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DEUTSCHLAND/WELT

 

02.09.2009

02.09.2009 | Eschborn (dpa)

Ansturm auf Abwrackprämie: Fördertopf ist leer

Nach einem rasanten Endspurt der Autokäufer sind die fünf Milliarden Euro für die Abwrackprämie aufgebraucht. Und das schneller als erwartet: Knapp acht Monate nach Einführung der staatlichen Prämie ist der Fördertopf leer, wie das zuständige Bundesamt für Ausfuhrkontrolle und Wirtschaft (Bafa) am Mittwoch mitteilte. Im August gab die Prämie dem deutschen Automarkt laut Kraftfahrt-Bundesamt noch einmal kräftigen Schub. Die deutsche Autoindustrie sieht sich derweil dank der weltweiten Konjunkturerholung und staatlicher Abwrackprämien auf dem Weg aus der Krise.

Für Autokäufer hat das Ende der Abwrackprämie auch etwas Gutes: Einer Studie zufolge schnellen die Rabatte für Neuwagen derzeit in die Höhe. Im August ermittelte das Car-Center der Universität Duisburg-Essen 344 Rabattaktionen der Hersteller - ein neuer Rekord. Im Schnitt bekamen Käufer ein Auto mit einem Nachlass von 20 Prozent auf den Listenpreis - zu Jahresbeginn hatte der Durchschnittsrabatt erst bei 16 Prozent gelegen. Dazu kam bislang die Abwrackprämie noch obendrauf.

«Die Talsohle haben wir nach den vorliegenden Zahlen durchschritten», sagte der Präsident des Verbandes der Autoindustrie (VDA), Matthias Wissmann. In den kommenden Monaten dürfte sich die Lage «Schritt für Schritt weiter verbessern.» Auch im August heizte die staatlichen Förderung den Absatz an. Die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland kletterte auf Jahressicht um 28 Prozent auf 275 000 Wagen. Seit Jahresbeginn wurden 2,675 Millionen Wagen verkauft - ein Plus von 27 Prozent. Im Juli hatte der Zuwachs bei den Neuzulassungen bei 30 Prozent gelegen, im Juni sogar bei 40 Prozent.

Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg profitierten Minis (plus 81 Prozent), Kleinwagen (plus 63 Prozent) und die Kompaktklasse (plus 46 Prozent) besonders von dem staatlichen Geschenk. Insgesamt lag der August mit 275 200 Neuzulassungen um 28 Prozent über dem gleichen Monat des Vorjahres. Unter den deutschen Herstellern ist VW im August mit fast 50 Prozent Absatzplus der große Gewinner vor Opel (plus 27 Prozent) und Ford (plus 13 Prozent).

Ursprünglich war das Ende der Prämie nach der Bundestagswahl erwartet worden. Von dem Programm haben knapp zwei Millionen Käufer vor allem kleinerer Autos profitiert. Die Summe von 2500 Euro erhielten Autokäufer, die einen mindestens neun Jahre alten Wagen verschrottet und einen neuen gekauft hatten.

Trotz immer wiederkehrender Forderungen lehnt die Bundesregierung eine Verlängerung der Aktion ab. Experten warnen vor einem Absatzeinbruch und Jobverlusten. «Wir können im Handel bis zu 6500 Betriebe verlieren», sagte Wolfgang Meinig vom Forschungsinstitut Automobilwirtschaft im ARD-Morgenmagazin. Das wären rund 90 000 Arbeitsplätze. Die Experten erwarten für 2010 einen massiven Absatzeinbruch, die Zahl der Neuzulassungen könnte um bis zu eine Million Fahrzeuge schrumpfen. Dann würde der Absatz auf rund 2,8 Millionen Autos sinken.

Im Januar hatte die Bundesregierung die Prämie im Kampf gegen die Rezession beschlossen. «Wir haben Milliarden Euro investiert, (...) das hat uns insgesamt nach vorn gebracht, aber alles Gute muss auch einmal ein Ende haben», sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dem Audiodienst der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Nach Einschätzung von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier und IG-Metall-Chef Berthold Huber hat sich die Prämie als Mittel gegen die Krise bewährt. Rund 200 000 Arbeitsplätze in Deutschland seien mit Hilfe der Abwrackprämie gehalten worden, sagte Steinmeier.

Das Bafa erklärte auf seiner Internet-Seite das Ende der Aktion. «Es stehen leider keine Mittel für die Umweltprämie mehr zur Verfügung. Das Online-Portal für die Reservierung ist geschlossen», war dort zu lesen. Punkt 10.14 Uhr sei der letzte noch mögliche Antrag eingegangen. Am Morgen hatten noch 4382 Prämien zur Verfügung gestanden. Für die Nachzügler bleibt nur eine Warteliste: 15 000 weitere Antragsteller können vom (morgigen) Donnerstag um 12.00 Uhr an unter www.ump.bafa.de einen Online-Antrag stellen und sich damit für die Warteliste registrieren. Anschließend wird das Online-Portal
geschlossen.

