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DEUTSCHLAND/WELT

 

02.08.2009

03.08.2009 | Eilenburg (dpa)

Ermittlungen im Mordfall Corinna gehen weiter

 

Nach Ergreifung des mutmaßlichen Mörders der kleinen Corinna aus dem sächsischen Eilenburg gehen die Ermittlungen weiter. So sollen am Tatort Spuren gesichert werden. Ziel ist es, den Täter zweifelsfrei zu überführen.

Am Samstagabend war ein 39 Jahre alter Mann festgenommen worden. In einer ersten Vernehmung hatte er das Verbrechen gestanden. Dennoch müssen die Ermittler alle Spuren so aufbereiten, dass sie auch vor Gericht verwertbar sind. Gegen den Verdächtigen erging Haftbefehl. Ihm wird unter anderem Mord und Vergewaltigung mit Todesfolge vorgeworfen.

Die Nachricht von seiner Festnahme sorgte nicht nur in Eilenburg für Erleichterung. Die neunjährige Corinna war am vergangenen Dienstag vom Spielplatz nicht nach Hause zurückgekehrt. Am Tag darauf wurde ihre in einem Sack versteckte Leiche in einem Nebenarm des Flusses Mulde gefunden. Nach Aussagen der Polizei liegt der Tatort unweit entfernt. Einzelheiten wurden nicht mitgeteilt. Die Beamten kamen dem Mann nach Hinweisen aus der Bevölkerung auf die Spur. Unter 164 Hinweisen hatten 4 konkret den 39-Jährigen betroffen.

Der Beschuldigte stammt aus Eilenburg und ist wegen diverser Straftaten, darunter Verkehrsdelikten und Brandstiftung, vorbestraft. Nach Aussagen der Polizei trat er bisher aber weder mit Sexualstraftaten noch Gewaltdelikten in Erscheinung. Zuletzt wurde er im Juli 2008 nach Verbüßung einer Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen. Die Sonderkommission «Corinna» arbeite mit Hochdruck weiter, hieß es. Auch die Auswertung der gerichtsmedizinischen Untersuchungen würden noch andauern.

 

Corinnas Familie bat über ihre Anwältin die Medien darum, in Ruhe gelassen zu werden. Die Beerdigung des Mädchens ist im engsten Familienkreis geplant. Das Datum ist unbekannt. Der Tod des Kindes löste in der Öffentlichkeit viel Anteilnahme aus. Am Samstagabend hatten sich in einer Kirche in Eilenburg Hunderte Menschen zu einer Andacht für Corinna versammelt. Ihr gewaltsamer Tod rief Erinnerungen an die kleine Michelle (8) wach, die vor einem Jahr in Leipzig ebenfalls Opfer eines Sexualverbrechers wurde.

02.08.2009 | Eilenburg (dpa)

Mörder der kleinen Corinna gefasst

Der mutmaßliche Mörder der neunjährigen Corinna aus dem sächsischen Eilenburg ist gefasst und hat die Tat gestanden. Das gab Sachsens Landespolizeidirektor Bernd Merbitz am Sonntag bekannt. Der 39 Jahre alte Tatverdächtige wurde am Samstagabend gegen 23 Uhr festgenommen.

Inzwischen ist er in Untersuchungshaft. Ihm wird Mord, sexueller Missbrauch von Kindern mit Todesfolge und Vergewaltigung mit Todesfolge vorgeworfen. «Wir sind der Überzeugung: Was er gesagt hat, das kann nur er wissen», sagte Merbitz.

Corinna war am vergangenen Dienstag vom Spielplatz nicht nach Hause zurückgekehrt. Am Tag darauf wurde ihre in einem Sack versteckte Leiche in einem Nebenarm des Flusses Mulde gefunden. Nach Aussagen von Merbitz liegt der Tatort in der Nähe des Fundortes der Leiche. Der 39-Jährige habe etwa einen Kilometer von Corinnas Elternhaus entfernt gewohnt. Bei seiner Festnahme sei er betrunken gewesen, teilte der Leiter der Polizeidirektion Westsachsen, Jürgen Georgie mit.

Laut Georgie brachten Hinweise aus der Bevölkerung die Beamten auf die Spur des Mannes. Ein Zeuge habe ihn in Begleitung eines Mädchens gesehen, auf das die von der Polizei herausgegebene Beschreibung von Corinna passte, berichtete Georgie. Ein weiterer Hinweis lautete, der Mann habe sich zu einer ungewöhnlichen Zeit ungewöhnlich verhalten. Darüber hinaus sei der 39-Jährige von einem weiteren Zeugen in nasser und verschmutzter Kleidung gesehen worden.

