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DEUTSCHLAND/WELT

 

28.09.2009 | Paris (dpa)

Brigitte Bardot: Ein Sexsymbol wird 75!

Erotisch, sexy und lasziv. Ein Bild, das auch heute noch aus Brigitte Bardot einen Mythos macht - im Sinn von Ruhm und Berühmtheit.

B.B., wie die Kindfrau mit Schmollmund in die Filmgeschichte eingegangen ist, gehört seit dem Streifen «Und ewig lockt das Weib» zu Frankreichs populärsten Filmstars. Doch bevor Bardot auf der Leinwand zu altern begann, hörte sie im Alter von rund 40 Jahren mit der Schauspielerei auf. Was danach folgte, glich einer anderen Rolle, die der verbitterten Frau, die sich in ihren Memoiren als «Menschen- und Gesellschaftsverächterin» offenbarte. Bardot, die heute 75 Jahre alt wird, gehört zu den Filmstars, deren Image eng mit ihrem Schicksal verbunden ist.

«Meine Jugend und Schönheit schenkte ich den Männern. Meine Weisheit und Erfahrung widme ich den Tieren», schrieb die Schauspielerin, die seit Jahrzehnten zurückgezogen in ihrer Villa «La Madrague» in St. Tropez lebt, dort wo sie sich einst im Schickeria-Trubel sonnte. Aus ihrem Haus, auf das der schwerreiche Industrielle und Playboy Gunter Sachs, mit dem B.B. kurzfristig verheiratet war, von einem Hubschrauber aus Tausende von Rosen regnen ließ, ist mittlerweile eine «Stiftung zur Rettung der Tiere in aller Welt» geworden.

Das Sexsymbol, an deren Schmollmund eine ganze Männergeneration hing, verabschiedete sich von der Welt des Films, weil sie des Starrummels müde war. Sie schlüpfte danach in die Rolle der verbitterten Frau, die die Gesellschaft von Hunden und Katzen den Menschen vorzog. Aus ihrem Kampf gegen Tierquälerei hat sie schließlich ihren Lebensinhalt gemacht. Dass sie ihren Namen für eine gute Sache einsetzt, spricht für sie. Doch ihre Tierliebe findet ihren Niederschlag in Hass- und Hetztiraden. Sie verglich das islamische Opferfest Aid el Kebir mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001, bezeichnete das rituelle Schlachten als «islamische Zügellosigkeit» und sprach von «monströsen, satanischen Menschen».

Wegen ihrer menschenfeindlichen Äußerungen und Publikationen gegen Homosexuelle, Frankreichs Linke, Obdachlose und illegale Einwanderer musste Bardot in den vergangenen Jahren immer wieder vor Gericht. Ihre rassistischen Bemerkungen werden mittlerweile als skandalös empfunden und schaden dem Ansehen ihrer Stiftung, die Anfang der 90er Jahre wegen ihrer Heirat mit einem Mitglied der rechtsextremen Partei Front National (FN) zahlreiche finanzielle Förderer verlor.

Bardot, die in Filmen wie «Die Verachtung» von Jean-Luc Godard, «Privatleben» von Louis Malle oder «Die Wahrheit» von Henri-Georges Clouzot ihre Haut und erotische Ausstrahlungskraft natürlich und ungeniert zur Schau trug, blieb trotz aller Freiheiten, die sie sich vor der Kamera und im wahren Leben herausnahm, ihrer erzkonservativen Erziehung treu. Vielleicht waren ihre anarchistische Sexualität und ihre zahlreichen Liebhaber ein Hilferuf wie ihre Selbstmordversuche als Jugendliche. Denn bevor das Mädchen mit Pferdeschwanz zum Vamp und zur Lolita einer ganzen Nation wurde, litt die etwas pummelige und puppenhaft wirkende Jugendliche an Minderwertigkeitskomplexen.

«Die sieht ja aus wie eine Ente» soll ihr Vater, ein reicher lothringischer Ingenieur und Fabrikbesitzer über sie gesagt haben. Als Bardot am 28. September 1934 in Paris das Licht der Welt erblickte, soll auch die Mutter enttäuscht gewesen sein. Die Eltern hatten sich eigentlich einen Sohn gewünscht, «Charles» sollte er heißen. Als sie mit 15 Jahren ihr erstes Geld als Fotomodell verdiente, war dies der erste Schritt aus dem strengen und wohlbehüteten Elternhaus. Doch erst die Begegnung mit dem Filmregisseur und späteren Ehemann Roger Vadim half ihr zum endgültigen Ausbruch.

Vadim heiratete die knapp 18-Jährige, trainierte mit ihr den berühmten Schmollmund, ließ sie ihre kastanienbraune Mähne blond färben und formte sie nach seinem Bild: halb Vamp, halb Lolita, eine Mischung aus Busenwunder, Kindfrau und naiver Unschuld. Mit dem Film «Und ewig lockt das Weib» unter seiner Regie wurde die 21-Jährige über Nacht zum Star und zum Mythos B.B.. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere in den Jahren 1973/74 verabschiedete sie sich von der Leinwand mit folgenden Worten: «Ich hasse die Menschen. Mein Gleichgewicht finde ich in der Natur, in der Gesellschaft von Tieren.»

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