bericht der britischen Zeitung «The Sun» zahlreiche Narben und Verletzungen auf. Der Musiker hatte demnach bei seinem Tod nur teils aufgelöste Tabletten im Magen und wog bei einer Größe von 1,77 Metern knapp 51 Kilo. Das Boulevardblatt berief sich am Montag zwar auf Ergebnisse der Obduktion, schrieb allerdings nicht, wie es an die Informationen gelangte. Tmz.com behauptete unterdessen, dass der Bericht der «Sun» «erfunden» und falsch sei. Der Internetdienst berief sich auf eine Mitteilung der Gerichtsmedizin im Bezirk Los Angeles. Die Behörde habe diese Informationen nicht herausgegeben, hieß es. Sie seien nicht akkurat. «Einiges darin ist komplett falsch».

Laut «Sun» trug der Sänger an seinem Todestag eine Perücke, unter der er stellenweise kahlköpfig war. Zudem habe die Leiche Verletzungen von den erfolglosen Wiederbelebungsversuchen aufgewiesen. Außerdem gebe es in der Herzregion vier Einstichstellen von Spritzen. Laut «Sun» sollte das Herz des Sängers mit Adrenalin wieder zum Schlagen gebracht werden.

Der Privatarzt Conrad Murray, der die Wiederbelebung auf Jacksons Bett versucht hatte, berichtete überraschend von einem anfangs noch spürbaren Pulsschlag. Murrays Anwalt Edward Chernoff sagte, der Kardiologe sei am Todestag «zufällig» in Jacksons Zimmer gekommen und habe ihn ohne Atmung vorgefunden. «Er fühlte den Puls. Es gab einen schwachen Puls in seiner Oberschenkel-Arterie. Er hat sofort mit der Herzdruckmassage angefangen», sagte Chernoff.

Zudem ließ der Arzt versichern, er habe dem Musiker keine morphiumähnlichen Schmerzmittel verabreicht. Jackson war am Donnerstag mit 50 Jahren überraschend an Herzversagen gestorben. Kurz vor seinem Tod soll der angeblich medikamentensüchtige Star nach Angaben des Internetdienstes tmz.com eine Spritze mit dem starken Schmerzmittel Demerol bekommen haben, die zum Tod geführt haben könnte. Solche Berichte seien «absolut falsch», sagte Anwalt Chernoff laut «Los Angeles Times».

BET Awards 2009 - Janet über Michael
Video

Die Größen der schwarzen US-Musikszene nahmen in der Nacht zum Montag mit einer bewegenden Michael-Jackson-Gedächtnisshow von dem «King of Pop» Abschied. «Es gibt keinen Grund, traurig zu sein. Wir feiern diesen schwarzen Mann. Er gehört zu uns und wir teilen ihn mit jedem», sagte Moderator Jamie Foxx bei der Vergabe der BET Awards, der begehrten US-Auszeichnungen für schwarze Künstler, in Los Angeles.

Neben zahlreichen Stars von Beyoncé über Keyshia Cole und Bobby Brown nahmen auch Jacksons Vater Joe und Schwester Janet teil. «Unsere ganze Familie wollte heute Abend hier sein», sagte Janet, sichtbar mit den Tränen kämpfend. «Es war einfach zu schmerzvoll. Für Euch ist Michael eine Ikone. Für uns ist er Familie. Und er wird für immer in unseren Herzen weiterleben.»

Jamie Foxx erschien zu der Gala im Shrine-Auditorium von Los Angeles in einem Michael-Jackson-Kostüm und probierte mehr schlecht als recht den legendären «Moonwalk» der Tanzlegende. Unter dem Jubel des Publikums präsentierte er zusammen mit Beyoncé eine Neuauflage des Supersongs «Thriller», mit dem «Jacko» einst den größten Verkaufshit aller Zeiten hatte.

«Ich wollte, die Welt hätte ihn anerkannt, solange er noch gelebt hat», sagte Vater Joe dem US-Nachrichtensender CNN. Wegen der Todesumstände habe er große Sorgen, räumte er ein, machte aber keine näheren Angaben. «Mir gefällt nicht, was passiert ist.» Die BET Awards werden alljährlich vom TV-Sender Black Entertainment Television in unterschiedlichen Kategorien vergeben.

Die drei Kinder Prince (12), Paris (11) und Blanket (7) werden seit Jacksons Tod von seiner Mutter Katherine betreut. «Michael hätte sich gewünscht, dass die Kinder zu ihr kommen. Sie liebt sie sehr», sagte der Anwalt der Jackson-Familie, Londell McMillan. Allerdings könnte auch Jacksons Ex-Frau Debbie Rowe Anspruch auf die beiden älteren Kinder erheben, weil sie ihre leibliche Mutter ist. Die Mutter des kleinen Blanket, der von einer Leihmutter geboren wurde, ist unbekannt. Dem am Montag von Katherine Jackson eingereichten Vormundschaftsantrag zufolge ist es «derzeit nicht bekannt», ob Rowe dieser Regelung zustimmen wird. Eine Gerichtsanhörung wurde für den 3. August festgesetzt.

