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DEUTSCHLAND/WELT

 

Barack Obama
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09.10.2009 | Oslo (dpa)

Beifall, Kritik, Demut: Friedensnobelpreis für Obama

Ansporn oder Bürde: Nach nur neun Monaten auf der weltpolitischen Bühne bekommt US-Präsident Barack Obama den Friedensnobelpreis. Demütig und bescheiden reagierte der erste schwarze Präsident der USA auf die Ehrung, aber auch entschlossen, - ungeachtet aller innen- und außenpolitischen Hindernisse - weiter für Abrüstung, Klimaschutz und mehr Gerechtigkeit auf der Welt zu arbeiten. Es sei ein «Aufruf zum Handeln».

Nein, eigentlich habe er die Auszeichnung nicht verdient, kommentierte Obama am Freitag die Entscheidung des Nobelpreiskomitees in Oslo. Und doch will er den Preis annehmen. Auch wenn Soldaten der Vereinigten Staaten im Irak und Afghanistan im Einsatz seien, sagte der Präsident und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in Washington.

Staats- und Regierungschefs aus aller Welt gratulierten dem US-Präsidenten. Die Entscheidung wurde weltweit als Sensation empfunden, die nicht nur viel Beifall, sondern auch Zweifel und Kritik auslöste. Kaum jemand hatte den 48-Jährigen bei den üblichen Spekulationen über den Preisträger auf der Liste. Obamas Sprecher, Robert Gibbs, sagte es so: «Wow!»

Ohne Zweifel an seiner Entscheidung war das Nobelpreiskomitee. «Alles, was in der Welt seit Obamas Amtsantritt geschehen ist, und wie das internationale Klima sich geändert hat, ist mehr als genug, um zu sagen, dass er das erfüllt, was in Alfred Nobels Testament steht», sagte der Vorsitzende Thorbjörn Jagland.

Das Komitee würdigte die «Stärkung der internationalen Diplomatie» und damit den Bruch Obamas mit der außenpolitischen Linie von George W. Bush. Unter Obamas Vorgänger standen die USA international weitgehend allein da. Viele Muslime hassten Bush wegen des Irak-Kriegs und der Verletzung der Menschenrechte wie im Gefangenenlager Guantánamo.

Der charismatische US-Präsident nahm sich ganz zurück. «Ich bin überrascht und zutiefst demütig», sagte er im Rosengarten des Weißen Hauses. Er glaube nicht, dass er es verdiene, sich in der Gruppe vergangener Nobelpreisträger zu befinden, die so viel erreicht hätten und seine Vorbilder seien.

Der Nobelpreis dürfe keine Bestätigung für Erreichtes, sondern müsse eine Herausforderung sein, erklärte er. Und diese Herausforderung könnten die USA nicht allein bestehen.

Dennoch: Beispielsweise beim Klimaschutz wird es nach Ansicht von Klimaexperten nur Erfolge geben, wenn Obama seiner Delegation beim Weltklimagipfel im Dezember in Kopenhagen Vollmacht zum Fortschritt gibt.

Jedes Land müsse Verantwortung für den Frieden übernehmen. Atomare Abrüstung, Frieden im Nahen Osten, Klimaschutz, ein Leben in Würde für alle Menschen - das sind für Obama die wichtigen Ziele.

Ob der Preis Rückenwind für Obama bedeutet oder ihn nur unter immensen Erfolgsdruck setzt, darüber waren sich die politischen
Beobachter nicht einig. Er durchlebt derzeit auch eine schwierige innenpolitische Phase. Die republikanische Opposition blockiert Vorhaben wie eine Gesundheitsreform und wirkungsvollen Klimaschutz. Im Nahen Osten kommen die amerikanischen Friedensbemühungen kaum von der Stelle. Und Obama ringt noch um die richtige Linie zwischen Gewalt und Diplomatie in Afghanistan.

