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DEUTSCHLAND/WELT

 

10.11.2009 | Essen (dpa)

Harter Überlebenskampf bei Karstadt

 

Die Karstadt-Gläubiger haben grünes Licht für die ums Überleben kämpfende Warenhauskette gegeben. Dennoch stehen Karstadt harte Einschnitte bevor.

 

Mindestens sechs Häuser müssen schließen: Drei Warenhäuser in Hamburg, München und Dortmund sowie drei Fachmärkte in Berlin, Braunschweig und Stuttgart stehen schon Anfang kommenden Jahres vor dem Aus. Betroffen sind mehr als 400 der derzeit noch 26 500 Mitarbeiter. Weitere elf der insgesamt 126 Standorte stehen weiter auf der Kippe.

 

Die Gläubiger billigten einen späteren Verkauf des Unternehmens an einen Investor mit großer Mehrheit. Dabei hat sich Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg zum Ziel gesetzt, einen möglichst großen Teil des Unternehmens zu erhalten. Bei einer Zerschlagung hatte der Karstadt- Beauftragte des Insolvenzverwalters, Rolf Weidmann, die Gläubiger vor hohen Vermögensschäden gewarnt. Derzeit schreibe Karstadt schwarze Zahlen, sagte er.

Seinen endgültigen Plan zum Erhalt des Unternehmens muss der Insolvenzverwalter voraussichtlich Anfang kommenden Jahres den Gläubigern noch einmal zur Abstimmung vorlegen. Görg hat für die Ausarbeitung des Insolvenzplans alle Beteiligten zu Sanierungsbeiträgen aufgefordert.

 

Mit dem Sanierungsplan will der Insolvenzverwalter auf die Suche nach Investoren gehen. Man sei jedoch noch nicht so weit, Namen konkreter Interessenten zu nennen, sagte Görg. Dem Verkauf einzelner Häuser oder auch einer Gruppe von Häusern erteilte er zunächst eine Absage. Gespräche mit dem Konkurrenten Metro, der Interesse an der Übernahme von nur 60 Häusern signalisiert hatte, habe man daher bislang noch nicht geführt. Karstadt-Gesamtbetriebsratschef Helmut Patzelt forderte den Einstieg eines langfristigen Investors.

 

Görg und sein Vertreter forderten Warenhausvermieter, Lieferanten und Dienstleister auf, eigene Beiträge zu einer Sanierung der Kette zu leisten. Alle Beteiligten hätten dazu in Gesprächen ihre Bereitschaft bekundet, ohne sich jedoch schon auf entsprechende Verträge einzulassen, sagte Weidmann. Sprecher der Karstadt-Vermieter kündigten Sanierungsbeiträge an.

Erst am vergangenen Wochenende hatten sich auch die Karstadt- Beschäftigten mit dem Insolvenzverwalter auf einen Sanierungsbeitrag von 150 Millionen Euro für einen Zeitraum von drei Jahren geeinigt. Die Beschäftigten müssen dafür auf Teile ihres Weihnachtsgeldes sowie auf Urlaubsgeld und tarifliche Vorsorgeleistungen verzichten.

 

Die Beschäftigten hätten damit ihre «Schmerzgrenze» erreicht, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane dem Deutschlandradio Kultur. Eine Sanierung von Karstadt über das von Görg vorgeschlagene Insolvenz-Planverfahren halte sie für realistisch. Von den Vermietern der Karstadt-Häuser forderte Mönig-Raane deutliche Mietsenkungen.

 

Am Montag hatte die Gläubigerversammlung der Dachgesellschaft Arcandor das Aus für die Holding mit dem Kunstnamen beschlossen. Am Mittwoch steht die Gläubigerversammlung des Versandhändlers Quelle auf dem Programm, dessen Ende ebenfalls bereits beschlossen ist. Die komplette Abwicklung des nach Einschätzung des Essener Amtsgerichts größten Insolvenzfalls in der Geschichte der Bundesrepublik kann sich jedoch noch bis zu zehn Jahre hinziehen.

 

Rund 50 000 Gläubiger haben zu den Arcandor-Insolvenzverfahren Forderungen von zusammen rund 19 Milliarden Euro angemeldet. Davon entfallen rund 15 Milliarden Euro auf die Obergesellschaft Arcandor, von Karstadt fordern die Gläubiger etwa 2,6 Milliarden Euro, von Quelle rund 1,7 Milliarden Euro. Insgesamt stehen 37 Gläubigerversammlungen auf dem Programm von Insolvenzverwalter Görg.

 

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