DEUTSCHLAND/WELT
14.07.2009

14.07.2009 | Berlin (dpa)
Foodwatch für härteres Durchgreifen bei Imitaten
Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert ein härteres Durchgreifen bei illegalen Käse- und Schinken-Imitaten in Lebensmitteln.
«Das einzige, was hier wirklich helfen würde, ist, die "schwarzen Schafe" beim Namen zu nennen», sagte Geschäftsführer Thilo Bode in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. «Alle Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen müssen veröffentlicht und dabei Ross und Reiter genannt werden direkt in den kontrollierten Supermärkten und Gaststätten.» Dazu müsse das Verbraucherinformationsgesetz verschärft werden. Bußgelder schreckten nicht ab. «Bevor ein Betrüger bestraft wird, muss ihm vorsätzliche Täuschung nachgewiesen werden. Das ist extrem schwierig.»
Der frühere Greenpeace-Geschäftsführer warf Bund und Ländern zu laschen Umgang mit Lebensmittelbetrug vor. «Wenn etwas als Schinken verkauft wird, was mehr schnittfestes Wasser als Fleisch enthält, oder auf Pizza ein Käse drauf ist, der kein Käse ist, dann ist das ein klarer Fall von Betrug», sagte Bode. «Vom Schinken-Betrug wissen die Behörden seit mehr als 15 Jahren nur ihrer gesetzlichen Aufgabe, die Verbraucher vor Täuschung zu schützen, kommen sie nicht nach.» Der Foodwatch-Gründer betonte: «Das ist ungefähr so, als ob Falschgeld im Umlauf ist und die Kriminalpolizei sich darauf beschränkt, den Leuten zu erklären, wie man Blüten erkennen kann, aber nicht mehr die Falschmünzer verfolgt.»

Das größere Problem sieht der Verbraucherschützer in der «legalen Täuschung». «Angeblich gesunde Kinderprodukte entpuppen sich als Zuckerbomben, die "natürlichen" Aromen im Erdbeerjoghurt stammen nicht von Erdbeeren, sondern werden aus Pilzen hergestellt, Schwarzwälder Schinken muss nicht aus dem Schwarzwald stammen», sagte Bode. Der Verbraucher könne dies meist nicht erkennen. «Wenn da zum Beispiel Hefeextrakt drauf steht, wer weiß schon, dass das ein glutamathaltiger Geschmacksverstärker ist noch dazu, wenn vorne auf der Packung ohne Geschmacksverstärker stehen darf?» Bode forderte eine EU-weite Änderung der Lebensmittelkennzeichnung und eine Einteilung in Qualitätsklassen, etwa mit und ohne Zusatzstoffe.
Bei Käse-Imitaten droht nach Angaben des Foodwatch-Chefs keine Gesundheitsgefahr. «Ein Analog-Käse, wenn er die hygienischen Anforderungen erfüllt, ist in den allermeisten Fällen überhaupt nicht gesundheitsschädlich», sagte Bode. «Das ist einfach nur eklig und ist Betrug.»
Gespräch: Marc-Oliver von Riegen, dpa
Frage & Antwort: Was sind eigentlich Käse-Imitate
Meldungen über Schummelkäse verunsichern immer mehr Verbraucher. Hier einige Fragen und Antworten zum Thema:
Haben Käseimitate für Verbraucher auch Vorteile?
Ja, für einige Verbraucher können sie durchaus Vorzüge haben: Menschen mit einer Laktoseintoleranz beispielsweise müssen eigentlich meist auf Kuhmilchprodukte verzichten. Mithilfe der Imitate können sie dennoch wieder den geliebten Käsegeschmack schmecken. Auch viele Veganer, die lieber auf alle tierischen Erzeugnisse verzichten, haben mit dem Kunstkäse weniger Gewissensbisse.
Wie müssen Käseimitate gekennzeichnet werden?
Lebensmittel mit Käseimitaten müssen für den Verbraucher klar erkennbar sein. So dürfen beispielsweise Brötchen mit Käseimitat nicht «Käsebrötchen» heißen, sondern müssen anders benannt werden. Bei Fertigprodukten sollte es eine Zutatenliste geben. Irreführungen der Verbraucher sind laut Bundesverbraucherschutzministerium zu vermeiden.
Warum heißt es Analog-Käse? Das erweckt doch den Anschein, dass es sich um Käse handelt.
Darüber wird noch diskutiert. Das Bundesverbraucherschutzministerium und andere Experten fordern, dass ein zutreffender Begriff gewählt wird, der nicht wie Analog-Käse das Wort Käse enthält. Stattdessen sei es besser, das Produkt so zu beschreiben, dass es nicht verwechselt werden könne, also zum Beispiel «Pizzabelag mit Pflanzenfett».
Bundesverbraucherschutzministerium: www.bmelv.de




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