 

Details der Tat wurden nicht mitgeteilt. «Wir waren diesmal so schnell mit der Ermittlung des Täters, dass wir uns noch am Beginn der Spurenauswertung befinden», sagte Merbitz. Außerdem wollen die Ermittler keine Einzelheiten zur Tat bekanntgeben, um die weiteren Ermittlungen nicht zu gefährden.

Der Leitende Oberstaatsanwalt Hans Strobl (Leipzig) ging davon aus, dass der Fall bis ins Letzte hinein aufgeklärt werden kann. Die Festnahme des Mannes sei ein wesentliches Ergebnis, aber nicht das Wichtigste. «Mein Hauptergebnis ist eine Gerichtsverhandlung, die zur Verurteilung führt und zur Verhängung der gerechten Strafe für diesen Täter.» Deshalb könne man noch nichts zu Einzelheiten sagten.

Nach Aussagen von Strobl handelt es sich bei dem Festgenommenen um keinen Rückfalltäter. Er sei vorbestraft, aber nicht wegen sexueller Straftaten, sondern anderer Delikte wie Brandstiftung. Der Mann ist geschieden und arbeitslos. Unklar blieb zunächst, ob er selbst Vater eines Kindes ist.

Die Familie von Corinna habe die Nachricht von der schnellen Ergreifung des Täters mit Erleichterung aufgenommen, sagte die Anwältin der Familie, Ina Alexandra Tust. Sie und auch Merbitz baten die Medien darum, sie in Ruhe zu lassen. «Die Familie braucht jetzt Ruhe, sie braucht Zeit zum Trauern», sagte Tust.Georgie bedankte sich auch für die Hilfe aus der Bevölkerung. Am Ende seien 164 Hinweise zu der Straftat eingegangen. Vier dieser Hinweise hätten auf eine Person hingedeutet. Allerdings habe es nicht die klassische Aussage gegeben: «Das ist der Täter.» Bei dem 39-Jährigen hätten die Beamten weitere Verdachtsmomente ermitteln können.

Zugleich stellte der westsächsische Polizeichef klar, dass die Spurensuche nicht abgeschlossen ist. Georgie: «Wir befinden uns jetzt in der Phase der Tatortarbeit, und wir werden sie auch in den nächsten Stunden nicht abschließen können.» Das Gelände bleibe weiträumig abgesperrt. Die Polizei sucht beispielsweise noch immer nach verschwundenen Kleidungsstücken des Kindes.

Der Mord an Corinna hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Der Fall rief Erinnerungen an die kleine Michelle (8) wach, die vor einem Jahr in Leipzig ebenfalls Opfer eines Sexualverbrechers wurde. Nach ihrem Mörder fahndete die Polizei ein halbes Jahr lang. Mit der Ergreifung des Täters in Eilenburg gelang der Polizei nun ein schneller Erfolg. Im Fall Corinna waren zuletzt 122 Polizisten rund um die Uhr im Einsatz.

Die Beerdigung von Corinna soll unter Ausschluss der Öffentlichkeit und nur im engsten Familienkreis erfolgen. Ein Zeitpunkt ist nicht bekannt.


 

Chronologie: Der Mordfall Corinna

 

Vier Tage nach dem Verschwinden der kleinen Corinna aus dem sächsischen Eilenburg hat die Polizei den mutmaßlichen Mörder gefasst. dpa dokumentiert den Fall: 28. Juli: Die Familie meldet Corinna gegen 19.45 Uhr bei der Polizei als vermisst.

29. Juli: Suchtrupps finden gegen 14.30 Uhr die tote Neunjährige in einem Sack im Mühlgraben, einem Nebenarm des Flusses Mulde.

30. Juli: Polizei und Staatsanwaltschaft teilen mit, dass sie wegen Vergewaltigung und Mord gegen einen unbekannten Täter ermittelt.

30. Juli: Die Ermittler durchsuchen Müllcontainer in Eilenburg, befragen Nachbarn.

1. August: Gegen 23.00 Uhr nehmen die Ermittler einen Verdächtigen fest. Er war nach Angaben der Polizei betrunken.

2. August: Polizei und Staatsanwaltschaft teilen mit, dass der 39-jährige Mann ein Geständnis abgelegt hat. Er ist nicht einschlägig vorbestraft, aber als Brandstifter bekannt. Es wird Haftbefehl erlassen.

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