DEUTSCHLAND/WELT
17.07.2009

17.07.2009 | Madrid/Palma (dpa)
Schweinegrippe: Sorge nach Todesfall auf Mallorca
Der Tod einer jungen Frau durch die Schweinegrippe auf der Ferieninsel Mallorca bereitet den spanischen Behörden große Sorgen. Bei der Nigerianerin sei das H1N1-Virus außerordentlich aggressiv gewesen, sagte Gesundheitsministerin Trinidad Jiménez am Freitag in Madrid.
«Wir sind sehr beunruhigt, denn bei bisherigen schweren Fällen war die Infektion durch andere zusätzliche Krankheiten verschlimmert worden.» Dies traf bei der Nigerianerin nach jetzigem Kenntnisstand aber nicht zu. «Sie war eine junge und gesunde Frau.» Auf die Behandlung mit Antiviren-Medikamenten habe sie dennoch nicht reagiert. Ihr Tod sei deshalb der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als außergewöhnlicher Fall gemeldet worden.
Die am Donnerstag gestorbene Frau ist das erste Todesopfer der Schweinegrippe auf der spanischen Ferieninsel. Nach der Infektion mit dem H1N1-Virus habe sie eine Lungenentzündung erlitten, hieß es. Auch der balearische Gesundheitsminister Vicenç Thomàs sagte, sie sei vorher offenbar kerngesund gewesen. Sie war demnach lediglich etwas übergewichtig.
Die in Madrid lebende Frau hatte einige Tage Urlaub bei einer Freundin auf Mallorca verbracht. Am vergangenen Freitag war sie mit Atembeschwerden und Fieber zum Arzt gegangen. Dieser verschrieb ihr Medikamente für eine gewöhnliche Grippe und schickte sie nach Hause. Am Sonntag hatte sich ihr Zustand aber so verschlechtert, dass sie ins Krankenhaus Son Llátzer in Palma eingewiesen wurde. Sie kam auf die Intensivstation und musste künstlich beatmet werden.
Das Gesundheitsministerium in Madrid gab ihr Alter mit 33 Jahren an. Nach Berichten mallorquinischer Medien könnte die Frau aber weitaus jünger gewesen sein, da sie möglicherweise mit der Versichertenkarte einen anderen Person zum Arzt gegangen sei. Ihre Verwandten konnten bislang nicht ermittelt werden.

Am Donnerstag war zudem ein 71-Jähriger in einem Krankenhaus in Madrid an der Schweinegrippe gestorben. Der Mann litt schon zuvor an einer Atemwegserkrankung. Die Zahl der Schweinegrippe-Toten in Spanien stieg damit auf vier. Landesweit sind bislang rund 1200 Fälle bestätigt worden, zwölf davon auf den Balearen: Neun auf Mallorca, zwei auf Ibiza und einer auf Menorca.
Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin sieht derzeit eine Häufung der neuen Fälle insbesondere bei deutschen Schulklassen, die sich in Spanien aufgehalten haben. Insgesamt sind laut RKI in Deutschland 834 Schweinegrippefälle gemeldet. Behörden von acht Bundesländern registrierten seit Anfang Juli insgesamt rund 20 Erkrankte, die zuvor auf Mallorca gewesen waren.
Gesundheitsministerin Jiménez warnte mit Blick auf weitere mögliche Todesfälle vor Spekulationen. Sie erinnerte aber daran, dass jedes Jahr rund 8000 Menschen direkt oder indirekt an der gewöhnlichen Grippe stürben. Bei der Schweinegrippe könnte es daher ähnlich sein.
Die ab Herbst geplante Massenimpfung gegen die Schweinegrippe kostet in Deutschland bis zu zwei Milliarden Euro. Die Krankenkassen bestimmen und benachrichtigen zunächst die Versicherten, die in der ersten Impfwelle zum Zuge kommen sollen.
Das geht aus dem Verordnungsentwurf hervor, der der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin vorliegt. Die Kassen wählen die zuerst zu impfenden Menschen aufgrund der Diagnosen aus, die die Ärzte ihnen mit den Abrechnungsdaten übermitteln. Erfasst werden sollen laut Entwurf in einer ersten Impfwelle Patienten mit chronischen Krankheiten der Atmungsorgane, chronischen Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenkrankheiten, Diabetes und anderen Stoffwechselkrankheiten, schwerer Fettleibigkeit, Multipler Sklerose mit durch Infektionen ausgelösten Schüben, angeborenen oder erworbenen Immundefekten und HIV-Infektion sowie Schwangere.
Auch die Beschäftigten in Krankenhäusern, Praxen, Pflege- und Reha-Einrichtungen, Krankentransportunternehmen und Gesundheitsämtern werden geimpft, ebenso Polizisten und Feuerwehrleute.
Die erste Impfwelle für 22,5 Millionen Menschen kostet die gesetzlichen Kassen rund 0,6 Milliarden Euro, wie die «Bild»-Zeitung zuerst berichtete. Der Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums, Klaus Vater, sagte in Berlin: «Die Fachleute schätzen, dass die gesamte Impfaktion bezogen auf die gesamte Bevölkerung um die zwei Milliarden Euro kosten wird.» Es handelt sich um die größte Impfaktion der Bevölkerung seit fast 50 Jahren an. Die Impfungen sind freiwillig.




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