DEUTSCHLAND/WELT
13.02.2009

13.03.09 Hamburg (dpa)
Ehrenmord: Lebenslange Haft für Morsals Bruder
Für den sogenannten Ehrenmord an der 16 Jahre alten Deutsch-Afghanin Morsal hat das Hamburger Landgericht ihren Bruder zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richter sprachen den 24-Jährigen am Freitag des heimtückischen Mordes aus niederen Beweggründen schuldig. Sie sahen es als erwiesen an, dass der junge Mann seine Schwester am 15. Mai 2008 aus Wut über ihren westlichen Lebensstil auf einen Parkplatz in Hamburg-St.Georg lockte und mit 23 Messerstichen gezielt tötete.
Das Gericht folgte damit dem Antrag des Staatsanwalts, der von einer Tat «auf niedrigster sozialer Stufe» gesprochen hatte. Die Verteidiger hatten auf Totschlag und verminderte Schuldfähigkeit plädiert. Die Familie des Angeklagten reagierte mit einem lauten Aufschrei auf das Urteil und hämmerte gegen das Sicherheitsglas des Verhandlungssaals.

«Auf der einen Seite liebte er sie, auf der anderen Seite war er wütend auf sie wegen ihres Lebensstils», beschrieb der Vorsitzende Richter Wolfgang Backen in der Urteilsbegründung das Verhältnis des Angeklagten zu Morsal. «Während die Geschwister sich an die strengen afghanischen Regeln hielten, hatte sie (Morsal) ihren eigenen Kopf.»
Das Verbrechen an der Schülerin hatte bundesweit für großes Entsetzen gesorgt. Der 24-jährige Bruder war am Tag nach dem tödlichen Messerangriff festgenommen worden und hatte die Tat in Vernehmungen bei der Polizei gestanden. Auch vor Gericht räumte er den Angriff indirekt ein, bestritt aber jede Tötungsabsicht.




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