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DEUTSCHLAND/WELT

 

26.07.2009

27.07.2009 | Frankfurt/Main (dpa)

Entscheidung bei Kita-Verhandlungen erwartet

 

Im Kita-Tarifstreit steht nach monatelangen Verhandlungen und Streiks eine Einigung unmittelbar bevor. «Wir sind dabei, ein Arbeitgeberangebot abzustimmen», sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, nach nächtlichen Verhandlungen in Frankfurt.

 

Er bewertete die Einigungschancen mit «über 95 Prozent». Details des Angebots wurden zunächst nicht bekannt.

 

Auch der Verhandlungsführer der kommunalen Arbeitgeber, Thomas Böhle, zeigte sich optimistisch: «Ich glaube, dass wir das hinbringen.» Man sei «in den letzten Zügen», sagte Böhle. «Wir haben uns, meine ich, zusammenraufen können.»

 

Im Laufe des Vormittags sollen die Gremien von Arbeitgebern und Gewerkschaften über das Angebot für die rund 220 000 Beschäftigten an kommunalen Kindergärten und Sozialeinrichtungen diskutieren und entscheiden. Das Ergebnis der erwarteten Einigung wollen beide Seiten um 14.00 Uhr vorstellen.

 


25.07.2009 | Berlin (dpa)

Hintergrund: Die Knackpunkte im Kita-Konflikt

 

Beim Tarifkonflikt an kommunalen Kindertagesstätten geht es hauptsächlich um zwei Streitthemen: einen besseren Gesundheitsschutz und deutliche Einkommenserhöhungen im Sozial- und Erziehungsdienst.

 

Die Knackpunkte der Verhandlungen:

 

GESUNDHEITSSCHUTZ: Die Gewerkschaften ver.di und GEW fordern wegen der gestiegenen Belastungen einen besseren Gesundheitsschutz für Erzieherinnen. Dabei geht es etwa um Lärmschutz, Rücken schonendes Mobiliar oder kleinere Gruppen. Die Gewerkschaften wollen einen Anspruch der Beschäftigten durchsetzen, dass jährlich die Gefährdung an ihrem Arbeitsplatz ermittelt wird. Wenn im Betrieb keine Einigung über die notwendigen Verbesserungen erreicht wird, soll eine Kommission zur Klärung eingesetzt werden. Die Arbeitgeber haben arbeitsplatzbezogene Gefährdungsanalysen und die Möglichkeit betrieblicher Kommissionen angeboten. Den Gewerkschaften gehen diese Kann-Bestimmungen nicht weit genug.

 

BEZAHLUNG: Seit 1991 ist die Eingruppierung in sozialen Berufen und im Erziehungsdienst unverändert. Bei den Städten und Gemeinden angestellte Erzieherinnen verdienen derzeit in der Regel zwischen 2130 Euro und 2475 Euro brutto in Vollzeit. Die Gewerkschaften fordern eine völlig neue Entgeltordnung, in der Erzieherinnen in die Gruppe 9 oder 10 kommen statt wie bisher in die Gruppen 6 bis 8. Dies macht laut ver.di je nach Gehaltsstufe 200 bis 1000 Euro mehr aus. Damit soll der Beruf attraktiver werden. Die Arbeitgeber haben eine höhere Eingruppierung von neu eingestellten Erzieherinnen angeboten, was zu einer Entgeltsteigerung von bis zu 220 Euro monatlich führen kann.

 


25.07.2009 | Hamburg (dpa)

Hintergrund: Kinderbetreuung in Deutschland

 

In Deutschland werden rund 320 000 Kinder unter drei Jahren betreut. Zu den 250 000 Plätzen in Kindertagesstätten kommt die Betreuung durch Tagesmütter oder andere Einrichtungen.

Im Jahr 2007 lag die Betreuungsquote bundesweit bei 15,5 Prozent - allerdings bei einem deutlichen Ost-West-Gefälle.

Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg brachten es 2007 auf 52,7, 44,9 beziehungsweise 44,8 Prozent. Schlusslichter im Ländervergleich waren Niedersachsen mit 9,2 und Nordrhein-Westfalen mit 9,4 Prozent. In einigen westdeutschen Kommunen wird sogar nur für 5 Prozent der Kleinkinder ein Platz angeboten.

Im vergangenen Jahr konnte die Betreuungsquote nach Angaben des Bundesfamilienministeriums auf 18 Prozent erhöht werden. Die alten Bundesländer holten etwas auf und schufen in diesem Zeitraum knapp 30 000 zusätzliche Plätze.

Die Kosten für einen Krippen-Platz sind in der Regel nach dem Einkommen der Eltern gestaffelt. Diese variieren stark zwischen den Kommunen und können im Einzelfall 2500 Euro und mehr pro Jahr betragen. Die Stadt Heilbronn verzichtet dagegen seit Januar 2008 komplett auf das Kassieren von Kita-Gebühren. In anderen Orten werden Geringverdiener davon befreit oder bekommen zumindest einen Rabatt.

Das am 16. Dezember 2008 in Kraft getretene Kinderförderungsgesetz (KiföG) brachte den bisher umfangreichsten Ausbau der Kinderbetreuung in Deutschland auf den Weg. Bis 2013 soll es im Bundesdurchschnitt für jedes dritte Kind unter drei Jahren einen Betreuungsplatz geben.

Zudem erwirbt in diesem Jahr jedes Kind mit seinem ersten Geburtstag einen Rechtsanspruch auf Förderung in einer Kita oder bei einer Tagesmutter. Um dieses Ziel zu erreichen, muss das Angebot auf 750 000 Platze erhöht werden. Bund, Länder und Kommunen geben dafür zusammen zwölf Milliarden Euro aus.

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