Beifall aus aller Welt


Viel Zuspruch und Freude kam aus der internationalen Politik. Der scheidende Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, Mohammed el Baradei, äußerte sich begeistert: «Mir fällt niemand ein, der diese Ehre mehr verdient hätte.» Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in Berlin: «Es ist ihm in kurzer Zeit gelungen, weltweit einen neuen Ton zu setzen und Gesprächsbereitschaft zu schaffen.»

 

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon gratulierte «von ganzem Herzen»: «Wir bei den Vereinten Nationen applaudieren ihm und dem Nobelkomitee zu seiner Wahl.»

Ob Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy, Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi, oder die politische Spitze in Japan und Russland: Obama war Beifall gewiss.

Auch aus Israel, wo Obamas palästinenserfreundliche Nahost-Politik kritisch gesehen wird, kam Zustimmung. Staatspräsident Schimon Pres schrieb: «Nur sehr wenige Führer, wenn überhaupt, habe es geschafft, die Stimmung in der gesamten Welt in solch kurzer Zeit und mit solch tiefgehenden Auswirkungen zu verändern.»

Zweifel, ob die Entscheidung nicht zu früh kommt, äußerten vor allem die Medien in den USA. Der Preis sei die «Anerkennung für seine Versprechen», kommentierte CNN-Starreporterin Christiane Amanpour. «Wofür?», fragte das konservative «Wall Street Journal» und nannte die Vergabe «grotesk». Das Komitee zitierte in seiner Würdigung den eigenen Anspruch des US-Präsidenten: «Jetzt ist es an der Zeit, dass wir alle unseren Teil der Verantwortung für eine globale Antwort auf globale Herausforderungen übernehmen.» Das hatte Obama im September bei seinem ersten Auftritt vor den Vereinten Nationen gesagt.

Das Komitee habe schon immer versucht, noch nicht abgeschlossene Entwicklungen für den Frieden zu stimulieren und zu fördern. Das sei auch bei den Vergaben an Bundeskanzler Willy Brandt und an den damaligen sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow der Fall gewesen.

Obama hatte sich umgehend nach seinem Amtsantritt um die politischen Brandherde gekümmert. Er ordnete den amerikanischen
Truppenabzug aus Irak an. Er bot dem Iran und Nordkorea direkte Gespräche über deren umstrittene Atomprogramme an. An Russland sendete Obama Signale der Entspannung und verkündete schließlich den Verzicht auf das geplante globale Raketenschild, von dem sich Moskau bedroht gefühlt hatte.

Zwei besondere Höhepunkte in Obamas ersten Monaten waren seine Reden in Prag und Kairo. In Prag formulierte Obama am 5. April die Vision einer atomwaffenfreien Welt. In Kairo reichte der US-Präsident der islamischen Welt die Hand zum Frieden. Der Aufruf zur Versöhnung wurde in der muslimischen Welt mit Beifall und Respekt bedacht.

Der Friedensnobelpreis ist mit umgerechnet knapp einer Million Euro dotiert. Er wird traditionsgemäß am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896), im Osloer Rathaus überreicht.


 

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Barack Obama - Hoffnungsträger für die ganze Welt | Begründung für Friedensnobelpreis an Obama

 

09.10.2009 | Hamburg (dpa)

Barack Obama - Hoffnungsträger für die ganze Welt

Barack Obama ist der erste schwarze US-Präsident. Bereits seine Kandidatur um das höchste Amt im Land galt als Zeichen, dass die Rassenschranken in den Vereinigten Staaten immer niedriger werden. In seiner bisherigen Amtszeit hat er sich vor allem für eine Welt ohne Atomwaffen stark gemacht und sich bemüht, das Verhältnis zu den Muslimen zu verbessern.

Obama wurde am 4. August 1961 als Sohn eines schwarzen kenianischen Austauschstudenten und einer weißen Amerikanerin auf Hawaii geboren. Dort wuchs er die ersten Jahre auf. Nach der Trennung der Eltern heiratete die Mutter einen Indonesier, die Familie zog nach Jakarta, wo Obama bis 1971 auf die Schule ging. Danach wuchs er bei seinen weißen Großeltern in Hawaii auf.

