DEUTSCHLAND/WELT
15.07.2009

Dramatisches Ringen um die Zukunft von Porsche
Das dramatische Ringen um die Zukunft von Porsche hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Der hoch verschuldete VW-Großaktionär arbeitet nach dpa-Informationen mit Hochdruck an einer Teilentschuldung mit Hilfe der Eigentümerfamilien, um seine Eigenständigkeit zu retten.
Verhandelt wird demnach über eine Kapitalerhöhung in Höhe von bis zu fünf Milliarden Euro, die mit Hilfe der Familien Porsche und Piëch realisiert werden soll. Torpediert wurde die für den Sportwagenbauer positive Nachricht von Gerüchten, Vorstandschef Wendelin Wiedeking verlasse Porsche.
Die «WirtschaftsWoche» hatte ohne Angaben von Quellen das Aus von Wiedeking berichtet und dass schon in Kürze über den Nachfolger des Managers entschieden werde. Ein Porsche-Sprecher wies dies umgehend als falsch zurück: «Wiedeking ist im Amt und bleibt im Amt. Er ist nicht zurückgetreten und er wird auch nicht zurücktreten.» Es habe auch noch keine Einigung der Familien Porsche und Piëch über die Zukunft des hoch verschuldeten Sportwagenbauers gegeben. «Hier wird ein Medienkrieg geführt», fügte der Sprecher hinzu.

Nach den Plänen von Wiedeking soll außerdem das Emirat Katar durch einen Kauf von Anteilen Milliarden in die Kassen des Stuttgarter Sportwagenbauers spülen. Katar soll laut Bankenkreisen insgesamt sieben Milliarden Euro für den Kauf von Stammaktien und VW-Optionen bieten. Der Schuldenberg von Porsche ist nach dpa-Informationen inzwischen von neun auf rund zehn Milliarden Euro gestiegen, nachdem sich der Sportwagenbauer bei der VW-Übernahme übernommen hatte.
Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück hatte zuvor die Familien in die Pflicht genommen. Er erwarte von ihnen, dass sie sich an einer Kapitalerhöhung beteiligen, sagte der Vize-Aufsichtsratschef Hück nach einer Betriebsversammlung im Forschungs- und Entwicklungszentrum in Weissach. Zudem hätten die Eigentümer versprochen, auch künftig die Eigenständigkeit des Sportwagenbauers zu sichern.
Auf dem Tisch liegt zudem immer noch der VW-Plan: Volkswagen will knapp die Hälfte der Porsche AG übernehmen, in der das Autogeschäft gebündelt ist. Der Sportwagenbauer soll als zehnte Marke in den Konzern integriert werden. Hück sagte zu den VW-Plänen: «Ein Einstieg von VW würde am Ende für beide Belegschaften Nachteile bringen» und damit auch Volkswagen schädigen. Auch Porsche-Chef Wiedeking will diese Variante mit allen Mitteln verhindern. Die Familien Porsche und Piëch ringen seit Monaten um eine Lösung.
VW berief für den 23. Juli eine Sondersitzung des Aufsichtsrats ein. Die Sitzung findet in Stuttgart statt, bestätigte Volkswagen dpa-Informationen. Am selben Tag ist auch eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung von Porsche geplant. In Konzernkreisen hieß es, es werde mit einer Grundsatzentscheidung der Familien schon vor den Sitzungen der Kontrollgremien gerechnet.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sagte im ARD-Mittagsmagazin: «Bei Porsche wäre das beste, wenn Katar direkt bei Porsche einsteigt, dann haben wir eine dritte Familie, die Scheichs, und die sorgen dafür, dass Ruhe wird, dass diese Grabenkämpfe unterbleiben.» Porsche bliebe eigenständig und werde nicht Anhängsel von VW. «Das wird wichtig werden.»
Porsche hatte sich bei der geplanten Übernahme von VW verhoben und sucht händeringend neue Geldquellen. Der Sportwagenbauer besitzt knapp 51 Prozent der Anteile an Europas größtem Autobauer und hält mit Hilfe der Banken Aktienoptionen über weitere bis zu 24 Prozent.
Unterdessen äußerte Porsche-Betriebsratschef Hück scharfe Kritik an Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). Dieser habe versucht, bei Banken Stimmung gegen Porsche zu machen, damit der Autobauer kein Geld mehr bekommt. «Wulff will Porsche kaputtmachen, um uns danach billig einzukaufen», sagte Hück. Bundeskanzlerin Angela Merkel solle ihren Parteifreund «in die Schranken weisen».
Die niedersächsische Staatskanzlei wies die Angriffe von Hück mit scharfen Worten zurück. «Uwe Hück fürchtet offenbar um Privilegien. Anders lassen sich seine Polemik und seine unwahren Behauptungen kaum erklären», erklärte Wulffs Sprecher in Hannover. Wulff habe sich erfolgreich für Kredite an Porsche eingesetzt. Alle Beschäftigten von Volkswagen und Porsche würden von einem integrierten Porsche/VW- Konzern profitieren.
Wulff kündigte erneut Widerstand gegen eine Übernahme von Volkswagen durch Porsche an. Er drohte Wiedeking indirekt mit seinem Einfluss auf mögliche Geldgeber. «Meine Mittel sind die sehr guten Kontakte zu arabischen Investoren und das VW-Gesetz, wonach Niedersachsen mit 20 Prozent Aktien eine Sperrminorität hat», sagte Wulff süddeutsche.de. Der Politiker zeigte sich zuversichtlich, «dass wir in den nächsten Tagen zu einem integrierten Konzern VW/Porsche kommen, in dem die Familien Piëch und Porsche die Mehrheitsaktionäre sind und zu Niedersachsen noch Katar als Aktionär hinzukommt».




Kommentare