DEUTSCHLAND/WELT

19.11.2009 | New York (dpa)
Künstlerin Jeanne-Claude tot
Die Künstlerin Jeanne-Claude ist tot. Die Frau des Verhüllungskünstlers Christo starb am Mittwoch im Alter von 74 Jahren in New York. Das bestätigte der Fotograf der Werke des Paares, Wolfgang Volz, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Jeanne-Claude sei an einer Hirnblutung (Aneurysma) gestorben.
Christo sei tief betroffen vom Tod seiner Frau und wolle die laufenden künstlerischen Arbeiten fortsetzen, darunter ein Projekt, bei dem hängende Stoffbahnen über den Fluss Arkansas gespannt werden. Ein Beerdigungstermin stehe noch nicht fest, wie Völz mitteilte.

Christo und Jean-Claude hatten sich 1958 in Paris kennengelernt und 51 Jahre lang zusammengearbeitet. Die in Casablanca geborene Künstlerin war gemeinsam mit ihrem Mann durch Verhüllungsaktionen von Gebäuden und Großprojekten in Landschaften bekannt geworden.
Vor allem die Verhüllung des Berliner Reichstags 1995 sorgte für Aufsehen. Weitere Aktionen gab es an einer Brücke in Paris und im Central Park von New York.

19.11.2009 | Berlin (dpa)
Wowereit tief betroffen vom Tod Jeanne-Claudes
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat mit Betroffenheit auf die Nachricht vom Tod der Künstlerin Jeanne-Claude reagiert. «Ich bin tief betroffen vom Tod Jeanne-Claudes», erklärte der SPD-Politiker in einer am Donnerstag verbreiteten Mitteilung. «Unser tiefes Mitgefühl gilt zuerst ihrem Mann und Kollegen Christo.»
Wowereit erinnerte daran, dass 1962 eine künstlerische Kommentierung des Baus der Berliner Mauer das erste gemeinsame Monumentalprojekt der beiden Künstler gewesen sei. Unvergessen sei den Berlinern die Verhüllung des Reichstags im Jahr 1995, für die Christo und Jeanne-Claude viele Jahre gekämpft und die sie selber finanziert hätten. «Dafür ist Berlin den beiden Künstlern zutiefst dankbar», erklärte der SPD-Politiker. Die Frau des Verhüllungskünstlers Christo war am Mittwoch im Alter von 74 Jahren in New York gestorben.

19.11.2009 | Berlin (dpa)
Stichwort: Verhüllter Reichstag
Es war eines der größten Kunstprojekte des 20. Jahrhunderts. Nach jahrelangem Streit wurde für Christo und Jeanne-Claude am 24. Juni 1995 ein Traum war. Vor zehntausenden Zuschauern präsentierte das Künstlerehepaar den verhüllten Berliner Reichstag. Das mit 100 000 Quadratmetern glitzernder Folie eingepackte Gebäude lockte in den nächsten zwei Wochen rund fünf Millionen Besucher aus aller Welt auf das Gelände zwischen Spree und Brandenburger Tor an.

Die «New York Times» nannte die Verhüllung ein «politisches Happening» - immerhin hatte der Deutsche Bundestag lange über das Kunstwerk debattiert und sich schließlich in einer Kampfabstimmung dafür entschieden. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) weigerte sich als hartnäckiger Gegner des «eingepackten» Reichstages die Aktion auch nur aus der Nähe anzuschauen.
Mit der Verhüllung des historischen Gebäudes in die fließenden Stoffbahnen wollten Christo und Jeanne-Claude die «einzigartige Qualität des Vergänglichen» feiern. Als der Reichstag wieder enthüllt wurde, blieben vor allem die Erinnerungen: Zeichnungen, Collagen, Postkarten und Modelle, mit denen die Künstler ihr ausschließlich privatfinanziertes Projekt bezahlten.

Hamburg (dpa)
Werke von Jeanne-Claude und Christo
Neben dem verhüllten Reichstag in Berlin (1995), der in Deutschland das bekannteste Projekt des Künstlerpaars ist, wurden Christo und Jeanne-Claude vor allem mit den folgenden Aktionen und Installationen bekannt. Eine Auswahl:
- 5600-Kubikmeter-Paket, Documenta IV, Kassel (1968)
- Verhüllte Kunsthalle Bern (1968)
- Running Fence (ein 5,50 Meter hoher, 39,4 Kilometer langer Nylongewebe-Zaun vom Norden San Franciscos, über Hügel, bis zur Bodega-Bucht am Pazifik), Kalifornien/USA (1976)
- Surrounded Islands (elf Inseln in der Biscayne Bay wurden mit hunderttausenden Quadratmetern pinkfarbenem Stoffgewebe umsäumt), Miami/USA (1983)
- Verhüllte Pont Neuf, Paris (1985)
- The Umbrellas/Die Schirme (3100 große Schirme (davon 1340 (blaue) 120 Kilometer nördlich von Tokio) werden in zwei Tälern in Japan und in Kalifornien geöffnet), Japan/USA (1991)
- Verhüllte Bäume, Riehen bei Basel (1998)
- The Wall/Die Mauer (13 000 bunte Ölfässer in einem Gasometer), Oberhausen (1999)
- The Gates/Die Tore (7500 goldgelbe, fünf Meter hohe Stoff-Tore) im Central Park, New York (2005)




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