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DEUTSCHLAND/WELT

 

04.01.2010 | Berlin (dpa)

Architekten: Burj Dubai kein Vorbild für Baukultur

Der mehr als 800 Meter hohe Wolkenkratzer Burj Dubai ist nach Ansicht deutscher Architekten kein Vorbild für die Baukultur. In Europa gehe es weniger um die Gestaltung von immer mehr und immer größeren Neubauten, sondern um die Sanierung und Aufwertung bestehender Gebäude, erklärte der Verband der Deutschen Architekten-und Ingenieurvereine (DAI) am Montag in Berlin. Das für drei Milliarden Euro errichtete Hochhaus im Emirat Dubai ist das höchste Gebäude der Welt.

«Keiner weiß genau, wohin die planerische Hybris der Scheichs noch führen wird. Eines ist allerdings sicher: Einen nachhaltigen Beitrag zur Baukultur in der Welt stellt die Betonstahl und Glas gewordene Wüste kaum dar», sagte DAI-Präsident Christian Baumgart.

Der Architekt Meinhard von Gerkan nannte den Wolkenkratzer «ein ökonomisch sinnloses Prestigesymbol für die Macht des Geldes». Mit solchen Gebäuden lasse sich kein Geld verdienen, sagte der Architekt des Berliner Hauptbahnhofs im «Deutschlandradio Kultur». Bei einem Gebäude dieser Höhe wüchsen auch die Bau- und Betriebskosten maßlos in die Höhe. Es sei kein Zufall, dass der höchste Wolkenkratzer der Welt in einem islamischen Land entstanden sei und nicht beispielsweise in den USA, wo die Rationalität gegenüber der Demonstration von Macht eine größere Rolle spiele.

03.01.2010 | Dubai (dpa)

Dubai eröffnet höchstes Haus der Welt

 

In der arabischen Glitzermetropole Dubai wird an diesem Montagabend das höchste Haus der Welt eröffnet. Die genaue Höhe des Burj Dubai wird bis zur Einweihung durch den Emir von Dubai, Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktum, als Geheimnis gehütet.

 

Sie wird aber sicher über 800 Meter betragen. Mit mehr als 160 nutzbaren Stockwerken ist der Luxustempel aus Stahl und Glas das höchste von Menschen bewohnte Gebäude der Welt.

 

Die Burj-Dubai-Website bewirbt den Turm als «Kunstwerk», «Emblem» und «Heim für die Elite der Welt». Der Chef des Projektfirma Emaar, Mohammed al-Abbar, schwärmt: «Im Burj Dubai erblicken wir den Triumph der Vision Dubais, das scheinbare Unmögliche zu schaffen und neue Limits zu setzen.»

 

Vertikale Stadt für 12 000 Bewohner

 

Entworfen hat dieses Haus der Superlative der Architekt Adrian Smith aus Chicago. Seine Konstruktion rankt sich auf einem Y-Grundriss, der an die Konturen einer Wüstenlilie erinnern soll, in schwindelerregende Höhen. Nach oben hin verjüngt sich der Turm spiralförmig. Entfernt ähnelt er dem biblischen Turm von Babel, wie man ihn aus bildlichen Darstellungen kennt. In seinen Proportionen wirkt der Koloss schlank und filigran.

Mit 3,07 Milliarden Euro haben Emaar und Smith eine Art «vertikale Stadt» für 12 000 Bewohner geschaffen. Luxus-Residenzen, Edel-Büros, Nobel-Restaurants und das erste Hotel, das der italienische Couturier Giorgio Armani gestaltet hat, verhelfen den Superreichen, Superschönen und Supererfolgreichen zu einer neuen Prestige-Adresse auf dem Globus.

 

Bis zu drei Millionen Euro werden für ein Appartement im Burj Dubai bezahlt. Die weniger Betuchten können die offen zugänglichen Bereiche des Turms besuchen. Dazu gehört die Aussichtsplattform im 124. Stock, die höchst gelegene der Welt. Rund drei Dutzend deutsche Unternehmen trugen zum Zustandekommen dieses Wunderwerks bei. Die Tiefbauarbeiten erledigte die Firma Bauer aus dem bayerischen Schrobenhausen, das baden-württembergische Unternehmen Meva entwickelte ein Schalungssystem für Betondecken, und die Firma Lopark aus Nordrhein-Westfalen lieferte 95 000 Quadratmeter Parkett aus deutscher Eiche.

 

«Paradebeispiel fröhlicher Ressourcenverschwendung»


Umwelt-Gesichtspunkte spielen bei den bauwütigen Golfscheichs meist eine untergeordnete Rolle. Das «Paradebeispiel fröhlicher Ressourcenverschwendung», wie das Wirtschaftsmagazin «brand eins» den Burj Dubai beschrieb, hinterlässt einen gewaltigen ökologischen Fußabdruck. Wenn etwa im Sommer die Außentemperaturen auf 50 Grad klettern, werden die Kühlsysteme stündlich eine Energiemenge verbrauchen, mit der man 10 000 Tonnen Eis kühlen könnte.

Doch das Golfemirat, das zuletzt von der Finanzkrise übel gebeutelt wurde, zelebriert mit der Einweihung am Montag noch einmal genussvoll jene Exzentrik, die zum Markenzeichen der aus dem Wüstensand gestampften Geld- und Handelsmetropole geworden ist. Noch einmal schwelgt es in der Illusion der Grenzen- und Schrankenlosigkeit, die es ihm ermöglichte, vor seiner Küste Insel-Archipele in Palmenform aufzuschütten oder eine künstlich gekühlte Skipiste in die Wüste zu stellen.

 

Letztes Zeugnis des Dubai-Booms?

 

Wohl ein letztes Mal für lange Zeit wird Scheich Mohammed, der in seiner Freizeit gern dichtet, twittert und Pferde züchtet, ein Monument seines unbändigen Gestaltungswillens einweihen. Denn Ende November wurde offenbar, dass Dubai auf Schulden in Höhe von mehr als 50 Milliarden Euro sitzt. Der Burj Dubai war zu diesem Zeitpunkt schon fast fertig. Zahlreiche andere bauliche Prestige-Projekte mussten aber auf Eis gelegt werden. Vor der Baustelle des Turms steht ein Plakat mit der Aufschrift: «Hier wächst Geschichte.» Dass der Rekordbau zum letzten Zeugnis des historischen Booms von Dubai werden könnte, war damit freilich nicht gemeint.

 

www.burjdubai.com | www.burjdubaiskyscraper.com

www.dubai-wolkenkratzer.de

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