DEUTSCHLAND/WELT
18.08.2009

19.08.2009 | Schwalmtal (dpa)
Rentner gesteht Blutbad von Schwalmtal
Ein als psychisch auffällig und aggressiv bekannter Rentner hat das Blutbad von Schwalmtal gestanden. Hintergrund sei der Streit um das zur Zwangsversteigerung anstehende Haus seiner Tochter und deren Ex-Ehemannes gewesen.
Der 71-Jährige hatte am Dienstagnachmittag zwei Rechtsanwälte im Alter von 70 und 38 Jahren sowie einen Gutachter (48) erschossen, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch in Düsseldorf. Ein zweiter Gutachter (50) konnte sich von zwei Kugeln getroffen aus dem Haus retten. Der Bluttat waren jahrelange Scheidungsquerelen der Tochter des Rentners und ein Streit um das Haus vorangegangen.
Gegen den 71-Jährigen, der aus unmittelbarer Nähe zehn Schüsse auf seine Opfer abfeuerte, erließ ein Richter in Mönchengladbach am Mittwoch Haftbefehl wegen dreifachen Mordes und Mordversuchs. Derzeit gilt der 71-Jährige allerdings als verhandlungsunfähig.
Dem Rentner hatte die Zwangsversteigerung des Hauses seiner Tochter und seines Ex-Schwiegersohnes zu lange gedauert. Er habe «ein Zeichen setzen wollen, dass man so mit ihm und seiner Verwandtschaft nicht umgehen kann», berichteten die Ermittler. Er habe die Personen bestrafen wollen, die aus seiner Sicht für das langwierige Verfahren verantwortlich seien. Der Rentner habe ein «sehr deutliches Weltbild über das, was für ihn Recht und Ordnung ist». Er sei nicht Miteigentümer des Hauses, habe es aber mit großem Einsatz für seine Tochter und deren Familie renoviert und umgebaut.

Der Pistolenschütze war bereits als gewalttätig und psychisch auffällig bekannt. Weil er vor drei Jahren Verwandte mit einem Baseballschläger zusammengeschlagen haben soll, war er wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt worden. Zu einem Prozess kam es aber nicht, weil dem Rentner Verhandlungsunfähigkeit attestiert worden war.
Zu einem Termin, bei dem der Wert des Hauses geschätzt werden sollte, war der Senior schon am Tag vor der Tat mit einer Pistole und 100 Schuss Munition angereist. Bei dem Treffen am Dienstag habe er noch im engen Hausflur ohne Vorwarnung plötzlich das Feuer eröffnet und das Magazin seiner Waffe leer geschossen.
Um sicherzugehen, dass seine Opfer tatsächlich tot sind, habe er die Waffe nachgeladen und erneut drei Schüsse abgefeuert, berichtete Polizeidirektor Jürgen Schneider. Anschließend habe er die Pistole Kaliber Neun Millimeter im Dachgeschoss des Hauses versteckt und später mit einem weißen Hemd am Fenster des Hauses seine Aufgabe signalisiert.
Nachdem er anfänglich behauptet habe, spontan geschossen zu haben, habe er später eingeräumt, die Tat geplant zu haben. In seiner Vernehmung habe der Mann keine Reue gezeigt: «Er glaubt, damit ein Zeichen gesetzt zu haben.» «Mein Ex-Schwiegervater hat mir mehrfach mit Mord gedroht», zitiert die «Westdeutsche Zeitung» den Ex-Ehemann der Tochter des Täters.
Auch die 69-jährige Ehefrau des Rentners, sein Bruder und die Tochter (44) waren zur Tatzeit im Haus. Die Tochter hatte noch per Handy über einen Bekannten die Polizei alarmiert. Die Opfer seien nach derzeitiger Lage sofort tot gewesen.
Die Tochter und die Ehefrau des Rentners wurden als Beschuldigte vernommen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Frauen von dem Plan des Mannes gewusst haben. Nach der Bluttat war die Polizei am Dienstag zunächst von einem Amoklauf ausgegangen und hatte das Haus mit 200 Polizisten weiträumig abgeriegelt. Als sich der Rentner nach drei Stunden ergab, konnte er festgenommen werden. Im Haus stießen Spezialeinheiten dann auf zwei Leichen, nachdem ein Opfer bereits aus dem Flur vor das Haus gefallen und dort von Polizisten geborgen worden war.

