DEUTSCHLAND/WELT
27.07.2009

27.07.2009 | Nürnberg (dpa)
Bundesbürger trotz Krise weiter in Kauflaune
Stabile Preise und die Aussicht auf ein Ende der wirtschaftlichen Talfahrt haben die Verbraucherstimmung in Deutschland weiter aufgehellt. Vor allem die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen habe im Juli deutlich zugelegt.
Dies, berichtete die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in ihrer neuesten Konsumklimastudie. Zudem rechneten die Verbraucher mit einem höherem Einkommen als in den Vormonaten und seien auch in Sachen Konjunktur optimistischer. Im langfristigen Vergleich bewege sich die Konsumlaune der Verbraucher aber immer noch auf relativ niedrigem Niveau, gab der GfK-Marktforscher Rolf Bürkl zu bedenken.
Bürkl führt die aktuell gute Verbraucherstimmung auch auf die niedrige Inflationsrate zurück, die für stabile Preise sorge. «Die Inflation schwindet und den Verbrauchern bleibt mehr Geld im Portemonnaie», betonte er. Bislang zeigten sich die Verbraucher - wie schon den in den Vormonaten - erstaunlich unbeeindruckt von der Krise. Entsprechend stieg der Konsumklima-Index für August auf 3,5 Punkte - nach 3,0 Punkten im Juli. Der aus drei Faktoren gebildete Indikator für die Verbraucherstimmung kletterte damit auf das höchste Niveau seit einem Jahr.

«Neben den günstigen Preisen spielt auch die Tatsache eine wichtige Rolle, dass der Arbeitsmarkt bislang noch nicht eingebrochen ist», heißt es in der GfK-Studie. Allerdings dürfte der Härtetest für das Konsumklima noch bevorstehen, sollten die Arbeitslosenzahlen im Spätherbst stärker steigen. Dann könnten nicht nur die niedrigen Einkommen der vielen Arbeitslosen, sondern auch die Angst der übrigen Bevölkerung vor Arbeitslosigkeit das Konsumklima trüben, fürchten die Konsumforscher. «Denn wer um seine Stellen bangen muss, der hält sein Geld eher zusammen als in wirtschaftlich stabileren Zeiten», erläuterte Bürkl.
Die für den Herbst befürchtete Eintrübung des Konsumklimas könnte nach Einschätzung von Konsumforschern dem Handel das Weihnachtsgeschäft verhageln. «In erster Linie wären davon Branchen betroffen, die vom Weihnachtsgeschäft besonders abhängig sind», berichtete Marktforscher Bürkl. Dazu gehörten neben Schmuck- auch Spielwarengeschäfte, aber auch andere Branchen, die ihr Hauptgeschäft am Jahresende machten, sagte er in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Viel werde in den kommenden Monaten davon abhängen, wie die Firmen auf die ersten Anzeichen einer wirtschaftlichen Belebung reagierten - «ob sie nach monatelanger Kurzarbeit zum Instrument der Entlassung greifen oder zumindest einen Teil der Entlassungen verschieben», betont der Konsumforscher. Denn viele Unternehmen hätten Entlassungspläne in den Schubladen, beobachteten allerdings, wie sich die Wirtschaft entwickelt. Anlass zu Hoffnung gebe der jüngste ifo- Geschäftsklimaindex, der deutlich auf ein Ende der wirtschaftlichen Talfahrt hinweise.
Bislang überwiege bei den Verbrauchern der Optimismus, wie die von der GfK abgefragte Konjunkturerwartung zeige. Mit einem Wert von minus 14 Punkten sei dieser Indikator zum vierten Mal in Folge gestiegen und liege nur noch 6 Zähler unter seinem entsprechenden Vorjahreswert. «Offenbar gehen die Verbraucher davon aus, dass die steile Talfahrt der Konjunktur zum Stillstand gekommen ist», urteilen die Konsumforscher. Der Konsumklima-Index basiert auf monatlich rund 2000 Verbraucherinterviews.
Im Windschatten positiver Konjunkturmeldungen rechnen viele Haushalte auch weiterhin mit steigenden Einkommen. Der entsprechende Indikator kletterte nach GfK-Angaben um gut 5 Zähler auf einen Wert von 1,8. Damit liege dieser Wert erstmals seit April wieder im positiven Bereich. Neben der geringen Inflation dürfte auch die Rentenerhöhung zum 1. Juli die Stimmung verbessert haben.
Entsprechend stark stieg die Bereitschaft der Bundesbürger zu größeren Anschaffungen - nämlich um 10,6 Zähler auf 25,1 Punkte. Damit liegt der Indikator für die Anschaffungsneigung um gut 51 Punkte über dem Vorjahresniveau, als er zweistellig im Minus stand. Gefragt seien bei Verbrauchern neben Unterhaltungselektronik auch Haushaltsgeräte. In beiden Segmenten habe der Handel nach GfK- Untersuchungen starke Zuwächse zu verzeichnen gehabt. Zudem sitze bei vielen Haushalten auch wegen der niedrigen Sparzinsen das Geld lockerer als in früheren Perioden. Sparen stehe wegen der Finanzkrise und des geringen Zinsniveaus derzeit nicht sehr hoch im Kurs, betonte die GfK.




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