DEUTSCHLAND/WELT


22.10.2009 | Berlin (dpa)
Hausärzte impfen später gegen Schweinegrippe
Nach einem Streit um Honorare beginnt die Schweinegrippe-Impfung bei Berliner Hausärzten frühestens in ein bis zwei Wochen. Dann haben zunächst chronisch Kranke und Schwangere den Vortritt, wie Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) am Donnerstag sagte. Wann alle übrigen Berliner geimpft werden können, stehe noch nicht fest. Die Bundesregierung rechnet deutschlandweit mit Ende November, Anfang Dezember.
Lompscher hob hervor: «Jeder, der es möchte, soll eine Impfung erhalten können.» Die Berliner Infektionsschutzbeauftragte Marlen Suckau fügte hinzu: «Wenn sich unter die chronisch Kranken ein Gesunder mischt und sagt, er möchte auch geimpft werden - natürlich wird der nicht weggeschickt.»
Bei der bundesweiten Impfaktion werden in Berlin von diesem Montag an zuerst die 130 000 Menschen geimpft, die als Schlüsselpersonal gelten, vor allem im Gesundheitswesen. Das übernehmen die arbeitsmedizinischen Dienste und die Gesundheitsämter, wo auch Patienten ohne Versicherung eine Impfung erhalten können. Bei Feuerwehr und Polizei starte die Aktion erst in zwei bis drei Wochen, weil dort derzeit die Immunisierung gegen die saisonale Grippe laufe.

Bevor die Hausärzte in die Aktion einsteigen, müssen sie Verträge mit dem Land unterzeichnen, die in den vergangenen Tagen verschickt wurden. Dann werde die Bestellung und Lieferung des Impfstoffs «eine Weile» brauchen, wie Lompscher sagte. 2000 der insgesamt 6500 Praxen sollen sich beteiligten, die Senatorin sprach von positiven Rückmeldungen.
Ein zentraler Vertrag des Senats mit der Kassenärztlichen Vereinigung war gescheitert, deshalb geht der Senat auf die einzelnen Ärzte zu. Die Vereinigung hatte wie üblich 7,10 Euro pro Impfung verlangt - «Der Arzt muss auch von etwas leben», sagte die Vorsitzende Angelika Prehn am Donnerstag. Den einzelnen Ärzten bietet der Senat nun 5,50 Euro für die erste Immunisierung und 4,50 Euro für den zweiten Stich. Bei Patienten zwischen 10 und 60 Jahren genügt nach Suckaus Angaben voraussichtlich jedoch eine Injektion.

In Berlin sind seit dem Auftreten der Krankheit am 13. Juni 764 Fälle von Schweinegrippe bestätigt worden, wie Lompscher sagte. «Wir hatten bislang keine schweren Krankheitsverläufe.» Ob das so bleibe, sei ungewiss. «Wir müssen das Beste hoffen und uns vorbereiten.» Das Land Berlin empfehle jedem die Impfung.
Die ersten 64 000 Impfdosen Pandremix wurden laut Lompscher am Mittwoch nach Berlin gebracht. Eine Apotheke verteilt das Serum zentral an die Ärzte in der Stadt. Sie sei ausgewählt worden, weil sie als einzige die Voraussetzungen dafür biete. Lompscher sagte, der Hersteller des Impfstoffs, GlaxoSmithKline, sei im Wesentlichen von Schadenersatzansprüchen freigestellt. Der Arzt hafte bei fehlerhafter Aufklärung oder Anwendung des Impfstoffs. «In allen anderen Fällen haftet das Land Berlin.» Das sei bei Impfungen üblich.
www.berlin.de/impfen
Telefonberatung zur Impfung gegen Schweinegrippe
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