DEUTSCHLAND/WELT
15.07.2009

17.07.2009 | Berlin (dpa)
RHJ sieht bei Opel 800 Millionen Einsparpotenzial
Der Finanzinvestor RHJ International will sich langfristig am Autohersteller Opel beteiligen. «Wir sind eine börsennotierte Industrieholding und denken in langen Zeiträumen. Das trifft auch bei Opel zu», sagte der Vorstandsvorsitzende Leonhard Fischer der «Bild»-Zeitung.
Fischer wies Spekulationen als «Unsinn» zurück, wonach sich RHJ im Falle einer Opel-Übernahme schon nach wenigen Jahren wieder von der Beteiligung trennen wolle. Gleichzeitig betonte der Manager, dass bei der Sanierung die Rückzahlung der Finanzhilfen Vorrang habe. «Solange der deutsche Steuerzahler nicht jeden Euro seines Geldes zurückerhalten hat, werden wir auch keine Dividenden erhalten.»
Auf die Frage, ob neben den im Rettungskonzept vorgesehenen Stellenstreichungen in Folgejahren noch mehr Jobabbau drohe, sagte Fischer: «Wir müssen europaweit knapp 10 000 Stellen streichen. Nicht mehr. Das gilt.» Gleichzeitig gab Fischer eine Bestandsgarantie für alle vier Werke in Deutschland. RHJ will im Falle einer Übernahme des angeschlagenen Autobauers Opel die Kosten massiv senken. Fischer bezifferte das jährliche Einsparvolumen auf 800 Millionen Euro.
Der Finanzinvestor wies Vorwürfe zurück, bei Opel nur als Strohmann für die Noch-Muttergesellschaft General Motors (GM) zu fungieren. «Es ist kein Automatismus, dass Anteile an GM zurückfließen», sagte ein Sprecher der «Frankfurter Rundschau». Klare Absicht von RHJ sei es, Opel als eigenständige Marke auszubauen.
RHJ hatte der Bundesregierung ein nachgebessertes Angebot vorgelegt. In dem Konzept der Belgier, das der Deutschen Presse- Agentur dpa vorliegt, spielt GM eine gewichtige Rolle. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sagte am Donnerstag, das RHJ-Modell für einen Opel-Einstieg enthalte «ein mehrfach abgesichertes Vorkaufsrecht» für GM. Auch bei Entwicklung, Produktion und im Einkauf baut der Finanzinvestor nach dem Konzept auf eine enge Zusammenarbeit zwischen GM und Opel. RHJI will im Falle einer Übernahme in Deutschland 3900 Stellen streichen. Europaweit sollen es 9900 sein.

16.07.2009 | Berlin (dpa)
Ministerium: Weiter keine Vorfestlegung bei Opel
Das Bundeswirtschaftsministerium hat Darstellungen dementiert, das Ministerium sehe im Bieterwettstreit um Opel den Finanzinvestor RHJ International mittlerweile als Favoriten. Eine
Sprecherin verwies am Donnerstag auf jüngste Äußerungen von Minister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), wonach es keine Vorfestlegungen gebe. Daran habe sich nichts geändert.
Die «Bild»-Zeitung (Donnerstag, 16.07.09) hatte unter Berufung auf Ministeriumskreise berichtet, dass im Umfeld von Guttenberg dem RHJ-Angebot inzwischen mehr Chancen eingeräumt würden als dem Konzept des kanadisch-österreichischen Zulieferers Magna. «RHJ ist in Front», zitiert die «Bild» eine mit den Vorgängen vertraute Person.
Am Mittwoch hatte RHJ sein Übernahmeangebot im Ministerium vorgestellt. Die Gespräche seien in «sehr konstruktiver Weise» verlaufen, berichtet «Bild» aus Verhandlungskreisen.

15.07.2009 | Berlin (dpa)
RHJ legt Regierung Opel-Konzept vor
Der Finanzinvestor RHJ International will am heutigen Mittwoch der Bundesregierung sein nachgebessertes Übernahmekonzept für den angeschlagenen Autobauer Opel erläutern.
Dazu werden Vertreter des Investors im Bundeswirtschaftsministerium erwartet. Neben RHJ hatte zuletzt auch der chinesische Hersteller BAIC Interesse an einer Übernahme von Opel bekundet und ebenfalls ein Konzept vorgelegt. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte zuletzt bekräftigt, dass es keine Vorfestlegung gebe.
Die vier Bundesländer mit Opel-Standorten und der Opel-Betriebsrat machen sich - trotz zunehmender Vorbehalte - allerdings weiter für eine Übernahme durch den kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna zusammen mit dessen russischen Partnern stark.
Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) stellte den Beitrag des Landes von 474 Millionen Euro zur Brückenfinanzierung von 1,5 Milliarden Euro für Opel infrage, sollte der Zuschlag nicht an Magna gehen. «Es besteht kein Automatismus, dass die mit Magna vereinbarte staatliche Brückenfinanzierung auch für den Finanzinvestor RHJ gilt», sagte Koch dem «Handelsblatt» (Mittwoch). Ob ein anderer Investor Staatsgeld bekomme, müsse in jedem Fall neu überprüft werden. Entscheidend sei, wie ein solcher Investor Opel weiterführen wolle.

Der Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz rief die Belegschaft zur Unterstützung von Magna auf und sprach sich gegen RHJ International aus. «RHJ ist ein Finanzinvestor, der Opel so schnell wie möglich wieder an GM verkaufen wird und im Interesse von GM handelt», schreibt Franz in dem Brief an die Mitarbeiter. Zudem bezweifelte Franz die Stichhaltigkeit des nachgebesserten Angebots: «Im ersten Konzept sollten die Werke Antwerpen und Bochum geschlossen und Eisenach verkauft werden, zudem wurden 4,8 Milliarden Euro Staatsgarantien verlangt.» Jetzt gehe es nur noch um Garantien von 3,8 Milliarden Euro, obwohl plötzlich keine Werke mehr geschlossen werden sollten.
Der NRW-Bezirksvorsitzende der IG Metall, Oliver Burkhard, hatte am Dienstag erklärt, Magna stelle harte Forderungen an die Opel- Arbeitnehmer. Der Zulieferer verlange unter anderem eine Leiharbeiterquote von bis zu 30 Prozent in den Werken, den Abbau von 10 000 Arbeitsplätzen und den Verzicht auf Urlaubsgeld.




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