Auch um das Vermögen dürfte es ein größeres Gerangel geben. Zwar hat Jackson schätzungsweise rund 400 Millionen Dollar Schulden hinterlassen, seine hochkarätigen Musikrechte dürften aber um einiges mehr wert sein.

Ein Termin für die Beerdigung wurde bislang nicht genannt. Spekulationen in den Medien, Jackson werde am Mittwoch beerdigt, wollte die Familie nicht bestätigen. Laut «Los Angeles Times»» ist unter anderem im Gespräch, nach dem Vorbild der Elvis-Presley-Gedenkstätte aus seiner Neverland Ranch eine Art Graceland zu machen. In dem traditionsreichen Apollo-Theater sollte am Dienstag eine
Gedenkfeier stattfinden.


Rückerstattung von Jackson-Tickets noch unklar

 

Für rund eine Million Michael-Jackson-Fans war das Glück für kurze Zeit vollkommen. Über Wochen fieberten sie dem Live- Auftritt ihres «King of Pop» in London entgegen.

 

Aus aller Welt hatten sich «Jacko»-Fans die heiß begehrten Tickets für die Konzerte in der Londoner O2-Arena gesichert - entweder über den hart umkämpften Vorverkauf im Internet oder durch stundenlanges Schlangestehen. Doch zum Schock über den Tod ihres Idols am vergangenen Donnerstag kommt nun die Frage hinzu: Wie bekommt man das Geld für die Konzerttickets zurück?

Konzertveranstalter AEG Live hüllt sich in Schweigen. Erst wollte AEG am Freitag die Modalitäten der Ticket-Rückgabe bekanntgeben. Dann war von Montag die Rede. Mittlerweile heißt es, Informationen soll es «in den nächsten paar Tagen» geben, wie eine Sprecherin am Montag der dpa in London sagte. Das erste von 46 Konzerten war für den 13. Juli terminiert.

Bei etlichen Fans aus Übersee stand die Abreise kurz bevor, unter ihnen auch Jacksons enge Freundin, Hollywoodstar Elizabeth Taylor. «Ich habe gerade meine Kleider zusammengepackt, um nach London zu seinem Auftaktkonzert zu fliegen, als ich die Nachricht (von seinem Tod) hörte», sagte sie.

AEG Live drohen dreistellige Millionen-Verluste und der Untergang im brutalen Konzertgeschäft, sollten Ausfall der Einnahmen und vorgeschossene Produktionskosten nicht gedeckt werden können. Weniger als die Hälfte der Auftritte waren gegen Ausfall versichert. Ob die Tickets erstattet oder umgetauscht werden, soll die Jackson-Familie entscheiden, heißt es. Die Entscheidung sei davon abhängig, ob nicht doch noch plötzlich ein Testament des Megastars auftaucht, das die Rechte anderen zuschreibt.

Die Vermarktungsmaschine ist bereits in Gang gesetzt. Ein Live- Album über «Jackos» letzte Proben für die Konzertreihe und eine Welttournee zum Gedenken an den Popstar sind angeregt worden. AEG Live hatte sich die Exklusivrechte daran gesichert.

Agenturchef Randy Phillips sagte bislang nichts über die Tickets, gab aber überraschend bekannt, dass Jackson einen Tag vor seinem Tod noch für die London-Konzerte geprobt hatte. «Ich schöpfe großen Trost aus dem Stolz und Vertrauen, das er während der Proben für die Produktion Mittwochnacht zeigte», sagte Phillips. Die Proben wurden in Los Angeles in der Konzert- und Sportarena Staples aufgezeichnet.

Die Arena gehört dem Mutterkonzern von AEG Live, die insgesamt 25 Millionen Euro in die Konzert-Vorbereitungen investiert hatte. Zu diesem Verlust kommen 60 Millionen Euro für Tickets hinzu und weitere Millionen aus Fanartikeln, Werbung und anderen Exklusivvermarktung.

Der US-Konzertriese, der dem amerikanischen Milliardär Philip Anschutz gehört, hat aber nicht nur gewaltige Finanzprobleme. Der Firma wird auch zur Last gelegt, den Tod Jacksons mit ausgelöst zu haben: Familienmitglieder nannten den Stress für die Konzertproben als eine der Ursachen für den Tod des Sängers. Jackson starb an einem Herzinfarkt, der auch durch plötzliche Belastungen ausgelöst werden kann. «Wir haben eine komplizierte, ziemlich spektakuläre Show konzipiert», sagte Lichttechniker Patrick Woodroffe der BBC. «Wir waren nervös, ob wir diese Show in der O2-Arena realisieren können.»

Der langjährige Konzertmanager an der Seite des «King of Pop», Marcel Avram, hatte die hohe Anzahl der Auftritte bereits kritisiert. «Dass er die (ursprünglich geplanten) 50 nicht hätte machen können, hätte ich Ihnen gleich sagen können, hundertprozentig. Das hätte zwei Jahre gebraucht. Jeden zweiten Tag ein Konzert, das ist doch nicht Michael Jackson.»

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