DEUTSCHLAND/WELT
21.07.2009

21.07.2009 | Nachterstedt (dpa)
Nachterstedt-Siedlung muss wohl aufgegeben werden
Wegen der Gefahr weiterer Erdrutsche kann das Unglücksgebiet in Nachterstedt (Sachsen-Anhalt) vermutlich nie mehr bewohnt werden. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass die Menschen, die in der Nähe der Abbruchkante wohnten, in die acht evakuierten Häuser zurück könnte.
Das sagte Gerhard Jost von der Bergbaubehörde des Landes Sachsen-Anhalt am Dienstag in Nachterstedt. Es werde wohl Monate dauern, bis das Gebiet am Concordia-See zur Ruhe gekommen sei. «Es sind leichte, neue Risse aufgetreten, bis 30 Meter hinter der Bruchkante», sagte Jost. Für die 41 Bewohner, die nach dem Erdrutsch am Samstag in Sicherheit gebracht wurden, wurde unterdessen ein Kontaktbüro eröffnet, in der sie sich wegen Schadenersatzansprüchen melden können.
Immer wieder müsse in den kommenden Tagen mit Abbrüchen gerechnet werden, sagte Jost. «Die Böschung wird flacher werden.» Nähere Hinweise zur Ursache des Unglücks, bei dem drei Menschen starben, gebe es nicht. «Es gibt eine Vielzahl von Spekulationen, aber es sind eben Spekulationen.» Möglich ist, dass das Unglück mit dem früheren Braunkohle-Tagebau zusammenhängt. Spekuliert wird auch darüber, dass eine unterirdische Wasserblase eine Flutwelle ausgelöst haben könnte, die die Böschung zum Einsturz brachte.

Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), die für die Flutung des Tagebausees zuständig ist, bekräftigte am Dienstag, dass es schnelle und unbürokratische Hilfe für die Bevölkerung geben werde. Im Rathaus seien erste Bargeldbeträge an die Betroffenen ausgezahlt worden, sagte Mathias Siebert von der LMBV. Über die Höhe der Beträge, mit denen sich die Menschen das Nötigste kaufen sollen, hätten LMBV und Betroffene Stillschweigen vereinbart.
Mit Hilfe des Kontaktbüros sollen die in Sicherheit gebrachten Menschen, die bei Bekannten und in Ferienwohnungen untergekommen sind, schnell wieder eine langfristige Bleibe bekommen. «An vorderster Stelle steht die Wohnungsfrage», sagte der Landrat des Salzlandkreises, Ulrich Gerstner (SPD). «Wir haben ein größeres Angebot an leeren Wohnungen. Die Betroffenen haben eine große Auswahl.»
Bei dem Unglück kamen drei Menschen im Alter von 48, 50 und 51 Jahren, die mit ihrem Haus in die Tiefe gerissen wurden, ums Leben. Auch die Hälfte eines Mehrfamilienhauses rutschte mit rund zwei Millionen Kubikmetern Erdmassen weg. Am Montag waren die Versuche zur Bergung der Verschütteten eingestellt worden. Der See soll bis auf weiteres gesperrt bleiben, weil im Falle neuer Erdrutsche Flutwellen befürchtet werden.
Unterdessen wird im Rheinland der Ruf nach Konsequenzen aus dem Erdrutsch in Nachterstedt lauter. Die Ursachen des Unglücks müssten in die Planungen für den Tagebausee Garzweiler einfließen, sagte der Bürgermeister der Stadt Erkelenz, Peter Jansen (CDU), der Deutschen Presse-Agentur. Das hatte vorher auch schon die Stadt Düren gefordert. Erkelenz gehört zu den Tagebaugegnern. Sie verliert durch Garzweiler ein Drittel ihres Stadtgebietes. Die Flutung des im Rheinland größten Restsees werde 2045 beginnen und bis zu 60 Jahre dauern.




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