DEUTSCHLAND/WELT
29.07.2009

29.07.2009 | Stuttgart (dpa)
Daimler sieht trotz tiefroter Zahlen Trendwende
Daimler sieht trotz tiefroter Zahlen Signale für ein Ende der Talfahrt. Der Autobauer fuhr im zweiten Quartal zwar erneut einen Milliardenverlust ein und rechnet auch für das Gesamtjahr mit anhaltend heftigen Bremsspuren.
Vorstandschef Dieter Zetsche äußerte sich am Mittwoch dennoch vorsichtig optimistisch für die nächsten Monate. Es gebe Anzeichen für eine Trendwende, sagte der Manager. Das Autogeschäft ziehe an und die Sparprogramme zeigten Wirkung. «Wir kämpfen uns zurück.»
Im zweiten Quartal war das Ergebnis unter dem Strich bei den Stuttgartern von plus 1,4 Milliarden auf minus 1,06 Milliarden Euro abgestürzt. Das operative Ergebnis ging noch stärker von plus 2,05 Milliarden Euro im Vorjahr auf einen Fehlbetrag von 1,0 Milliarden Euro zurück. Der Umsatz lag bei 19,6 Milliarden nach 26 Milliarden Euro im zweiten Quartal 2008. Der Absatz reduzierte sich um fast ein Drittel auf 391 540 Fahrzeuge. Die Mitarbeiterzahl ging weltweit von 275 000 auf 257 400 zurück, in Deutschland schrumpfte sie von 168 300 im Vorjahr auf 162 800.
Zetsche machte vor allem die anhaltende Absatzschwäche in der gesamten Fahrzeugflotte für die rasante Talfahrt verantwortlich. Belastungen für die endgültige Abwicklung der Autoehe mit dem defizitären US-Autobauer Chrysler sowie der Neuordnung des Lkw-Geschäftes in Nordamerika sorgten zudem für einen negativen Kostenblock von 604 Millionen Euro bei dem DAX-Konzern.
Für das Gesamtjahr kalkuliert der Vorstandschef weiter mit einem deutlichen Umsatz- und Absatzrückgang. Angaben zum erwarteten Ergebnis machte der Manager nicht. Daimler hatte aber bereits angekündigt, die Gewinnziele von 2008 wegen der weltweiten Autokrise nicht zu erreichen.
Zetsche sagte, die Verringerung der Verluste im Vergleich zum Start ins Jahr 2009 zeige aber, dass die umfangreichen Sparmaßnahmen bei dem Autobauer mittlerweile griffen. Im Pkw-Geschäft, das im zweiten Quartal einen EBIT-Absturz von plus 1,2 Milliarden auf einen Fehlbetrag von 340 Millionen Euro verbuchen musste, werde eine deutliche Belebung im zweiten Halbjahr erwartet. Der Manager hält nach eigenen Angaben sogar wieder einen positiven operativen Ergebnisbeitrag von Mercedes-Benz Cars für möglich.
Wegen der erheblich reduzierten Produktionsumfänge geht Daimler von einem Personalabbau im Konzern aus. Zetsche sagte jedoch, dass kein größeres Stellenabbauprogramm geplant sei. Als Reaktion auf die Talfahrt hatte sich der Autobauer zum Start ins Jahr 2009 bereits einen strikten Sparkurs verordnet, der etwa Arbeitszeitverkürzungen mit Lohneinbußen sowie Kurzarbeit für die Mitarbeiter zur Folge hat. Um vier Milliarden Euro will Daimler die Kosten drücken. Im ersten Halbjahr seien bereits 1,9 Milliarden verbucht worden. Die Hälfte des Einsparvolumens soll über den Personalbereich realisiert werden.
Die massiven Bremsspuren wegen der weltweiten Absatzkrise hatten bei dem Premiumhersteller bereits zum Start ins Jahr 2009 eingesetzt. Im ersten Quartal lag der Netto-Verlust bei 1,3 Milliarden und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) bei minus 1,4 Milliarden Euro. 332 300 Pkw und Nutzfahrzeuge konnten die Stuttgarter in den ersten drei Monaten des Jahres absetzen. Der Umsatz lag bei 18,7 Milliarden Euro.
Die Börse reagierte mit einem Kurssprung von zeitweise über fünf Prozent auf 31,625 Euro auf die Zahlen und den Zetsche-Ausblick. «Nach den insgesamt besser als erwartet ausgefallen Zahlen reagiert der Markt zunächst einmal erleichtert», erklärte ein Händler die Entwicklung. Die positiven Aussichten für das Pkw-Geschäft hätten ebenfalls zu Rückenwind an der Börse geführt.




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