DEUTSCHLAND/WELT

06.12.2009 | Berlin (dpa)
FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff gestorben
FDP-Ehrenvorsitzende und frühere Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff, einer der prägenden Politiker der Bundesrepublik, ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 82 Jahren in einem Bonner Krankenhaus.
Dies wurde der Deutschen Presse-Agentur dpa am Sonntagnachmittag aus Familienkreisen und von Lambsdorffs Büro in Bonn bestätigt. Der FDP-Politiker sei «von seinen vielfältigen Leiden erlöst worden», teilte sein Büro mit. Dem Vernehmen nach ging es Lambsdorff zuletzt gesundheitlich immer schlechter. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte Lambsdorff als menschlich wie politisch gleichermaßen herausragenden Liberalen.
Graf Lambsdorff, der am 20. Dezember 83 Jahre alt geworden wäre, war von 1977 bis 1984 Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit. Von 1988 bis 1993 führte er die Bundes-FDP. In der deutschen Regierungsgeschichte ist sein Name eng mit der «Wende» von der sozial-liberalen Regierung Helmut Schmidts zur CDU/CSU/FDP-Koalition von Helmut Kohl verbunden.

In den 80er Jahren überschattete die Flick-Parteispendenaffäre die Karriere des langjährigen Bundestagsabgeordneten. Es ging um den Vorwurf, die Zustimmung des Lambsdorff-Ministeriums zu einem Millionen-Steuererlass für den Flick-Konzern sei von einer Konzernspende unter anderem an die FDP beeinflusst worden. Lambsdorff trat 1984 wegen der Affäre als Minister zurück. Er wurde 1987 wegen Steuerhinterziehung zu einer Geldstrafe verurteilt.
Für Kanzlerin Merkel hat Lambsdorff «die Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik Deutschland lange Jahre hindurch ordnungspolitisch geprägt und reiht sich ein in die Reihe der großen Persönlichkeiten unserer sozialen Marktwirtschaft». Auch jenseits der Tagespolitik habe Lambsdorff in sensiblen Fragen wie der deutschen Entschädigung der Zwangsarbeiter des Zweiten Weltkrieges bleibende Maßstäbe gesetzt, erklärte die CDU-Vorsitzende in Berlin.
Der frühere FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhardt charakterisierte den Tod Lambsdorffs als «großen Verlust eines überragenden Mannes». Er fügte in einer Stellungnahme am Sonntag hinzu: «In der politischen Geschichte der Bundesrepublik ist seine Handschrift zu erkennen.»

Lambsdorff Stimme hatte in der deutschen Politik bis zuletzt politisches Gewicht. Der «Marktgraf» galt als unbedingter Verfechter der freien Marktwirtschaft und als scharfer Analytiker mit markiger Rhetorik. Das «Lambsdorff-Papier» läutete 1982 den Koalitionswechsel der FDP von der SPD zur Union ein. Die Flick-Spendenaffäre schadete ihm in seiner Partei nicht - danach war er für über fünf Jahre FDP- Bundesvorsitzender.
SPD-Kanzler Gerhard Schröder beauftragte ihn 1999 damit, die Verhandlungen über die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern zu führen. Das Verhandlungsgeschick Lambsdorffs in den diffizilen Gesprächen mit Anwälten und Verbänden der Opfer fand hohe Anerkennung. Die internationalen Verbindungen, die Lambsdorff auch als Vorsitzender der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung hatte, halfen dabei.
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) bezeichnete Lambsdorff als «einen der ganz großen Wirtschaftspolitiker» Deutschlands. «Er war ein Verfechter der sozialen Marktwirtschaft, der um den Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Erfolg und sozialer Ausgewogenheit wusste.»
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Portrait: Otto Graf Lambsdorff - Der «Marktgraf»




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