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DEUTSCHLAND/WELT

 

08.07.2009

08.07.2009 | L'Aquila (dpa)

Finanzen und Klima als G8-Topthemen

Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen kommen die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G8) von heute an im italienischen L'Aquila zu ihrem Gipfeltreffen zusammen.

Mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit 70 Jahren wollen sich die Staatenlenker für eine verlässliche weltweite Finanzordnung stark machen, außerdem für ein globales Klimaabkommen. Dieses soll im Dezember in Kopenhagen besiegelt werden.

Das Treffen sei eine «einmalige Chance», eine Klimakatastrophe zu verhindern, schrieben die Präsidenten der Europäischen Kommission und des Europäischen Rates, Josè Manuel Barroso und Fredrik Reinfeldt, in einem Gastbeitrag des «Hamburger Abendblattes». Die Weltwirtschaftskrise biete die Gelegenheit zum Umsteuern im Klimaschutz. Die Krise könne Ausgangspunkt sein für «intelligente Klima-Lösungen».

Zum Auftakt des G8-Gipfels rief die EU die Entwicklungsländer zu substanziellen Anstrengungen beim Klimaschutz auf. «Wir schlagen vor, dass die Entwicklungsländer als Gruppe sich das Ziel setzen, die Emissionen bis zum Jahr 2020 um 15 bis 30 Prozent zu verringern im Vergleich zu einer Entwicklung ohne spezielle Politikmaßnahmen zur Emissionsminderung», sagte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas der «Berliner Zeitung». Erstmals legte die EU damit einen konkreten Minderungsvorschlag für die ärmeren Länder vor.

Der renommierte Klimaforscher Professor Hans Joachim Schellnhuber forderte vom G8-Gipfel ein Signal für das Wüstenstrom-Projekt «Desertec». Die Staats- und Regierungschefs sollten sich damit befassen, weil es den nachhaltigen Umbau des Energiesystems voranbringen könne, sagte Schellnhuber in einem Interview mit der «Frankfurter Rundschau». Der Klimaforscher erwartet zudem, dass das Spitzentreffen ein positives Signal für den Weltklimagipfel im Dezember in Kopenhagen gibt.

Der Chef des Club of Rome in Deutschland, Max Schön, forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Angaben des Bielefelder «Westfalen-Blatts» auf, «Desertec» zur Chefsache zu machen. Das berichtet das. «Natürlich ist Desertec ein Thema, das Chefsache sein muss. Es würde mich sehr freuen, wenn es bei einem G8-Gipfel zum Thema würde. Wenn die G8-Staaten sagen würden, beim nächsten G20- Gipfel schlagen wir es als gemeinschaftliche Initiative der Industrienationen mit den Wüstenstaaten vor, wäre für unsere Erde viel gewonnen.»

Bis Freitag werden in L'Aquila knapp 28 Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt erwartet. Der Gipfel will unter anderem ein Signal für eine verstärke Hilfe für Afrika geben, das besonders unter der Wirtschaftskrise leidet.

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte das Spitzentreffen von Sardinien in die Abruzzenregion verlegt, die im April von einem schweren Erdbeben getroffen wurde. Über 300 Menschen starben dabei. Die italienische Regierung wies Kritik zurück, das Treffen sei chaotisch organisiert.

Es wird der erste G8-Gipfel für den US-Präsidenten Barack Obama sein. Obama und die russische Führung vereinbarten am Montag und Dienstag in Moskau, bei der atomaren Abrüstung vorankommen zu wollen. Ein wichtiges Thema in Italien wird auch die politische Krise im Iran sein.

Die EU verstärkte bereits ihren Druck auf die Führung in Teheran. Die Europäer verlangen die Freilassung des einzigen noch inhaftierten iranischen Beschäftigten aus der britischen Botschaft. Zur G8-Gruppe gehören neben Gastgeber Italien die USA, Russland, Kanada, Japan, Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

In ganz Italien sind mehr als 15 000 Polizei- und Militärkräfte im Einsatz, um den Gipfel zu sichern. Es wird mit zahlreichen Protesten gerechnet.

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