Auch im Ausland fand die Abwrackprämie Nachahmer. Der schwer gebeutelte amerikanische Automarkt profitierte im August von der US-Prämie. Insgesamt wuchs der Markt laut Experten auf mehr als 1,26
Millionen Autos - ein Prozent mehr als vor einem Jahr. Es sei das erste Plus im Jahresvergleich seit Herbst 2007. Allerdings kam die Prämie wie in Deutschland vor allem Herstellern kleinerer Autos zugute. In den USA ist die Prämie vor gut einer Woche ausgelaufen.

www.bafa.de/bafa/de/wirtschaftsfoerderung/umweltpraemie/index.html



Hintergrund: Gewinner und Verlierer

 

Kein Hersteller hat dank der Abwrackprämie mehr Autos verkauft als Volkswagen.

Mit Hilfe der staatlichen Förderung wird der Konzern in diesem Jahr 193 353 zusätzliche Fahrzeuge absetzen, wie eine Hochrechnung des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen ergab. Das ist ein Zuwachs von rund 35 Prozent.

 

Opel wird der Prämie 105 092 zusätzliche Verkäufe verdanken (plus 45 Prozent), Fiat 99 597 (125 Prozent). Danach folgen Ford mit 84 807 und Skoda mit 76 288 zusätzlich verkauften Autos. Den prozentual größten Zuwachs verzeichnet der Studie zufolge aber ein Importeur: Die rumänische Renault-Tochter Dacia kann ihre Verkaufszahlen durch die Prämie um rund 275 Prozent steigern.

 

Verlierer der Umweltprämie sind die Premiumanbieter, denn deren Kunden haben selten Autos, die sie für 2500 Euro verschrotten wollen. Nach der Studie von Dudenhöffer wird Mercedes in diesem Jahr 38 066 Fahrzeuge weniger Autos verkaufen. BMW erwartet ein Minus von 16 842 Autos, Audi von 2618 Wagen.

 

Der Marktanteil der deutschen Autobauer wird der Hochrechnung zufolge sinken. Nach 62 Prozent im Jahr 2008 rechnet Dudenhöffer in diesem Jahr nur noch mit einem Anteil von 58 Prozent. Den Importeuren verhilft die Prämie zu einer Verbesserung von 38 auf 42 Prozent.


 

Hintergrund: Die Abwrackprämie in Zahlen

 

 

Die Abwrackprämie war nach Einschätzung von Experten die am besten und schnellsten wirkende Maßnahme aus dem Konjunkturprogramm des Bundes.

 

Sie wurde Autokäufern gezahlt, die ein mindestens neun Jahre altes Auto verschrottet und zugleich einen Neu- oder Jahreswagen gekauft oder geleast haben. Die Fakten im Überblick:

  • Prämienhöhe pro Empfänger: 2500 Euro
  • Bereitgestellte Gesamtsumme: 5 Milliarden Euro
  • Gesamtzahl der Empfänger: 1 994 400 (5600 Empfänger wegen der Kosten von rund 14 Millionen Euro abgezogen)
  • Zahl der zur Verschrottung infrage kommenden Autos: zu Beginn der Regelung am 14. Januar 13,7 Millionen
  • Neu zugelassene Pkw: Inklusive August 2,675 Millionen
  • gefragteste Marke: VW mit mehr als 20 Prozent Marktanteil

 

Quellen: Kraftfahrtbundesamt, Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa)



Tipp: Nachzügler haben noch eine Chance

 

Wer bei der Abwrackprämie leer ausgegangen ist, hat noch eine letzte Chance: Von diesem Donnerstagmorgen an können Nachrücker in den Genuss der Prämie für Altautos in Höhe von 2500 Euro kommen.

Weil einige Antragsteller fehlerhafte Unterlagen eingereicht haben, sind 15 000 Prämien noch frei. Das meldete das zuständige Bundesamt für Ausfuhrkontrolle und Wirtschaft (Bafa) am Mittwoch. Die weiteren Antragsteller können am Donnerstag von 9.00 Uhr an unter www.ump.bafa.de einen Online-Antrag stellen und sich damit für die Warteliste registrieren. «Anschließend wird das Online-Portal geschlossen», teilte das Bafa mit.

Knapp acht Monate nach Einführung der Abwrackprämie war der Fördertopf am Mittwoch offiziell leer. Die Prämie erhalten Autokäufer, die ihren mehr als neun Jahre alten Wagen verschrotten und einen Neuwagen kaufen.

 

www.ump.bafa.de

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