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DEUTSCHLAND/WELT

 

15.12.2009 | Kopenhagen (dpa)

Zähe Verhandlungen bei UN-Klimagipfel

Neuer Anlauf beim Klimagipfel: Nach zähen Verhandlungen am Montag haben die Umweltminister am Dienstag ihre informellen Gespräche fortgesetzt. Bundesumweltminister Norbert Röttgen war bei den Diskussionen über die Klimaziele der Industrieländer am Vormittag Co-Vorsitzender.

Auf der Agenda einer weiteren informellen Arbeitsgruppe stand die Finanzierung von Klimamaßnahmen in den Entwicklungsländern, ein besonders umstrittenes Thema.

Nach massiven Protesten der afrikanischen Staaten am Vortag kündigten die Organisatoren der Klimakonferenz am Dienstag an, sie wollten auf die Entwicklungsländer zugehen. Die dänische Konferenzpräsidentin Connie Hedegaard sagte im britischen Rundfunksender BBC, die Forderung dieser Gruppe nach Beachtung des Kyoto-Protokolls solle «beachtet» werden. Die Entwicklungsländer wollen am Kyoto-Protokoll festhalten, weil darin die Industrieländer verbindlich zur Verringerung ihrer Treibhausgase aufgefordert werden.

Die afrikanischen Staaten hatten die Konferenz am Vortag vorübergehend verlassen, um gegen die von Industriestaaten angestrebte Aushandlung eines neuen Vertragssystems für den Klimaschutz zu protestieren, das parallel zum Kyoto-Vertrag läuft. Hedegaard kritisierte in diesem Zusammenhang, dass die Gruppe der afrikanischen Länder sich zunächst mit dem von ihr vorgebrachten Verfahrensvorschlag einverstanden erklärt und dann plötzlich die Gespräche unterbrochen habe.

Umweltschützer äußerten sich am Dienstag skeptisch. Bisher gebe es in keinem Bereich eine Einigung. Nach Angaben des Umweltschutz- Netzwerks Climate Action Network (CAN) gibt es auf dem Gipfel vor allem zwei Probleme. Zum einen fehle das Vertrauen, zum anderen gebe es Zweifel an der langfristigen Finanzierung von Klimahilfen für die ärmeren Länder. Hier seien vor allem Deutschland, die USA und Japan am «wenigsten hilfreich», sagte ein Sprecher.

Am späten Nachmittag sollten die formellen Beratungen der Umweltminister feierlich eröffnet werden. Der britische Premierminister Gordon Brown wurde am Abend erwartet, zwei Tage vor der Anreise der übrigen EU-Staats- und Regierungschefs. Am Rande des Klimagipfels wurden unter anderem Großbritanniens Thronfolger Prinz Charles, Friedensnobelpreisträger Al Gore und der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger erwartet.

Nach einer neuen Studie der Organisation Climate Interactive reichen die bisherigen Zusagen auf dem Klimagipfel bei weitem nicht aus, um den Temperaturanstieg zu begrenzen. Demnach würde die Temperatur nach den bisherigen Vorgaben bis zum Jahr 2100 um 3,9 Grad ansteigen. Das Ziel sei eine Begrenzung des Temperaturanstiegs um 1,5 bis 2 Grad. Ohne jede Änderung des bisherigen Verhaltens würde die Temperatur um 4,8 Grad steigen.

In der Nacht zum Dienstag kam es in Kopenhagen erneut zu Ausschreitungen. Die dänische Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer gegen Demonstranten ein und nahm auf dem Gelände des sogenannten «Freistaates Christiania» knapp 200 Menschen fest. Mehrere Gruppen hatten zuvor Barrikaden errichtet, Feuer entzündet und Brandsätze gegen die Polizei geworfen. Christiania ist ein seit den 70er Jahren besetzt gehaltenes Kasernengelände in unmittelbarer Nähe des Kopenhagener Stadtzentrums.

15.12.2009 | Kopenhagen (dpa)

Randale und Festnahmen bei UN-Klimagipfel

Am Rande des UN-Klimagipfels ist es am späten Montagabend in Kopenhagen zu Ausschreitungen gekommen. Die dänische Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Beamte nahmen auf dem Gelände des sogenannten «Freistaates Christiania» knapp 200 Menschen fest.

Mehrere Gruppen hatten zuvor Barrikaden errichtet, Feuer entzündet und Brandsätze gegen die Polizei geworfen. Christiania ist ein seit den 70er Jahren besetzt gehaltenes Kasernengelände in unmittelbarer Nähe des Kopenhagener Stadtzentrums.

Der Klimagipfel wird heute mit neuen Verhandlungen zwischen Vertretern der Entwicklungsländer und der Industrienationen fortgesetzt. Die Umweltminister aus 192 Staaten beraten seit Beginn der Woche über ein globales Klimaschutzabkommen gegen den Temperaturanstieg durch Treibhausgase. Bundesumweltminister Norbert Röttgen forderte dabei vor allem die USA und China auf, mit weitergehenden Zusagen als bisher zum Erfolg des Klimagipfels beizutragen. Beide Länder allein stehen für 40 Prozent der CO2- Emissionen.

Unterdessen läuft den Gipfelteilnehmern die Zeit davon. «Zeit ist jetzt unser schlimmster Feind», hieß es am Montagabend aus Kreisen der Gipfelorganisatoren. Der britische Premierminister Gordon Brown, der heute in Kopenhagen erwartet wird, warnte angesichts des Konflikts vor einer Spaltung der Staatengemeinschaft. «Die Uhr tickt, wir haben nicht viel Zeit», warnte auch US-Delegationsleiter Todd Stern. Er erwartete, dass die ab Mitte der Woche erwartete Ankunft von über 100 Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen einen positiven Druck auf die Umweltminister und Delegationen ausüben werde.

Am Mittwoch steht den wegen ihres harten Einsatzes vielfach kritisierten dänischen Sicherheitskräften eine neue Kraftprobe bevor: Militante Gruppen haben angekündigt, entgegen aller Verbote den Tagungsort des Gipfels stürmen zu wollen. Bis Montagabend war es nicht zu Krawallen im Umfeld des Gipfels gekommen. Dennoch hatte die Polizei seit Samstag bei mehreren Demonstrationen fast 1500 Menschen festgenommen.

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