19.08.2009 | Schwalmtal (dpa)
Zeitung: Schwalmtal-Täter als gewalttätig bekannt
Der mutmaßliche Schütze der Bluttat von Schwalmtal (Nordrhein-Westfalen) soll als aggressiv und gewalttätig bekanntgewesen sein. Das berichtet die «Westdeutsche Zeitung» unter Berufung auf Angehörige des Rentners.
«Mein Ex-Schwiegervater hat mir mehrfach mit Mord gedroht», zitiert das Blatt den Mann, in dessen Haus sich die Bluttat abgespielt hatte. Am Dienstagnachmittag soll der 72-Jährige in der niederrheinischen Kleinstadt bei einem Gutachtertermin in dem Haus drei Menschen erschossen und einen schwer verletzt haben. Der Täter selbst ergab sich drei Stunden nach Beginn der Wahnsinnstat einem Spezialkommando der Polizei.
Der 44 Jahre alte Ex-Schwiegersohn vermute, dass die Tat ihm gegolten habe: «Wenn ich Barbara das Haus nicht lasse, sorgt er dafür, dass ich zwei Meter tiefer komme, hat er gesagt.» Möglicherweise ist der Miteigentümer des Hauses seiner Ermordung knapp entronnen: Er habe sich im letzten Moment von seinem Anwalt bei dem Termin vertreten lassen, bei dem der Wert des Hauses ermittelt werden sollte.

Die Zeitung zitiert auch einen Enkel des mutmaßlichen Todesschützen, der sagt, von seinem Großvater geschlagen worden zu sein. Im Jahr 2006 soll der heute 72-Jährige mit einem Baseballschläger eine Verwandte krankenhausreif geschlagen haben. Das Strafverfahren sei noch immer anhängig.
Unterdessen berichtete ein Sprecher des Kreises Viersen, dass der bei der Schießerei verletzte Mitarbeiter nach einer Operation außer Lebensgefahr sei. Zu seinem Kollegen gebe es aber keinen Kontakt. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass dieser unter den Toten sei.
Noch am Mittwoch sollte der mutmaßliche Täter dem Haftrichter vorgeführt werden. Hintergrund ist nach bislang unbestätigten Berichten ein Scheidungsstreit um das Haus. Die Polizei hat noch keine Angaben über die Identität der Toten und des Festgenommenen gemacht.

18.08.2009 | Schwalmtal (dpa)
Tote bei Amoklauf am Niederrhein
Ein Amokschütze hat am Dienstag in der niederrheinischen Kleinstadt Schwalmtal mehrere Menschen getötet und einen schwer verletzt. Der Täter selbst ergab sich drei Stunden nach dem Beginn der Wahnsinnstat einem Spezialkommando der Polizei. Über die Hintergründe der Schießerei wird noch gerätselt.
Bei dem Amokläufer handelt es sich ersten Angaben zufolge um einen Mann in einer Scheidungssituation. Ein Sprecher des Kreises Viersen, in dem Schwalmtal liegt, berichtete, dass zur Tatzeit zwei Gutachter der Behörde mit dem Täter in einem Haus waren, dessen Geldwert sie feststellen sollten. Einer der Gutachter habe die Bluttat verletzt überstanden, über das Schicksal des anderen wisse er nichts, sagte der Sprecher. In dem Haus wurden nach Polizeiangaben zwei Leichen gefunden, ein Toter lag vor dem Gebäude.

Am späten Nachmittag war die Polizei in der kleinen Stadt westlich von Mönchengladbach alarmiert worden, weil ein Unbekannter vor einem Haus Schüsse abgegeben und sich dann in dem Gebäude verschanzt hatte. Rund 200 Mitglieder einer Spezialeinheit waren schnell vor Ort und umstellten das Haus. Die Umgebung wurde weiträumig abgesperrt. Schnell wurde über eine Geiselnahme spekuliert, doch das dementierte die Polizei nach dem Ende des Einsatzes. Auch über ein Motiv des Täters vermochten die Beamten nichts zu sagen - dies müsse noch ermittelt werden, hieß es.
Nach dem Ende des Einsatzes verging eine Weile, bis die Polizei die Zahl der Toten bekannt gab. Über deren Identität wurde zunächst nichts bekannt. Ein Polizeisprecher sagte, es handele sich wohl um «Außenstehende», Polizisten seien nicht zu Schaden gekommen.
Der Täter wurde festgenommen. Nach Angaben eines Nachbarn, der den Einsatz beobachtete, wirkte der Mann betrunken. «Er brüllte bei seiner Festnahme immer "Hilfe"», sagte der Nachbar der dpa. Er hatte den Mann nach eigenen Angaben aus 50 Meter Entfernung vom Dachfenster aus gesehen.




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