DEUTSCHLAND/WELT
17.07.2009

17.07.2009 | Ingolstadt/Stuttgart (dpa)
Porsche: Wiedeking will nicht aufgeben
Porsche-Chef Wendelin Wiedeking will allen Rücktrittsgerüchten zum Trotz weiter im Amt bleiben. «Ich bin glücklicher Vorstandschef und fühle mich in der Rolle pudelwohl», sagte der umkämpfte Chef des Sportwagenbauers.
Sein Vertrag laufe bis 2012, und er wolle ihn erfüllen. Jetzt müsse man sehen, wie die Porsche-Anteilseigner entscheiden, sagte Wiedeking am Donnerstag bei einer Feier zum 100-jährigen Bestehen von Audi in Ingolstadt.
Am Vortag hatte es einen Magazinbericht gegeben, wonach Wiedeking das Unternehmen verlassen werde. Dies wurde von Porsche dementiert. Porsche hatte sich bei den von Wiedeking umgesetzten Übernahmeplänen für VW verhoben und steht nun wegen eines Milliarden-Schuldenbergs unter Druck. Eine Aufsichtsratssitzung, bei der wichtige Weichenstellungen kommen könnten, ist für den 23. Juli angesetzt.
Bei der Feier in Ingolstadt trafen die wichtigsten Akteure in dem Machtkampf zwischen Porsche und Volkswagen aufeinander. Dort waren neben Wiedeking auch VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche und der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU).

Wulff wollte sich nicht näher zur Diskussion um Porsche und Volkswagen äußern. «Bis Donnerstag müssen wir alle Geduld haben. Es gibt sehr viele Beteiligte, man muss sehr viel für den Konsens tun.» Wulff betonte aber nochmals, dass er einen Gesamtkonzern unter der Führung von Volkswagen favorisiere. «Dass ich die Position für einen integrierten Konzern habe, ist bekannt.»
VW-Aufsichtsratschef Piëch wollte auf Anfrage keinen Kommentar abgeben. Mitte Mai hatte Piëch bei der Vorstellung des neuen VW Polo auf Sardinien Wiedekings Hoffnungen auf eine Fusion auf Augenhöhe einen deutlichen Dämpfer verpasst. Gleichzeitig hatte er klar gestellt, die Rechte des Landes Niedersachsen als Großaktionär nicht antasten zu wollen.
Gerüchte, die Eigentümerfamilien hätten den Verkauf von knapp der Hälfte des Autogeschäftes an VW so gut wie beschlossen und damit die Zukunft der Stuttgarter besiegelt, wurden in Stuttgart von dem Vize-Aufsichtsratschef von Porsche, Uwe Hück, dementierte. «Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch haben mir das Wort gegeben, dass es noch keine Entscheidung gibt», sagte Hück, der Betriebsratsvorsitzender ist. «Und ich glaube den Familien.» Hück betonte, dass Gerüchte über den Wiedekings Rücktritt falsch seien. «Wiedeking ist im Amt und bleibt bis zum Ende seiner Amtszeit 2012.»

Zuvor hatte die «Financial Times Deutschland» ohne Angaben von Quellen berichtet, das seit Monaten andauernde zähe Ringen um die Zukunft der Autohersteller Volkswagen und Porsche sei nahezu entschieden. Die Porsche-Eigner hätten sich grundsätzlich auf ein Modell für einen integrierten Konzern geeinigt. Demnach solle VW rund 49 Prozent am Sportwagenbauer erhalten. Ein formaler Beschluss fehle aber noch, schränkte die Zeitung ein.
Porsche will dagegen über eine Kapitalerhöhung mit Hilfe der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch Geld in die Kassen spülen und hofft auf einen Einstieg des Emirats Katar. Katar soll laut Bankenkreisen insgesamt sieben Milliarden Euro für den Kauf von Stammaktien und VW-Optionen bieten. Die Kapitalerhöhung solle ein Volumen von bis zu fünf Milliarden Euro haben. Der Schuldenberg von Porsche beträgt mittlerweile rund zehn Milliarden Euro.
Hück erklärte, erst bei der Aufsichtsratssitzung am 23. Juli solle darüber diskutiert werden, ob der Sportwagenbauer sein Autogeschäft an VW verkauft oder Katar Anteile übernimmt. Der Betriebsratschef wollte sich jedoch nicht festlegen, ob bei dem Treffen des Kontrollgremiums überhaupt die endgültige Entscheidung in dem Machtkampf getroffen wird. Einen entscheidenden Fingerzeig noch in dieser Woche werde es nicht geben, versicherte Hück.
Der Betriebsratschef griff erneut Wulff scharf an. Dieser habe im CDU-Präsidium bereits erzählt, dass Porsche verkauft sei. «Das ist unanständig», sagte Hück und warf dem Politiker vor, gezielt Falschinformationen zu streuen.




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