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DEUTSCHLAND/WELT

 

Detroit/Berlin/Rüsselsheim (dpa)

Opel-Rettung verzögert sich bis November

 

Die Rettung von Opel verzögert sich bis in den November. Dabei gibt es neue Spekulation, dass der bisherige Mutterkonzern General Motors (GM) die Sanierung von Opel selbst die Hand nehmen könnte.

 

Der GM-Verwaltungsrat wird sich erst am 3. November mit dem Verkauf an den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna und den Bedenken der EU-Kommission befassen. Das kündigte GM-Vize John Smith am Freitag in seinem Internet-Blog an. Weil weder GM noch die Opel-Treuhand kurzfristig die von der EU-Kommission geforderte Erklärung abgeben wollen, kann der staatliche Milliardenkredit nicht fließen.

 

Der Termin für die Unterzeichnung des Kaufvertrags war bereits mehrfach verschoben worden. Für den Fall, dass der Verkauf scheitern würde, hat der Konzern seit Monaten einen «Plan B» in der Schublade, um Opel zu behalten und selbst zu sanieren. Im GM-Verwaltungsrat seien wichtige Mitglieder gegen den Verkauf, berichtete das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» auf seiner Online-Seite. Die Bundesregierung hat allerdings keine Anzeichen für einen Kurswechsel beim Opel-Mutterkonzern, hieß es in Berlin. Der «Spiegel»-Bericht enthalte nichts Neues. Auch Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa, «solche Spekulationen sind überzogen».

Die EU-Kommission fordert von GM und der Opel-Treuhand eine rechtliche Klarstellung, dass die Entscheidung für Magna und seine russischen Partner ohne politischen Druck erfolgte. Sonst will die Kommission das Rettungspaket über insgesamt 4,5 Milliarden Euro für Opel nicht genehmigen.

 

Der Betriebsrat droht damit, dass die Arbeitnehmer keinen Beitrag zur Sanierung leisten werden. «Die Beschäftigten und die Gewerkschaften sind nicht bereit und willens, einen Cent an Arbeitnehmerbeiträgen für General Motors abzugeben», sagte Franz, der zugleich Vorsitzender des Europäischen GM-Betriebsrats ist. Die Verhandlungen darüber haben auch nach Wochen noch kein Ergebnis gebracht. Die Belegschaft soll zehn Prozent an «New Opel» bekommen und dafür auf jährlich 265 Millionen Euro Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten.

 

Der Kreditvertrag wird nach dpa-Informationen erst nach Bildung der neuen Bundesregierung aus Union und FDP unterschrieben. Die Liberalen hatten die Staatshilfe für Opel vor der Wahl heftig kritisiert. An den staatlichen Hilfen für Opel will sich nun auch Spanien - als Land mit Opel-Standort - beteiligen.

Der GM-Verwaltungsrat will auf seiner nächsten Sitzung die neue Lage prüfen, die sich seit dem grundsätzlichen Ja für Magna Anfang September ergeben habe. «In der Zwischenzeit geht die Arbeit weiter, um die verbliebenen offenen Punkte im Magna/Sberbank-Vorschlag zu lösen», schreibt Smith, Chefunterhändler für den Opel-Verkauf.

 

GM fühlt sich nach Angaben aus Verhandlungskreisen durchaus unter Druck gesetzt. In dem monatelangen Bieterverfahren hatte GM lange Zeit den Finanzinvestor RHJI als Käufer bevorzugt. Die Gewerkschaften und die Bundesregierung bevorzugten dagegen vehement Magna, weil der Zulieferer weniger Stellen in Deutschland streichen wolle und ein besseres Sanierungskonzept habe. Magna will in Europa etwa 10 500 Jobs abbauen, davon etwa 4500 in Deutschland. Magna und die russische Sberbank wollen je 27,5 Prozent der Anteile an «New Opel» kaufen, GM will 35 Prozent behalten.

 

Nur die Bundesregierung hat bislang erklärt, die Gelder seien nicht an einen bestimmten Käufer geknüpft. Bund und Länder wollen die Opel-Übernahme durch das Konsortium von Magna und der russischen Sberbank mit weiteren drei Milliarden Euro unterstützen. Opel hat bereits einen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro vom Staat bekommen, der den Autobauer seit Monaten über Wasser hält.

 

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes geht dem Verdacht nach, dass der mit deutschem Steuergeld eingefädelte Opel-Deal gegen den freien Wettbewerb verstoßen könnte und die vier deutschen Opel-Werke beim Stellenabbau geschont werden könnten.

 

In Spanien erklärten sich die Madrider Zentralregierung und die Regierung der Region Aragón bereit, mit der deutschen Bundesregierung und den Verantwortlichen in den anderen Ländern mit Opel-Werken über eine Finanzierung der Hilfen zu verhandeln. Ein entsprechendes Schreiben sei an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gegangen, teilte der Industrieminister von Aragón, Arturo Aliaga, am Freitag mit. In Spanien sollen 900 der bislang 7500 Arbeitsplätze des Werks bei Saragossa abgebaut werden.

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