DEUTSCHLAND/WELT
07.09.2009

07.09.2009 | Berlin (dpa)
Bundeswehr stoppt Schnellboot und erschießt Piraten
Beim Anti-Piraten-Einsatz der Deutschen Marine im Golf von Aden ist am Montag erstmals ein mutmaßlicher Seeräuber getötet worden.
Die Bundeswehr-Fregatte «Brandenburg» habe am frühen Morgen versucht, ein mit fünf bewaffneten Insassen besetztes Schnellboot zu überprüfen, teilte das Einsatzführungskommandos in Potsdam mit. Die Männer hätten aber auch nach einem «Schuss vor den Bug» nicht stoppen wollen, berichtete ein Sprecher.
Daraufhin habe der Kommandeur der EU-Mission «Atalanta» die Erlaubnis zum Anwenden von «manövrierunfähig machendem Beschuss» erteilt, hieß es in einer Mitteilung. Bei der Schussabgabe sei ein Insasse des Schnellboots schwer verletzt worden. Obwohl der Mann sofort medizinisch versorgt worden sei, erlag er seinen Verletzungen. Es sei noch unklar, ob der Verdächtige von einem Querschläger oder direkt von einem Schuss getroffen worden sei, sagte der Sprecher. Auch zur Identität des Mannes konnte er keine Angaben machen.
Nach den Schüssen der Bundeswehr hätten die Piraten Waffen und eine Enterleiter über Bord geworfen. Die Verdächtigen seien anschließend zur Überprüfung an Bord der Fregatte gebracht worden. Was mit ihnen weiter geschehe, müsse die Bundesregierung entscheiden. Dafür ist eine Kommission von Vertretern der Ministerien für Inneres, Außen, Justiz und Verteidigung zuständig.
Deutschland hat bereits mehrfach somalische Piraten zur Strafverfolgung an Kenia überstellt. Das Überstellungs-Verfahren gilt als rechtlich höchst kompliziert, da unter anderem geklärt werden muss, inwieweit deutsche Rechtsgüter betroffen sind. An der EU- Mission «Atalanta» zum Kampf gegen Piraten am Horn von Afrika beteiligt sich Deutschland mit maximal 1400 Soldaten und den Fregatten «Bremen», «Karlsruhe» und «Brandenburg».
Hintergrund: Die EU-Anti-Piraten-Mission «Atalanta»
Die EU-Mission «Atalanta» zum Kampf gegen Piraten am Horn von Afrika ist der erste europäische Flotteneinsatz dieser Art. Er löste den NATO-Verband ab, der bis Dezember 2008 vor Somalia Handelsschiffe schützte. Streitkräfte stellen Belgien, Frankreich, Griechenland, die Niederlande, Schweden, Spanien, Großbritannien und Deutschland, das sich mit maximal 1400 Soldaten beteiligt. Der UN-Sicherheitsrat hat mit seiner Resolution 1846 die Ermächtigung zum Vorgehen gegen Piraten in Somalias Hoheitsgewässern bis zum 2. Dezember verlängert.
Neben den EU-Kriegsschiffen fahren derzeit 20 Fregatten und Versorger unter NATO- und Länderflagge - darunter die deutschen Fregatten «Bremen», «Karlsruhe» und «Brandenburg». Die 139 Meter langen Schiffe sind eigentlich für die U-Boot-Jagd vorgesehen. Sie sind mit einem 76 mm-Geschütz, zwei 20 mm-Geschützen sowie 16 Schiff-Luft- und vier Seeziel-Flugkörpern bewaffnet. Die Fregatten können
zudem zwei Sea Lynx-Bordhubschrauber aufnehmen. Zur 242-köpfigen Besatzung der «Brandenburg» gehören Piloten, Techniker, ein Ärzteteam und Marine-Kräfte, die als Schutz an Bord von zivilen Schiffen gebracht werden können.
Deutsche Marine: http://tinyurl.com/mrl3ff




Kommentare