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DEUTSCHLAND/WELT

 

27.07.2009

500 NEUE FÄLLE PRO TAG   |   IMPFUNG   |   INFOS & TIPPS   |   FRAGEN & ANTWORTEN FÜR BERLIN

28.07.2009 | Hamburg (dpa)

Schweinegrippe-Impfung: Streit um Kosten

 

Der Verband der Ersatzkassen (VDEK) in Deutschland schließt Zusatzbeiträge seiner Mitglieder zur Finanzierung der Schweinegrippe-Impfung nicht aus. Die Kosten für die Impfung seien nicht im Gesundheitsfonds einkalkuliert.

 

«Dadurch entsteht das Risiko für die Krankenkassen, Zusatzbeiträge erheben zu müssen», sagte Matthias Jakob, Sprecher der Landesvertretung Sachsen der Techniker Krankenkasse (TK) der «Leipziger Volkszeitung» (Dienstag). Kosten in Höhe von 600 Millionen Euro seien nicht eben mal so aus der Portokasse zu begleichen», sagte Rolf Steinbronn, Chef der AOK Plus, dem Blatt. Eine Summe dieser Größenordnung bringe die Kalkulation des Gesundheitsfonds ins Rutschen.

 

«Grundsätzlich ist der Umgang mit einer Pandemie Angelegenheit der öffentlichen Gesundheitsdienste», erklärte eine VDEK-Sprecherin. Der Verband mahnte eine Verständigung darüber an, wie die Ausgaben für Schutzimpfung zum Beispiel mit Steuermitteln ausgeglichen werden könnten. Im VDEK sind die acht Ersatzkassen (zum Beispiel Barmer und DAK) organisiert, die in Deutschland mehr als 24 Millionen Menschen versichern.

 

Die erste Impfwelle für 22,5 Millionen Menschen in der Bundesrepublik soll im Herbst starten und bis zu 2 Milliarden Euro kosten. Das Bundesgesundheitsministerium bereitet eine Verordnung vor, nach der die gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet werden, die Kosten für die Impfung zu übernehmen. Die gesetzlichen Krankenkassen hatten sich grundsätzlich zur Übernahme der Kosten bereiterklärt - allerdings wollen die Kassen lediglich den Impfstoff bezahlen, nicht aber dessen Verteilung und Lagerung.

 


27.07.2009 | Berlin (dpa)

Rund 500 neue Fälle von Schweinegrippe pro Tag

Mehrere hundert Deutsche erkranken täglich neu an Schweinegrippe. Allein von Donnerstag auf Freitag sei die Zahl der registrierten Fälle um 500 auf rund 3400 hochgeschnellt, sagte der Vizepräsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, am Montag in Berlin. Bis Freitag habe es innerhalb von drei Tagen damit 1500 neue Fälle gegeben. Ein Viertel der Patienten habe sich in Deutschland angesteckt. «Ein Großteil der Fälle geht zurück auf Reiserückkehrer aus Spanien», ergänzte Burger. Am stärksten betroffen seien Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. «Die Pandemie ist in der Tat angekommen, das neue Virus hat sich innerhalb von zwei Monaten über die ganze Welt verbreitet, so schnell ging das noch nie.»

In den USA sei mittlerweile die Rede von mehr als einer Million Fälle. «Die offiziellen Zahlen sind deutlich geringer», sagte Burger, die Dunkelziffer jedoch sehr groß. Auch in Großbritannien habe sich die Zahl innerhalb von einer Woche auf rund 100 000 Fälle verdoppelt. In mehr als 160 Ländern habe sich das Virus verbreitet. Die Zahl der Todesfälle liege bei knapp 1000.

Das Institut sehe die Entwicklung «mit Sorge» und rechne mit einer weiteren Steigerung der Krankheitsfälle, weil immer mehr Menschen aus dem Urlaub zurückkämen. Es sei jedoch noch keine seriöse Aussage zu treffen, wie sich die Situation weiter entwickelt. Einig seien sich die Experten nur, dass es zum Winter hin mehr Fälle geben werde.

«Derzeit ist vor allem die Südhalbkugel betroffen, denn dort ist gerade Winter, also die eigentliche Influenzazeit.» Dort habe das H1N1-Virus das normale Influenzavirus weitgehend verdrängt. «Unklar ist, ob das auch in Deutschland der Fall sein wird», sagte der Experte. Mit einer normalen Grippe-Impfung könne man sich «eindeutig nicht» gegen das Schweinegrippen-Virus schützen, sagte Burger.

Weltweit gebe es eine Hand voll Fälle, in denen das Virus Resistenzen gegen das Grippemittel Tamiflu entwickelt hat. In Deutschland habe es solche Fälle bislang nicht gegeben. Bisher gebe es auch noch keinen Anlass, Massenveranstaltungen wie die Leichtathletik-WM in Berlin abzusagen. Schulschließungen wie in Mannheim könnten jedoch im Einzelfall nötig sein.

Burger warnte ausdrücklich vor sogenannten Grippe-Partys, bei denen sich insbesondere Jugendliche treffen, um sich gezielt mit dem Schweinegrippen-Virus anzustecken. Sie erhoffen sich dadurch Immunität oder einen milderen Verlauf, falls das Virus im Herbst gefährlicher wird. «Solche Partys sind keine gute Idee. Es spricht alles dagegen, dass die jetzt eher milde Verlaufsform eine Immunität
hinterlässt für das Virus, wenn es sich vielleicht verändert und besser an den Menschen angepasst hat», sagte Burger. Außerdem bestehe bei jeder Ansteckung immer auch das Risiko eines schweren Verlaufs.

Bislang gebe es noch keine großflächige Ausbreitung in Deutschland. Auch verliefen die Erkrankungen eher mild. «Sorge muss uns aber bereiten, dass die Zahl der Fälle im Sommer steigt, obwohl der Winter die normale Grippezeit ist. Auch die Zahl der schweren Fälle wird steigen», sagte Burger. Bisher habe es in Deutschland nur wenige schwere Krankheitsverläufe gegeben.

Urlaubern riet Burger nur indirekt von Reisen ab. «Das Virus ist überall, das muss den Reisenden bewusst sein.» Letztlich hänge es von jedem Reisenden ab, wie er sich verhält und in dem Land bewegt.

 

www.berlin.de/sen/verbraucherschutz/index.html

www.wir-gegen-viren.de

www.rki.de/influenza

 

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