Nach einem Politikstudium in New York, Sozialarbeit in Chicago und einem Jurastudium an der Eliteuniversität Harvard lehrte Obama an der Universität von Chicago Rechtswissenschaft - und bereitete sich auf seine politische Karriere vor. 1996 schaffte er den Sprung in den Senat des Bundesstaates Illinois, 2004 in den US-Senat in Washington.

Bereits im Februar 2007 kündigte Obama seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur an. Zunächst galt er als hoffnungsloser Außenseiter. Wahlexperten waren überzeugt, dass Obama gegen die ehemalige First Lady Hillary Clinton keine Chance habe. Doch er überzeugte mit rhetorischer Brillanz, die die Menschen fesselte. Seine Botschaft war eingängig: «Hoffnung», «Wandel» und «Versöhnung».

Am 20. Januar 2009 wurde Obama in Washington als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. In seiner ersten Rede schwor er seine Landsleute auf einen Neuanfang in Amerika ein und forderte «eine neue Ära» von Verantwortung und Frieden.

Obama gilt als nachdenklicher, pragmatischer links-liberaler Politiker, der vor allen den ritualhaften Parteienstreit und den Politikstil in Washington überwinden will. Ein weiteres wichtiges Ziel ist die Beschränkung des Einflusses der Lobbyisten und höhere Steuern für die Reichen. Obama will die US-Truppen aus dem Irak zurückziehen, von den Europäern erwartet er aber ein stärkeres Engagement in Afghanistan.


Oslo (dpa)

Begründung für Friedensnobelpreis an Obama

Der Vorsitzende des Osloer Nobelkomitees, Thorbjörn Jagland, hat die Vergabe des Friedensnobelpreises an US-Präsident Barack Obama am Freitag wie folgt begründet (dpa-Übersetzung):

«Barack Obama erhält den Friedensnobelpreis für seinen außergewöhnlichen Einsatz zur Stärkung der internationalen Diplomatie und der Zusammenarbeit zwischen den Völkern. Das Komitee hat besonderes Gewicht auf seine Vision und seinem Einsatz für eine Welt ohne Atomwaffen gelegt. Obama hat als Präsident ein neues Klima in der internationalen Politik geschaffen. Multilaterale Diplomatie steht wieder im Mittelpunkt, mit besonderem Gewicht auf die Rolle, die die Vereinten Nationen und andere internationale Organisationen spielen. Dialog und Verhandlungen sind hier die bevorzugten Mittel, um auch die schwierigsten internationalen Konflikte zu lösen.

Die Vision einer atomwaffenfreien Welt hat auf kraftvolle Weise Verhandlungen um Abrüstung und Rüstungskontrolle neu belebt. Durch Obamas Initiativen spielen die USA jetzt eine konstruktivere Rolle zur Bewältigung der enormen Klima-Herausforderungen, mit denen die Welt konfrontiert ist.

Demokratie und Menschenrechte sollen gestärkt werden. Es geschieht selten, dass eine Person wie jetzt Obama die Aufmerksamkeit der Welt derart auf sich zieht und neue Hoffnungen auf eine bessere Zukunft entfacht. Seine Diplomatie fußt auf der Vorstellung, dass diejenigen, die die Welt führen sollen, dies auf der Grundlage von Werten und Haltungen tun müssen, die von der Mehrheit der Weltbevölkerung geteilt werden.

Über 108 Jahre hat das norwegische Nobelkomitee genau die Art von internationaler Politik und von Haltungen zu stärken versuchen, für die Obama jetzt zum weltweit führenden Sprecher geworden ist. Das Komitee will sich hinter Obamas Appell stellen: "Now is the time for all of us to take our share of responsibility for a global response to global challenges." ("Jetzt ist es an der Zeit, dass wir alle unseren Teil der Verantwortung für eine globale Antwort auf globale Herausforderungen übernehmen.")»

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