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DEUTSCHLAND/WELT

 

Riesen in Berlin Sonntag
Fotos
04.10.2009 | Berlin (dpa)

Eine Million beim «Riesen»-Treffen und Einheitsfest


Ein «Riesen»-Treffen am Brandenburger Tor, jede Menge Musik und die Verleihung des Quadriga-Preises: Gleich mehrere Höhepunkte konnten rund eine Million Menschen am Tag der Deutschen Einheit in Berlin miterleben. Allein das Wiedersehen des 15 Meter hohen Großen Riesen und der Kleinen Riesin mit siebeneinhalb Metern Höhe am Samstag verfolgten nach Polizeiangaben rund 350 000 Menschen. Damit erinnerten die Figuren der französischen Compagnie Royal de Luxe symbolisch an den Mauerfall vor 20 Jahren. Auch am Sonntag fanden sich wieder mehrere hunderttausend Neugierige auf der Straße des 17. Juni ein.

Die beiden Marionetten der französischen Compagnie Royal de Luxe fielen sich am Samstagnachmittag aus Ost und West kommend an dem Berliner Wahrzeichen nach langer Trennung in die Arme. Wegen des großen Andrangs war die 1,3 Kilometer lange Festmeile auf der Straße des 17. Juni schon vor dem Eintreffen der überlebensgroßen Puppen geschlossen worden. Zäune begrenzten das Areal. Trotzdem drängten sich weiter Schaulustige an den Gittern. Das Openair-Spektakel hatte seit dem Vormittag vor allem viele Familien mit Kindern angezogen.

Am Abend feierten die Besucher dann mit Musik und den Spezialitäten der Bundesländer auf der Straße des 17. Juni weiter. Auf zwei Bühnen spielten Bands wie Ich & Ich, Silbermond und Revolverheld. Gegen Mitternacht endete dann die große Einheitsparty. Nach Angaben der Polizei verliefen die Feiern «absolut friedlich».

Bereits am frühen Sonntagmorgen fanden sich wieder zahlreiche Schaulustige auf dem Pariser Platz ein, wo das außergewöhnliche Pärchen übernachtet hatte. Bevor die überlebensgroßen Figuren die Hauptstadt verließen, verteilten sie Kopien von Briefen, die einst die DDR-Staatssicherheit abfing und die ihre Empfänger nie erreichten. Gezeigt wurde am Brandenburger Tor auch eine Ausstellung mit bemalten Mauersteinen, die von internationalen Künstlern gestaltet wurden. Die Riesen machten sich am Nachmittag auf den Weg zur Moltke-Brücke am Hauptbahnhof, wo Transportschiffe auf sie warteten.

Am Abend zuvor war im Auswärtigen Amt der diesjährige Quadriga-Preis verliehen worden. Vor rund 380 geladenen Gästen erhielten der Präsident der EU-Kommission, Manuel Barroso, der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow und der ehemalige tschechische Staatspräsident Vaclav Havel die Auszeichnung des Vereins Werkstatt Deutschland für Verdienste bei der Wiedervereinigung. Auch der Musiker Marius Müller- Westernhagen und die Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley gehörten zu den Preisträgern. Die «Quadriga» wird seit 2003 jährlich am 3. Oktober verliehen.

Nach den jüngsten Terrordrohungen gegen Deutschland hatten die Behörden auch in Berlin die Sicherheitsmaßnahmen rund um die Einheitsfeiern verstärkt. So waren entlang des Boulevards Unter den Linden zahlreiche Einsatzkräfte unterwegs. Mehrere hundert Polizisten sicherten das Einheitsfest. An den Eingängen zur Festmeile wurden Taschen kontrolliert. Glasflaschen durften nicht mitgenommen werden. Auch in U- und S-Bahnen sind Beamte seit Tagen verstärkt unterwegs.

Bei der zentralen Feier zum Einheitstag in Saarbrücken erinnerte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an die vielen Menschen, die durch ihren Mut erst die Mauer zum Einsturz gebracht hätten. Das Engagement der DDR-Bürger sei ein Vorbild zur Überwindung der schwersten Krise seit dem Krieg, die Deutschland derzeit beutele, betonte die CDU- Chefin. Der 19. Tag der Deutschen Einheit hatte dort mit einem ökumenischen Gottesdienst begonnen, an dem auch Bundespräsident Horst Köhler teilnahm.

Im Laufe des Sonntag verwandelte sich das Festareal dann langsam zur Informationsmeile. Mehrere überdimensionale und begehbare Modelle menschlicher Organe der Deutschen Stiftung Organtransplantation warben für und informierten über Organspenden. Nach Angaben der Veranstalter haben nur 17 Prozent der Deutschen einen Organspende-Ausweis. Jedoch wären 80 Prozent zu einer Spende bereit. Allein in Deutschland warten laut Stiftung 12 000 Menschen auf schnelle Hilfe.

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