DEUTSCHLAND/WELT
06.09.2009

08.09.2009 | Berlin (dpa)
Merkel: Jedes unschuldige Opfer ist eines zuviel
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat möglichen zivilen Opfern des Bombenangriffs auf zwei Tanklastwagen in Afghanistan das tiefe Bedauern der Bundesregierung ausgesprochen.
Wenn durch das Handeln von Deutschen Unbeteiligte betroffen sein sollten, bedauere dies die Bundesregierung «zutiefst», sagte die Kanzlerin in einer Regierungserklärung am Dienstag im Bundestag an die Adresse aller Afghanen. Jeder, der unschuldig ums Leben gekommen oder verletzt worden sei, «ist einer zuviel. Wir fühlen mit ihnen und ihren Angehörigen.»

Die Kanzlerin sicherte eine «lückenlose Aufklärung» des Bombardements vom vergangenen Freitag zu. Bei dem Angriff seien zahlreiche Menschen ums Leben gekommen, sagte sie. Über die Folgen insbesondere über zivile Opfer gebe es unterschiedliche Informationen. Sie stehe dafür, dass nichts beschönigt werde. Aber sie dulde auch keine Vorverurteilung. «Ich verbitte mir das im Inland wie im Ausland.» Damit wies sie die internationale Kritik am deutschen Einsatz in ungewöhnlich scharfer Form zurück.
Merkel bekannte sich nachdrücklich zum Engagement der Bundeswehr in Afghanistan. «Deutsche Sonderwege sind grundsätzlich keine Alternative deutscher Außenpolitik», betonte sie. «Die Folgen von Nichthandeln werden uns genauso zugerechnet wie die Folgen von Handeln. Das sollte jeder bedenken, wenn er ein Zurseitetreten Deutschlands bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus fordert.»

Hintergrund: Opfer von Terror in Nordafghanistan
Bei Kämpfen und der Explosion zweier von Taliban gestohlenen Tanklaster sind in Afghanistan nach Angaben des afghanischen Distrikt-Gouverneurs von Char Darah mindestens 135 Menschen getötet worden, darunter auch Kinder. Es ist der bisher schwerste Zwischenfall im nordafghanischen Kommandobereich der Bundeswehr.
6. November 2007: Bei einem Selbstmordanschlag in Baghlan südlich von Kundus werden mindestens 75 Menschen getötet, darunter mehrere afghanische Parlamentarier und 59 Schüler. Der Anschlag ereignete sich bei der Eröffnungsfeier einer Zuckerfabrik, die mit deutscher Hilfe wiederaufgebaut wurde.
27. März 2008: Eine Patrouille des deutschen Wiederaufbauteams in Kundus fährt in eine Sprengfalle. Zwei Soldaten werden schwer verletzt. Die radikalislamischen Taliban bekennen sich zu diesem zehnten Angriff auf die Bundeswehr in Afghanistan seit Herbst 2006.
27. August 2008: Ein Soldat stirbt, als eine Patrouille der Bundeswehr nahe dem Feldlager Kundus in eine Sprengfalle gerät. 20. Oktober 2008: Während einer großangelegten Suche nach versteckten Waffenlagern kommen zwei deutsche Soldaten und fünf Kinder bei Kundus bei einem Selbstmordanschlag der Taliban ums Leben. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) spricht später erstmals von «Gefallenen» im Zusammenhang mit dem Afghanistan- Konflikt.
1. Juni 2009: Zwei Anschläge auf die Bundeswehr überschatten den Afghanistan-Besuch von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Ein Soldat stirbt, nachdem seine Patrouille nahe Kundus in einen Hinterhalt gerät und von einer Panzerfaust getroffen wird. Wenige Stunden zuvor wurden fünf Soldaten bei einem Anschlag der Taliban verletzt. Bereits sechs Tage später gibt es den nächsten Angriff auf die Bundeswehr. Bilanz einer Schießerei mit aufständischen Taliban: zwei verletzte Soldaten.




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