• PROGRAMM
  • AKTUELL
  • MEDIATHEK
  • MUSIK
  • SERVICE
  • BERLIN
  • KONTAKT

Anmelden

  • Berlin

  • Deutschland/Welt

  • Sport

  • Polizei Aktuell

  • Rückrufaktionen

  • Jochens Hertha-Tipp

  • BER Aktuell

  • Berlinale

  • Jahresrückblick 2011

  • FIFA Frauen-WM 2011

  • Startseite
  • Aktuell
  • Deutschland/Welt
  • Gefälschte Arzneimittel

DEUTSCHLAND/WELT

 

07.12.2009 |  Berlin (dpa)

Gefälschte Arzneimittel: Brüssel macht Druck

 

EU-Industriekommissar Günter Verheugen warnt vor immer mehr gefälschten Arzneimitteln. In den zähen Verhandlungen um neue EU-Gesetze für den Pharmasektor erhöhte er damit am Montag den Druck.

 

In einem Interview der Zeitung «Die Welt» warnte Verheugen, es gehe vor allem um Antibiotika, Krebs- und Malariamedikamente, cholesterinsenkende Arzneien sowie Schmerzmittel und Viagra.

 

Die Europäische Kommission hatte bereits im Juli vor einer hohen Zahl gefälschter Medikamente gewarnt. Mit der neuerlichen Mahnung will Verheugen offensichtlich Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen um das «Pharmapaket» genannte Bündel aus mehreren EU- Richtlinien und Verordnungen bringen.

 

Streitpunkt ist die Frage, ob und wie die Pharmaindustrie die Patienten beziehungsweise Kunden direkt informieren darf und das womöglich das Werbeverbot ins Wanken bringen könnte. Der europäische Verbraucher-Dachverband BEUC hat das Vorhaben als «versteckte Werbung» gebrandmarkt; im EU-Ministerrat liegt es gänzlich auf Eis.

Der SPD-Politiker Verheugen scheidet demnächst aus der Kommission aus; das Pharmapaket war eines seiner wichtigsten Dossiers. In der neuen EU-Kommission, die Anfang Februar antritt, übernimmt das Ressort der Italiener Antonio Tajani (bisher Verkehr).

 

«Die Europäische Union hat bei gezielten Zollkontrollen in allen Mitgliedsländern innerhalb von nur zwei Monaten allein 34 Millionen gefälschte Tabletten sichergestellt. Das hat alle Befürchtungen übertroffen», sagte Verheugen der «Welt». Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass EU-Kommission, Europaparlament und die europäischen Gesundheitsminister 2010 das «Pharmapaket» aushandeln können. Ziel sei, dass der Weg einer Arznei von der Herstellung bis zum Verkauf «minuziös» zurückverfolgt werden könne mittels Sicherheitszeichen wie etwa Barcodes auf den Verpackungen.

 

Auch im Europaparlament ist das Thema umstritten. Die Konservativen haben eine Lockerung des Werbeverbots für verschreibungspflichtige Medikamente als «nicht sinnvoll» bezeichnet, da sie zur vermehrten Verschreibung von teuren und nebenwirkungsreichen Medikamenten führen könnten. Dieses sei nur denkbar für sachgerechte und unabhängige Informationen, die der Patient von sich aus nachfragt, etwa die Veröffentlichung von Beipackzetteln im Internet in verständlicher Übersetzung.

 

Die SPD-Europaabgeordnete Dagmar Roth-Behrendt forderte, die Verhandlungen zum «Pharmapaket» fortzusetzen. «Patientenvertreter verlangen seit langem nach einer Möglichkeit für Patienten, verlässliche krankheitsorientierte Informationen über Arzneimittel und deren Anwendung zu bekommen», sagte sie. «Es darf nicht sein, dass jeder Patient Englisch sprechen muss, um sich auf amerikanischen Internetseiten die gewünschten Informationen zusammenzustellen. Wichtige Angaben zu Arzneimitteln müssen leicht zugänglich und nicht nur beim Arzt erhältlich sein.» Die Mitgliedstaaten dürften den Bürgern nicht die Mündigkeit absprechen.

34 Millionen gefälschte Medikamente / Apotheker fordern scharfes Vorgehen gegen Fälscher

Die ABDA - Bundesvereinigung Deutscher  Apothekerverbände unterstützt die klare europäische Linie für einen stärkeren Schutz der Verbraucher und Patienten gegen gefälschte Medikamente. "Fälscher nehmen den Tod von Menschen billigend in Kauf, um ihren Profit zu optimieren. Wir brauchen eine breite gesellschaftliche Kampagne, um Verbraucher und Patienten stärker zu sensibilisieren und vor den Gefahren eindringlich zu warnen", sagte ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf.

Nach Angaben von EU-Kommissar Günther Verheugen gingen den Zollbehörden in nur zwei Monaten mehr als 34 Millionen gefälschte Medikamente ins Netz. Problematisch ist nach Ansicht der ABDA die mangelhafte Kontrolle der Internetversender, insbesondere der ausländischen Anbieter, die in immer neuen Varianten mit Billigstangeboten locken. Der Preiskampf zwischen den
Versandanbietern führe zwangsweise zu einem kaum kontrollierbaren Einkaufsverhalten bei Zwischenhändlern. Wolf: "Patienten können kaum zweifelsfrei feststellen, ob sie bei einer sicheren, legalen Versandapotheke oder bei einem illegalen Anbieter landen. Angesichts der dramatischen Entwicklung bei den Fälschungen muss die Politik ein schärferes Controlling durchsetzen. Eine einfache Liste zum Nachschlagen und nicht fälschungssichere Signets wie das des DIMDI helfen nicht wirklich weiter."

Die Apotheker begrüßen grundsätzlich die Ziele der EU-Kommission, Arzneimittel zu kennzeichnen, um illegalen Anbietern den Garaus zu machen. Wolf: "Hier gibt es konkreten  Handlungsbedarf. Es wäre gut, wenn es eine flächendeckende, europäische Lösung gibt, die zusätzlich den Schutz der Patientendaten berücksichtigt."

 

Weitere Informationen stehen unter www.abda.de

Kommentare

Mediathek
  • Impressum
  • AGB
  • Werbung
  • Newsletter
  • Kontakt
  • Linktipps
  • Datenschutz
  • Sitemap